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Leverkusen
Ein Häuschen steht im Walde

Leverkusen: Ein Häuschen steht im Walde
Sigrid Fischer hat sich mit dem Waldhaus Römer einen Lebenstraum erfüllt. Ihr Café mit Selbstgebackenem und kleinen herzhaften Speisen ist Anlaufstelle für Wanderer, Radler, Spaziergänger. FOTO: Miserius Uwe
Leverkusen. "Ganz still und stumm", wie es im Kinderlied zum Männlein im Walde heißt, ist das Waldhaus Römer bei weitem nicht. Das einstige Sommerhaus der Industriellenfamilie Römer ist zum schmucken kleinen Café von Sigrid Fischer geworden. Von Verena Bretz

Heimelig. Das ist der erste Gedanke des Wanderers, der das Waldhaus Römer betritt. Der alte Dielenboden knarzt, die Decken sind niedrig, der Geruch ist eine Mischung aus Lehm und Stroh. An der Theke empfängt Sigrid Fischer, Inhaberin des urigen Waldcafés, ihre Gäste mit einem Lächeln - und mit selbst gebackenem Käsekuchen. "Wenn meine Gäste sich wohlfühlen, bin ich glücklich", sagt sie. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, und der führt mitten durch den Wald. Gäbe es einen Preis für das am besten versteckte Café der Stadt, dann würde das Waldhaus Römer ihn garantiert gewinnen.

Aber von vorne: Wer die Düsseldorfer Straße mit ihrem Autolärm hinter sich lässt und rechts auf den Wanderparkplatz abbiegt, der ist nach nur wenigen Schritten von Entengequake, dem Plätschern der Wupper und Vogelgezwitscher umgeben. Umgefallene Bäume liegen neben dem Weg (der bei Regen auch mal ganz schön matschig ist), Hundebesitzer pfeifen ihre Tiere aus dem Gestrüpp zurück. Und wenn man denkt, jetzt kommt nichts mehr, dann kann man es sehen: ein kleines Fachwerkhaus mit grünen Fensterläden. Einst gehörte das Haus am Wupperufer der Industriellenfamilie Römer. Max Römer, der in der Stadt eine Färberei besaß, hatte es im Jahr 1915 bauen lassen, um sich dort in den Ferien und am Wochenende zu erholen und zu jagen. Nach dem Wegzug der Familie nach Stuttgart ging das Haus in den 1930er Jahren in öffentlichen Besitz über. Schäfer wohnten dort, Kriegsgeschädigte kamen unter, und auch der Verein für Vogelschutz hatte dort zeitweise sein Zuhause. Unmittelbar nach dem Krieg lebte sogar mal eine Familie mit zwei Kindern in dem Häuschen. Die eine Tochter, die mittlerweile schon Ende 70 ist, kommt noch regelmäßig vorbei und erzählt von früher, sagt Fischer.

Hingucker: In einen der Fachwerk-Balken ließen die Erbauer das Entstehungsjahr und ihre Namen verewigen. FOTO: U. Miserius

Seit 1999 ist das Haus im Wald denkmalgeschützt. Aber vor dem Verfall konnte die Plakette es auch nicht bewahren. Der Hausschwamm machte sich breit, im Dach fehlten Ziegel, Fensterscheiben waren zerschlagen. Da war es wie eine Rettung, dass sich das Waldhaus im Jahr 2007 in ein Café verwandelte.

"Als ich das Café zufällig bei einem Spaziergang entdeckt habe, war mir klar: Das möchte ich haben!", erinnert sich Sigrid Fischer. "Das Haus strahlt für mich so eine besondere Gemütlichkeit aus." Drei Jahre später war es so weit - seit 1. Mai 2010 ist die 55-Jährige glückliche Besitzerin des Waldhaus Römer.

"Manchmal besuchen uns Ur-Opladener, die völlig baff sind, wenn sie uns finden", erzählt die Soziologin, die schon immer vom eigenen Café geträumt hat. "Alle sind von der Ruhe und der Idylle begeistert." Wandergruppen und Spaziergänger kehren regelmäßig im Waldhaus ein, viele Hundebesitzer, Radfahrer, jede Menge Stammgäste, aber auch immer wieder Verzweifelte, die auf der Suche nach einer Toilette sind. Die schickt Sigrid Fischer aber raus. Dort steht nämlich das Toilettenhäuschen, das drinnen zum Glück moderner ist, als es von außen ausschaut. "Manchmal sind wir also so etwas wie der rettende Ankerplatz im Wald", sagt Fischer und lacht.

Wohlbefinden und sich zu Hause fühlen - beides sei ihr wichtig. "Das möchten wir rüberbringen." Deshalb stehen auf der Karte typische Heimatgerichte wie die Bergische Kaffeetafel und deftige Suppen. "Unser Kaffee, die ,Waldhausröstung', wird extra für uns im Café Kränzchen in Leichlingen geröstet - den gibt es nur bei uns", sagt sie. Und auch das Original Upladiner, ein obergäriges Bier, das von einem Lützenkirchener Händler vertrieben wird, hat Sigrid Fischer im Ausschank.

Waldhaus Römer Düsseldorfer Str. 90 (mitten im Wald), Tel. 02171 3959001, Geöffnet Di.-Sa. 12-18 Uhr, So. und an Feiertagen 9.30-18 Uhr, www.waldhaus-roemer.de. Kultur Im Waldhaus gibt es regelmäßig Kleinkunstveranstaltungen. Für den Rückweg sollten Besucher eine Taschenlampe mitnehmen.

Quelle: RP
 
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