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Mönchengladbach
So retten Bürger die grünen Oasen der Stadt

Mönchengladbach: So retten Bürger die grünen Oasen der Stadt
Ohne den Förderverein würde es den Pavillon im Schmölderpark vermutlich nicht mehr geben. Bürger retteten ihn. Seitdem gibt es im Park gut besuchte Konzerte. Der Förderverein kümmert sich inzwischen um den ganzen Park. FOTO: Knappe
Mönchengladbach. Die Mags pflegt die Mönchengladbacher Parks. Dabei hat die Stadttochter unersetzliche Helfer: Fördervereine unterstützen ihre Arbeit. Von Angela Wilms-Adrians

Der Bunte Garten bedeutet für Jochen Potz ein bedeutendes Stück Heimat. Dafür engagiert er sich gerne und tatkräftig als zweiter Vorsitzender des Fördervereins Netzwerk Bunter Garten. Der zählt zurzeit 205 Mitglieder und ist nur ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement bei der Erhaltung städtischer Parkanlagen. Gleichgesinnte wie Horst Hübsch und Hubert Hack setzen sich im Förderverein Schmölderpark beziehungsweise Wickrather Heimat- und Verkehrsverein ein. Sie alle betonen eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt beziehungsweise mit der für die Pflege zuständigen Stadttochter Mags. "Wir stimmen natürlich alles mit dem Hausherrn ab", sagt Potz.

Mit dem Feuer des Begeisterten erzählt er von den "Leuchtturm-Projekten", die sich der Verein jährlich auf die Fahne schreibt. Da zählen zum Beispiel die Erneuerung der Beleuchtung auf der Hauptachse des Bunten Gartens, das Alpinum bei den Vogelvolieren und die Sanierung des Kinderspielplatzes, der um einen Wasserspielplatz ergänzt wurde. "Wir haben unsere Aufgaben mit der Mags so abgestimmt, dass das Personal der Grünflächenunterhaltung für die Erhaltung zuständig ist und wir für die Weiterentwicklung", so Potz. Bei der Finanzierung hat der Verein Möglichkeiten, auf städtische Fördermittel zurückzugreifen. Unterstützung erfährt er auch durch gespendete Bauleistungen regionaler Firmen. Schließlich finanziert er Projekte durch Mitgliedsbeiträge und erhaltene Geldspenden.

"Die ganze Arbeit hat das Ziel, in der Öffentlichkeit Interesse und Verantwortungsgefühl für den Bunten Garten zu wecken und diesen zum überregionalen Anziehungspunkt zu machen", betont Potz. Er empfiehlt das Netzwerk als Mittler, wenn Bürger Bäume spenden wollen, etwa zu Taufen oder Hochzeiten, und sagt: "Wir stimmen mit dem Fachpersonal ab, welche Bäume an welcher Stelle gepflanzt werden sollen." Ein besonderes Anliegen sind Potz die Führungen durch den Park. Jährlich finanziert der Verein zehn bis 15 Führungen für Abschlussgruppen von Kindergärten. Im Kampf gegen Vandalismus arbeiten Potz und seine Mitstreiter eng mit der Polizei zusammen. "Das hat sich als empfehlenswert erwiesen", stellt er dazu fest.

Zur Euroga 2002 war Schloss Wickrath mit seiner Gartenanlage eine von sieben Stationen der Gartenschau. "Damals wurde alles instand gesetzt und aufgeforstet", erzählt Hubert Hack, Schriftführer des Heimat- und Verkehrsvereins Wickrath. Auch der bringt sich ein, um unterstützend zu wirken. "Wir achten darauf, dass die Papierkörbe nicht zu voll werden oder irgendwo Müll herumliegt. Wenn wir da etwas sehen, geben wir das an die Mags weiter", sagt Hack. In einer Aktion hatten Heimatfreunde an Spaziergänger mit Hund Beutelchen für die Hinterlassenschaften der vierbeinigen Lieblinge ausgegeben - auch das als Werbung für größere Sorgfalt mit der öffentlichen Fläche.

Ohne bürgerschaftliches Engagement gäbe es den Pavillon im Schmölderpark vielleicht gar nicht mehr. Dessen Rettungsaktion war ein erster Meilenstein auf dem Weg zur Gründung des Fördervereins Schmölderpark. Als der "Musiktempel" vom Abriss bedroht war, brachten sich Bürger ein und retteten den Bau durch Eigenleistung und Spenden. Sie gründeten im Nachhinein einen Verein zur Erhaltung des Pavillons und dehnten später den Wirkungskreis auf den gesamten Schmölderpark aus. Einer der Retter in der Not war Horst Hübsch, heute Vorsitzender des Fördervereins. Der Rentner ist wandelndes Lexikon und energiegeladener Obmann für alle Belange des Parks. "Wir kümmern uns", sagt er für sich und sein Team bei der Auflistung der Vorhaben. Die jüngste Sanierung des Pavillons ist nun durch.

Zu den aktuellen Plänen gehört auch die Rettung eines Bauernteichs, der undicht ist und daher Wasser verliert. Für den Katharinenteich kämpfen Marlies Winkler, Gerlinde Hölterscheidt, Renate Plonske-Menke und Ratsherr Karl-Heinz Schiffers seit drei Jahren. Hübsch ist zuversichtlich, dass hier bald Abhilfe geschaffen werden kann. "Der Teich ist idyllisch und wird intensiv genutzt. Er sollte nicht trockenfallen", sagt er entschieden. Ein weiterer Punkt auf der Agenda ist die Beseitigung der Stolperfallen auf dem Ehrenfriedhof mit 675 Gräbern aus zwei Weltkriegen. Steinbildhauer Werner Jacobs hat bereits seine Hilfe zugesagt, um den verwitterten Stein der Büste des Parkstifters Dr. Carl Schmölder auszutauschen, sobald ein dafür geeigneter Stein zum günstigen Preis gefunden ist. "Wir bleiben mit der uns eigenen Hartnäckigkeit dran", betont Hübsch absolut glaubwürdig. Dann erzählt er von dem vorläufig größten Ziel, das noch "Zukunftsmusik" ist: eine öffentlich zugängliche und barrierefreie Toilettenanlage, die entweder durch die Wiederbelebung eines seit Jahren geschlossenen Objektes oder durch Toilettencontainer realisiert werden könnte.

Dass es Leute gibt, die eine Konkurrenz zwischen Bunten Garten und Schmölderpark befürchten, kann Hübsch nicht nachvollziehen. Er ist überzeugt, dass beide Parks zu verschieden voneinander sind und dabei ein jeder auf seine Weise sehr reizvoll ist.

Quelle: RP
 
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