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Neuss
Die r(h)einste Segelfreude

Neuss: Die r(h)einste Segelfreude
Im Sporthafen Grimlinghausen geht es erst nach dem sogenannten Anfahren im Mai richtig geschäftig zu. Für manchen macht diese Ruhe den Reiz des Hafens aus. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Traumstrände unter italienischer Sonne, bretonische Fischerdörfer am rauen Atlantik, oder das Ijsselmeer in den Niederlanden: Kein Liegeplatz der Welt kann für Uwe Manke schöner sein als der im Heimathafen in Grimlinghausen. Von Anne Odendahl

Die letzten Frostnächte sind vorbei, das erste Grün sprießt an den Bäumen und nach und nach werden auch die Segelboote im Sporthafen in Grimlinghausen von ihren Eignern aus dem Winterschlaf geweckt. Die Frühlingssonne glitzert im ruhigen Wasser. Ein bisschen Wind weht, aber in einer Stärke, bei der man nicht weiß, ob man die Jacke nun anziehen muss oder nicht. Zum Anfahren des Yacht-Club "Novesia" (YCNo) in vier Wochen, wenn am 5. Mai alle Wassersport treibenden Vereine gemeinsam die Saison eröffnen, wird es richtig betriebsam, ansonsten bleibt die Alltags-Hektik draußen vor dem blauen Türchen, hinter dem der Clubsteg beginnt. Segeln ist kein Hobby für Leute, die es eilig haben.

"Sobald ich ein Boot betrete, bin ich ein anderer Mensch. Ich kann Stress ohne Ende haben, aber sowie ich auf einem Schiff bin, ist alles vorbei. Es ist wie eine andere Welt", sagt Uwe Manke. Seine "Guilvinec", nach dem Lieblingsurlaubsort in der Bretagne benannt, hat er seit zehn Jahren. Die Segelyacht vom Typ Sirius 26 ist 26 Fuß, also etwa 7,90 Meter, lang und hat drei Schlafplätze. "Mit drei Mann wird es aber schon eng. Drei Tage Regen und der Hafenkoller ist unerträglich. Jeder Meter länger bringt zwar Raum, aber der kostet auch", weiß Manke. Denn der Preis für eine Übernachtung in einem fremden Hafen wird nach Bootsmetern berechnet. Das sind in Neuss 1,50 Euro pro Meter. Vor Capri, im Golf von Neapel, aber werden vom Hafenmeister schon 200 Euro in Rechnung gestellt. Tolle Urlaube haben Manke und seine Frau auf Booten erlebt. Sie reisen gerne, Heimathafen ist aber immer Neuss geblieben.

Leinen los: Uwe Manke hat sich bewusst dafür entschieden, Neuss zum Heimathafen für sich und seine Yacht zu machen. FOTO: A. Woitschützke

"Ein eigenes Boot bedeutet auch immer Nachhausekommen", findet er. Einige Club-Mitglieder hätten ihre Boote woanders liegen, wie am Ijsselmeer oder in Zeeland und führen dann mit dem Auto dorthin. "Klar, gibt es da besseren Wind und man kann sich austoben. Aber es ist wunderschön, nach Feierabend einfach mal schnell herzukommen und ein Glas Wein zu trinken, in der Sonne zu liegen oder ein Buch zu lesen. Gerade unter der Woche ist das sehr idyllisch hier unten", schwärmt Manke, der im neuen Integrationsamt der Stadt Neuss arbeitet.

Ein bisschen mehr Trubel fände er allerdings gar nicht so schlimm. "Wir haben wenig Mitglieder, die um die 30 oder 40 Jahre alt sind", sagt der 62-Jährige, der 25 Jahre lang Vorstand im YCNo war. 1967 trat er im Alter von elf Jahren bei, war eines der frühen Mitglieder und damit Mitbegründer der über 50-jährigen Vereinsgeschichte.

"Segeln gelernt habe ich im Sporthafen. Ich hatte einen Deal mit meinem Vater. Ich durfte alleine fahren, aber ja nicht raus auf den Rhein", erinnert sich Manke. Mit elf Jahren ist er in den Jugendclub der Neusser Segler eingetreten. Seine Eltern waren Paddler, die viel auf der Ruhr unterwegs gewesen waren und 1960 nach Neuss zogen. Der Vater kam gebürtig aus der Nähe von Stettin, das an der südlichen Ostseeküste an der Mündung der Oder in das Stettiner Haff liegt. "Er hatte immer den Traum vom Segeln. In Neuss kaufte er sich ein kleines Boot und trat in den Yacht-Club Novesia ein", erzählt Manke. "Damals waren die Bäume noch kleiner und der Wind besser. Heute kann man nicht mehr segeln lernen im Sporthafen", sagt Manke.

Seit 2012 hat der Verein am Wassersportzentrum Sandhofsee die Möglichkeit, den großen und kleinen Nachwuchs sicher auszubilden. "Tradition und Nachwuchs" hat sich der Club auf die Wimpel geschrieben. Die modernen Clubräume in Grimlinghausen, Sommerfest, Herbsttörn und Silvesterfeier machen das Vereinsleben rund. Auch einen Liegeplatz auf Lebenszeit, wie das früher mal war, müsse keiner mehr mieten.

Für die Zeit als Rentner könnte Manke sich vorstellen, ein größeres Boot zu besitzen. Man habe dann mehr Zeit es zu pflegen und zu nutzen, argumentiert er. Sein Traum wäre ein Törn zu den Scilly-Islands im Atlantik, die 40 Meilen westlich von der englischen Grafschaft Cornwell liegen. Das sei aufgrund der Strömungen eine herausfordernde Strecke. "Möglicherweise könnte ich mal eine Saison woanders liegen, aber der Rhein ist mein Zuhause", sagt Manke. Wenn er stromaufwärts fährt, schafft sein Segelboot mit Motor fünf Kilometer in der Stunde. "Selbst mit dem Fahrrad ist man schneller. Aber stellen Sie sich vor, wie viel Ruhe und Zeit man hat, sich die Ufer anzusehen, wenn man so langsam unterwegs ist. Ein Traum", sagt Manke.

Quelle: NGZ
 
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