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Duisburg
Ein Gotteshaus wie eine Trutzburg

Duisburg: Ein Gotteshaus wie eine Trutzburg
Die Mündelheimer St.-Dionysius-Kirche. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Die Mündelheimer St.-Dionysius-Kirche wurde urkundlich bereits 1221 erwähnt. Der spätromanische Stil ist in dem denkmalgeschützten Bauwerk geradezu idealtypisch zu erkennen. Um den Kirchbau rankt sich eine schöne Legende. Von Peter Klucken

Man muss einige Stufen hinaufgehen, um auf den Kirchplatz zu gelangen. Die Mündelheimer St.-Dionysius-Kirche ist mit Bedacht auf einer Erhebung gebaut worden. Sie wurde dadurch zum weithin sichtbaren Wahrzeichen des Ortes; zum anderen bot sie den Menschen auch Schutz bei Rheinüberschwemmungen, die in alten Zeiten gar nicht selten und lebensgefährlich waren. Die Menschen wussten, dass ihr Gotteshaus ein sicherer Ort ist. Nicht bewusst dürfte den meisten Mündel- heimern sein, dass ihre Kirche kunsthistorisch eines der bedeutendsten Bauwerke Duisburgs ist. Die Kirche gehört für die Einheimischen ganz selbstverständlich zum Ortsbild.

Auch für die Nicht-Katholiken ist sie sichtbares Heimatsignum. Dass viele Architekturstudenten nach Mündelheim reisen, um die Kirche als Bauwerk zu studieren, freut sie, ohne, dass dies ein großes Gesprächsthema ist. Im Jahr 1221 wurde die Kirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es gilt als sicher, dass es auch schon vorher genau an dem Ort, wo die heutige Kirche steht, einen Vorgängerbau gab. Das beweisen Funde, die 1955 bei der Heizungsinstallation gemacht wurden. Der spätromanische Baustil ist in der Kirche, die architektonisch harmonisch und ausgewogen gegliedert ist, geradezu idealtypisch zu erkennen. Bei der Ausgestaltung dominieren die typischen Farben der Romanik: Grau, Gelb, Ziegelrot, Schwarz und Weiß. Beim Bau selber ist alles auf Wucht und Schwere angelegt. Die Mauern und die quadratischen Säulen haben eine Stärke, die über das von der Konstruktion geforderte Maß weit hinausgeht. Der Turm auf der Westseite, der aus fünf Geschossen besteht und mit einem stumpfen Pyramidendach versehen ist, wirkt, von vorne betrachtet, wie ein Schild, der die Kirche schützt. Die Fenster sind vergleichsweise klein, wirken wie Schießscharten: eine Trutzburg. Wer den Baukörper als Ganzes betrachtet, der sieht das Sinnbild einer starken Kirche, die den Stürmen der Zeit gewachsen ist. Die Baumeister vergangener Jahre legten Wert darauf, dass man dies auch deutlich sieht. Nicht Eleganz und Leichtigkeit soll die Kirche ausstrahlen, sondern Kraft und unerschütterliche Festigkeit. Dieser Charakterzug blieb bei allen Baumaßnahmen, denen die Mündelheimer Kirche im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt war, bestimmend.

Der Backsteinbau des kleinen Kapellchen wurde bereits im Jahr 1723 errichtet, wie der lateinischen Buchstabenkombination MDCCXVVIII über der Tür zu entnehmen ist. FOTO: Christoph Reichwein

Eine schöne, geradezu dialektisch zugespitzte Legende wird über den Bau der drei ähnlichen und zeitgleichen Kirchen in Düsseldorf-Kalkum, Düsseldorf-Wittlaer und Mündelheim erzählt: Danach haben drei alte Juffern (adelige Jungfrauen) in den drei Orten Kirchen errichten lassen. Die drei Kirchen sollten gleich mit Geld bedacht werden, das deshalb in gleich großen Scheffeln gesammelt wurde. Da die Mündelheimer Juffer blind war, drehten die beiden anderen, die missgünstig waren, den Scheffel um. Die auf der Rückseite des Scheffels tastende Blinde meinte, schon genug Geld gesammelt zu haben und erteilte viel zu früh den Bauauftrag. Die Mauern waren gerade hochgezogen, da ging der blinden Juffer das Geld aus, während die anderen Juffern auf Kosten ihrer blinden Rivalin weiterbauen konnten. Die stolzen und frommen Mündelheimer Bewohner indes unterliefen den Betrug und bauten aus eigener Kraft die schönste der drei Kirchen... Eine andere Legende bezieht sich auf die kleine Kapelle an der Straße zwischen Mündelheim und Serm. Der Backsteinbau wurde 1723 errichtet, wie der lateinischen Buchstabenkombination MDCCXVVIII über der Tür zu entnehmen ist. 1723, das war die Zeit des Barock, und trotz aller Schlichtheit zeigen der geschweifte Giebel und das sanft geschwungene Ziegeldach Stilelemente dieser Epoche.

Das "Kapellchen" befindet sich "tausend Schritte" von der Mündelheimer St.-Dionysius-Kirche entfernt. Der heilige Dionysius (französisch: Denis) wurde auf dem Montmartre zusammen mit seinen Begleitern Rusticus und Eleuthrius enthauptet. Der Legende nach nahm Denis sein abgeschlagenes Haupt in die Hände und ging, von Engeln geleitet, vom Richtplatz aus zu jener Stelle, wo er, wie er es vorher gesagt hatte, begraben sein wollte: Über seinem Grab entstand die Abtei St. Denis. Die Strecke zwischen der Mündelheimer St.-Dionysius-Kirche und dem "Kapellchen" entspricht - symbolisch - dem letzten Gang des Bischofs aus Paris.

Eine ebenso fromme wie schaurige Geschichte.

Quelle: RP
 
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