| 08.29 Uhr

Viersen
Im Kanu auf der Niers

Mit dem Kanu von Süchteln bis zur Langendonker Mühle
Viersen. Bei einer Kanu-Tour von Süchteln nach Oedt können nicht nur sportaffine Paddler die Niers aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel kennenlernen Von Julia Zuew

Mit der Strömung der Niers gleitet das Kanu an Kopfweiden vorbei, an Wiesen, Feldern und unter Brücken hindurch. Und unter Bäumen, die blühen und süßlich duften: Die Zweige hängen an mancher Stelle bis zum Wasser hinab. Wasservögel tummeln sich in der Böschung am Ufer. Vom Boot aus sind große und kleine Höhlen in der Erde am Ufer zu sehen: Hier waren Bisamratte und Nutria am Werk.

Auf 8,2 Kilometern können Besucher bei der Tour "Paddel und Pedale" die Natur an der Niers aus einer ungewöhnlichen Perspektive kennenlernen. Auf der Anlage Hammans Freizeit, Rheinstraße 25 in Süchteln, beginnt der Ausflug zu Wasser aber erst mit Trockenübungen. "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen", sagt Geschäftsführer Adolf Hammans. "Aber alles, was wir hier machen, ist ,no sports'."

Für unterschiedliche Paddler verschiedene Boote: Die Tour können Besucher alleine, aber auch zu zweit oder in einer großen Gruppe machen. FOTO: busch

Das heißt: Auf die Leistung kommt's nicht an, sondern auf den Freizeitspaß. "Der älteste Teilnehmer, den wir auf dem Wasser hatten, war 87 Jahre alt", sagt Hammans. Weder bei der Sportlichkeit noch beim Alter gibt es Grundvoraussetzungen - auch für Teilnehmer mit Behinderung gibt es beispielsweise Möglichkeiten, eine Bootstour zu machen. "Wir befestigen dann einen Stuhl im Boot", sagt Hammans. Darin können die Paddler genauso Platz nehmen, wie sonst im alltäglichen Rollstuhl. "Wenn die Leute selbstständig im Stuhl sitzen können, klappt das sehr gut."

Sicher muss die Tour aber sein - für alle Teilnehmer. Die Grundsätze des Kajakfahrens sind schnell erklärt. Wo Fahrer das Paddel richtig greifen müssen, das Boot im Gleichgewicht halten und im Fluss manövrieren können: All das wird jedem gezeigt, bevor es ins Nass geht. Und besonders unerfahrene Fahrer bekommen vermutlich erst bei den ersten Metern im Fluss das Gefühl dafür, wie viel - oder erstaunlich wenig - Kraft es benötigt, mit dem Boot voranzukommen. Je nach Größe der Gruppe, die zur Tour angemeldet ist, und abhängig von der Erfahrung, die Teilnehmer haben, stehen unterschiedliche Boote zur Auswahl. "Bei uns melden sich auch Firmen, die eine Veranstaltung für alle Mitarbeiter machen", sagt Hammans.

Dabei sei es immer wichtig, schon vorher möglichst herauszufinden, wie bewandt die Teilnehmer sind und was gebraucht wird: "Wir fragen nach dem Alter, der Erfahrung, auch danach, ob vielleicht jemand dabei ist, der etwas ängstlich ist." So lassen sich bei großen Teilnehmerzahlen Gruppen zusammenstellen, die gemeinsam ein gutes Team auf dem Wasser sein könnten. Auch ein passendes Boot ist dann schnell gefunden, sowohl für Einzeltouren als auch für Gruppenfahrten. So gibt es für Solo-Fahrer beispielsweise Kanus, die etwas breiter sind und stabil im Wasser liegen, so dass sich auch Anfänger sicher fühlen können und nicht befürchten müssen, aus der Balance zu geraten. Vor Nässe schützen wasserdichte Säcke, die an der Kanustation verfügbar sind, aber auch ein kleiner Container. "Wenn das Boot kentern sollte, schwimmt der Behälter an der Wasseroberfläche", sagt Hammans. Eine Dichtung am Verschluss stellt sicher, das kein Wasser an Handy oder Autoschlüssel kommt.

Der erste Teil der Tour "Paddel und Pedale" führt im Boot entlang der kleinen Wäldchen an der Niers, über den Flugplatz in Grefrath, wo Sportflieger in den Himmel aufsteigen, bis zum Bootsanleger in Grefrath an der Mühle Langendonk. Im ersten Abschnitt verläuft die Niers gerade, die Strömung ist zwar nicht stark, lässt aber durchaus zu, den Blick in die Baumkronen und aufs Ufer zu richten und trotzdem voranzukommen. Auf dem letzten Teil der Wasserstrecke schlängelt sich die Niers in Kurven durch die Landschaft vor der Langendonker Mühle. Von dort geht es mit einem Leihrad zurück zur Kanustation - über Felder, durch kleine Siedlungen und Waldstücke. Als Rastplatz bieten sich mehrere Bauerncafés an, auch am Sonntag, wie beispielsweise am Auffeld. Zur ruhigen Rast - vielleicht mit Proviant aus dem Rucksack - laden Sitzbänke an der Burg Uda ein, die etwa auf halbem Weg der rund zehn Kilometer langen Rückfahrt liegt.

Nicht ortskundige Radler können nach einem Fahrrad-Navi fragen. Die Route wird im Gerät gespeichert, das Navi wird mit dem Leihfahrrad an den Bootsanleger gebracht. Beim Wunsch, eigene Fahrräder für die Tour mitzubringen, empfiehlt Hammans zu beachten, dass bei Hochbetrieb rund 150 Fahrräder am Tag in Umlauf sind. "Wir müssen die Räder natürlich alle mit den Anhängern zu den unterschiedlichen Standorten der Tour transportieren." Dabei stehen die Räder dicht aneinander. Der Lack am Fahrradrahmen kann da schnell einen Kratzer abbekommen. "Wenn wir sehen, dass Kunden mit hochwertigen, manchmal auch ganz neuen Rädern kommen, raten wir, das Rad lieber bei uns im Haus einzuschließen und stattdessen ein Leihrad zu nehmen." Beim Transport für drei Euro übernimmt der Betreiber die Haftung für grobe Schäden oder Verlust. Am entspanntesten bleibt die Tour aber mit dem ausgeliehenen Zweirad. Bei Bedarf, wenn beispielsweise jemand in der Gruppe die Strecke mit dem Fahrrad nicht zurücklegen kann, wird auch ein Personen-Shuttle angeboten. Die Teilnehmer werden dann mit einem Fahrzeug am Anleger abgeholt.

Info Die Preise für die kombinierte Kanu- und Radtour liegen, je nach Streckenlänge, zwischen 23 und 30 Euro pro Person. Die Gesamtdauer der Tour variiert je nach Bootsanleger zwischen zwei, drei oder knapp sechs Stunden. Es gibt ein Spezialangebot für Paddel und Pedale mit zusätzlichem Barbecue im Schwedenzelt. Das Gesamtpaket kostet ab einer Größe von zehn Teilnehmern 69,50 Euro pro Person. Preislisten, weitere Angebote und Anfahrtsbeschreibungen gibt es im Netz auf www.hammans-freizeit.de, Beratung und Buchung unter Ruf 02162 266550.

Quelle: RP
 
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