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Gruselgeschichten aus Düsseldorf
Von Hexen, Henkern und bösen Buben

Gruselgeschichten aus Düsseldorf: Stadt
Sebastian Hartmann führt seine Gäste auch am Schlossturm entlang. An dieser Stelle starb Jakobe von Baden. FOTO: Elena Erbrich
Düsseldorf. Das Scharfrichterschwert, die Weiße Frau, die Böse Sybille - Düsseldorfs Stadtgeschichte ist voll von Gruselgeschichten. Drei Stadtführer erzählen ihre Favoriten. Von Elena Erbrich

Die Weiße Frau ist jedem Düsseldorfer ein Begriff. Jakobe von Baden spukt seit ihrem Tod 1597 im Düsseldorfer Schlossturm herum. Die Stadt hat aber noch mehr Spukgeschichten zu bieten: Scharfrichterschwerter, die nach Blut lechzen, böse Schwägerinnen und Gespenster in der Andreaskirche. Die Düsseldorfer haben viel Fantasie und gruseln sich gerne. Die Stadtführer Uta Pollmann, Brigitte Trösch und Sebastian Hartmann haben unserer Redaktion ein paar Gruselgeschichten aus der Heimat erzählt.

  • Das Scharfrichterschwert

Anfang des 19. Jahrhunderts: Heinrich Heines Jugendfreundin Josepha, das rote Sefchen, berichtet ihm von einer Nacht, die sie im Alter von acht Jahren erlebt hat. Damals wohnte sie noch nicht bei ihrer Tante in Düsseldorf, sondern auf dem Hof ihres Großvaters irgendwo im Westfälischen. "Der war Henker", erzählt Brigitte Trösch. "Das Sefchen hat die Zeremonie miterlebt, in der ihr Großvater sein Scharfrichterschwert vergrub, weil er seinen Job aufgegeben hat." Männer in wallenden Gewändern sollen auf den Hof gekommen sein, tranken viel und vergruben dann das Schwert. Das rote Sefchen beobachtete das Ganze.

Als ihre Tante, die als Hexe verschrien war, davon erfuhr, wollte sie unbedingt wissen, wo das Schwert vergraben ist. "Sie war sich sicher, dass das Zauberkräfte hat und nach Blut lechzt, weil es schon so viel davon gesehen hat", erklärt die 68-jährige Stadtführerin. Die Tante wusste, dass man das Schwert gut zu Geld machen kann, suchte den Ort und grub das Schwert aus. In ihrer Wohnung in der Nähe des Volksgartens bewahrte sie es auf. Heine soll es gesehen haben.

  • Spuk in der Andreaskirche

Im Winter 1883 gruselten sich die Altstadtbewohner sehr. Sie hatten Gespenster in einem der beiden Türme der Andreaskirche bemerkt. Pünktlich zur Abenddämmerung tauchten die Geister auf. "Die Leute meinten, sie hätten einen knöchernen Arm gesehen, der winkte", erzählt die 64-jährige Uta Pollmann. Es kam zu Menschenansammlungen, die den Spuk unbedingt sehen wollten. "Ein paar beherzte Männer - so heißt es in den Schriften - sind dann mit dem Küster rauf in den Turm", sagt Pollmann, die seit 40 Jahren Stadtführungen anbietet. "Dort fanden sie ein paar Schuljungen, die als Messdiener Zutritt zum Turm hatten." Der knöcherne Arm war in Wirklichkeit ein Stock mit einem Lederhandschuh. "Ihre Messdienerposten waren sie natürlich los. Und es gab ein paar Ohrfeigen", erzählt Pollmann.

  • Jakobe von Baden - die Weiße Frau

Die Sage um Jakobe von Baden ist wohl die bekannteste Spukgeschichte aus Düsseldorf. Sebastian Hartmann erzählt sie auf seinen Nachtwächterführungen. "Ein Irrglaube ist, dass die Weiße Frau weiße Kleider getragen hat", sagt der 36-Jährige. "Sie hatte eine spanische Hoftracht an und die war schwarz."

Jakobe musste den Jungherzog Johann Wilhelm heiraten. "Darauf hatte sie keine Lust. Er war hässlich wie die Nacht und körperlich und geistig labil", erzählt Hartmann. Die Ehe war unglücklich. Jakobe stürzte sich in Affären. "Das gefiel ihren Gegnern und besonders Johann Wilhelms Schwester Sibylle nicht", sagt Hartmann. Wegen Ehebruchs sollte Jakobe angeklagt werden. Sie wartete im Schlossturm auf ihren Prozess. Zu dem kam es aber nicht: Jakobe lag eines Tages tot in ihrem Bett. Ein Schlaganfall soll die Todesursache gewesen sein. "Augenzeugen wollen aber Würgemale an ihrem Hals gefunden haben", erzählt Hartmann. Seither wandelt die Weiße Frau im Schloss und am Turm umher und sucht ihren Mörder, um sich zu rächen.

  • Die böse Sibylle

Jakobes Schwägerin Sibylle soll laut Sage einen großen Anteil an ihrem Tode geleistet haben. "Von Gewissensbissen geplagt soll sie vom Schloss aus in den Rhein gesprungen sein", erzählt Uta Pollmann. "Seitdem ist Sibylle verdammt, im Schloss zu spuken."

Die Frau, die in Düsseldorf umher wandelt, sei also gar nicht Jakobe, sondern Sibylle. Mit dabei hat sie den abgeschlagenen Kopf Jakobes. "Heine hat von einer Frau in schwarzen Kleidern berichtet, die ihren eigenen Kopf unter dem Arm trägt und umher wandelt", sagt Pollmann. "Da vermischen sich nun die Sagen um Jakobe und Sibylle."

Quelle: RP
 
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