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Brüggen
Duftender Weckmann für St. Martin

Brüggen: Duftender Weckmann für St. Martin
Die zehnjährigen Zwillinge Ida (links) und Astrid lernen unter Anleitung von Bäckermeister Erich Lehnen, wie man die Weckmänner formt. FOTO: Jörg Knappe
Brüggen. Bäckermeister Erich Lehnen backt seit 50 Jahren Weckmänner. Von ihm lernten Ida und Astrid, wie das geht Von Heike Ahlen

Eigentlich ist es ganz einfach. Die Zeile "Zucker, Mehl und Milch verrühren", kennen die zehnjährigen Zwillinge Ida und Astrid aus dem Kinderlied "In der Weihnachtsbäckerei". Und tatsächlich ist das nicht nur der Beginn des Plätzchenbackens, sondern auch der Anfang eines jeden Weckmanns. Kommt die Hefe hinzu, muss erst einmal noch fleißig gerührt werden - das macht in der Bäckerei von Erich Lehnen in Bracht die Maschine. "Die Butter darf erst danach dazu", erklärt Lehnen den Kindern. "Die Hefe mag das sonst nicht."

Der 62-Jährige hat Erfahrung: Er backt seit 50 Jahren Weckmänner - und für die beginnt nun die Hoch-Zeit: Heute starten die Martinszüge in der Region. Wenn die Weckmann-Saison vorbei ist, werden rund 5500 Weckmänner durch die Backstube Lehnens gegangen sein. Die Menschen in der Region lieben Weckmänner, berichtet Lehnen: "Wenn unsere Stuten ab Mitte September plötzlich Kopf und Beine haben, werden dreimal so viele verkauft wie zu anderen Jahreszeiten."

Weiter geht es mit dem Teig. Ein prüfender Griff des Bäckermeisters: Der Teig ist zu weich, braucht noch ein wenig Mehl. Als die Zwillinge den Teig Minuten später aus der Maschine holen dürfen, ist er glatt und griffig - perfekt. Lehnen zeigt den Kindern, wie man den Teig in gleich große Stücke teilt und diese mit wenigen schnellen Handgriffen rollt. Dann werden mit einem scharfen Spachtel Arme und Beine des Weckmanns getrennt. Müsse es schnell gehen, hätten die Weckmänner die Hände halt in den Taschen, verrät Lehnen - dann sind an den Armen nur zwei kleine Schnitte notwendig.

Die Pfeife aus Ton, die Astrids Weckmann später mit den Armen umschließen wird, soll den Bischofsstab darstellen. Denn ein Weckmann stellt am Niederrhein zunächst St. Martin, später den Nikolaus dar. Laut Legende trug der Weckmann einst tatsächlich einen Bischofsstab. Bis einem Bäcker die Stäbe ausgingen und er im Pfeifengeschäft nebenan feststellte, dass eine Pfeife ja wie ein umgedrehter Bischofsstab aussehe. Als Gebildebrot sei der Weckmann ursprünglich zu bettlägerigen Menschen gebracht worden, die nicht in die Kirche gehen und die Kommunion empfangen konnten, berichtet Lehnen. Auch die Tatsache, vor Beginn der Fastenzeit im Advent noch einmal ein Gebäck aus guten Zutaten zu haben, spielte eine Rolle.

Als die Weckmänner endlich im Ofen liegen, stellen die Zwillinge schon die Zutaten zum Verzieren zusammen: Mit Zuckerguss, Schokolade, Mandeln und Nüssen wird das Gebäck süß und bunt.

Quelle: RP
 
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