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Ein ungewöhnliches Hobby
Der Wetterfrosch von Walbeck

Hobby-Metereologe aus Geldern belegt Klimawandel
Ist es kalt, ist es warm, ist es regnerisch, neblig, frostig oder mild? Der Hobby-Meteorologe Detlef Kranke führt Buch über die Entwicklung des Wetters in Walbeck. Seine Daten lassen einen Vergleich über viele Jahrzehnte zu und machen damit auch den Klimawandel greifbar. FOTO: Gottfried Evers
Geldern. Seit 48 Jahren misst Detlef Kranke die Niederschläge und Temperaturen. Sein alter Lehrer weckte einst das Interesse am Thema. Auch Krankes Daten belegen den Klimawandel. Ein Hobby, für das viel Geduld erforderlich ist. Von Michael Klatt

Morgens um halb acht geht es für Detlef Kranke raus in den Garten. Das Wetter spielt keine Rolle. Das heißt: Tut es doch! Denn es sind Regen, Schnee, Wärme, Kälte und Wind, die den Walbecker nach draußen treiben. Seit 1970 zeichnet er die Wetterdaten auf.

"Dazu braucht man Ruhe und Geduld", sagt der 78-Jährige selbst über sein Hobby. Und auch für seine anderen Steckenpferde nimmt er sich viel Zeit, für seine Öl- und Aquarellbilder und für seine Schiffsmodelle.

Sein Interesse an Meteorologie wurde durch seinen alten Lehrer geweckt. "Der hat uns Schüler mit in seinen Garten genommen und uns dort die Wetterstation gezeigt", erzählt Kranke. Er bekam die Unterlagen des Pädagogen, als der nicht mehr konnte. So verfügt Kranke über die Niederschlagsdaten ab 1900. Das Übrige sei verloren gegangen, meint er bedauernd. Er selber misst Niederschlag und Temperatur seit 1970, ab 1998 nahm er die Windgeschwindigkeit hinzu.

Zwischen den Gemüsebeeten hat Kranke die Mess-Stationen platziert. Ein Windmesser dreht sich in rund acht Meter Höhe. Zwei Röhren fangen den Niederschlag auf. Die ältere aus Blech ist von 1970, die jüngere aus Plastik ist mit einem Sender bestückt. In einem weißen Holzhäuschen sind zwei Digitalthermometer untergebracht. In der Küche liest Kranke mehrmals täglich die Daten auf einem Digital-Display schwarz auf grau ab und trägt sie mit Bleistift und Kugelschreiber säuberlich in Listen ein. "Mein Sohn hat gesagt, ich solle das lieber in den Laptop eingeben, aber ich mach' das lieber so."

Da wimmelt es auf den Blättern vor Ziffern in den Spalten und Reihen. Etwa eine halbe Stunde benötigt Kranke, um die Tagesdaten auszuwerten. "Aufwendiger ist die Monatsauswertung, die dauert zwei Stunden", berichtet der gebürtige Ostpreuße, der einst als Maler und Lackierer im Bundeswehrdepot Straelen arbeitete und diese Fertigkeiten 14 Jahre lang ehrenamtlich für das Walbecker Freibad einbrachte. Am Jahresende geht ein Vormittag drauf.

"Das ist eine Leidenschaft, man kann gar nicht mehr aufhören", bekennt Kranke lächelnd, der zugleich das Amateurhafte seines Tuns betont. Eine Gärtnerei in Walbeck sei als Station an das Wetteramt Essen angeschlossen.

Gleichwohl kann der 78-Jährige aus seinen Statistiken den allgemein festgestellten Klimawandel ablesen. "Die Erwärmung ist da, es fällt mehr Niederschlag", weiß er. Gab es zwischen 1931 und 1960 einen durchschnittlichen Niederschlag von 725 Millimetern pro Quadratmeter im Jahr, so stieg dieser Wert zwischen 1981 und 2010 auf 761 Millimeter. Auch die Tage mit Nachtfrost, die "Frosttage", nehmen nach seinen Beobachtungen ab. "Früher gab es 70 im Jahr, heute kaum 50."

Die allgemeine Klage über den angeblich so bitterkalten Februar 2018 kann der Walbecker mit seinen Daten nicht untermauern. Mit 21 Frosttagen, zwei Eistagen - das sind Tage mit einer Höchsttemperatur unter null Grad - und einer Durchschnittstemperatur von -0,1 Grad belegt dieser Monat in der Liste der kältesten Februare seit 1970 nur Rang fünf. Da lassen ihn die beiden Spitzenmonate von 1963 (27 Frosttage, zwölf Eistage, -2,3 Grad) und 1986 (25 Frosttage, 15 Eistage, -3,1 Grad) ganz cool hinter sich.

Noch möglichst lange will Kranke das Wetter aufschreiben und berechnen. Wer die Listen dann mal übernimmt? Da zuckt er mit den Schultern. Ein Enkel habe Interesse, sei aber beruflich eingespannt, sagt der Rentner, der von den Profi-Wetterfröschen übrigens am liebsten Sven Plöger und dessen Kollegen im Ersten mag. "Die lassen sich Zeit."

Quelle: RP
 
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