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Paris/Frankfurt
Immer zu zweit im Cockpit

Paris/Frankfurt. In einer Woche wird ein neuer Bericht zum Germanwings-Absturz publiziert. Von Reinhard Kowalewsky

Am kommenden Samstag erfahren die Angehörigen der Opfer des Germanwings-Absturzes vom 24. März 2015, welche Lehren die Luftfahrt aus der Katastrophe ziehen will. Deutsche Familien wurden nach Köln eingeladen, andere Angehörige dürfen nach Paris oder Barcelona kommen. Dies geht aus einem Brief der französischen Behörde für Flugzeugsicherheit (BEA) an die Angehörigen hervor, der unserer Redaktion vorliegt. Am Tag danach will die BEA der Öffentlichkeit darlegen, welche Lehren sie aus dem Absturz zieht.

Die wichtigsten Schritte der Reformen sind Insidern zufolge absehbar. So wird vorgeschlagen, dass Piloten beim Flug nicht mehr alleine im Cockpit sein dürfen. Denn Germanwings-Copilot Andreas Lubitz hatte den Airbus gezielt zum Absturz gebracht, als der Kapitän zur Toilette gegangen war. Künftig soll es Vorschrift sein, dass ein Flugbegleiter ins Cockpit kommt, wenn einer der Piloten in die Kabine geht. Der Vorschlag greift eine Praxis auf, die Europas Airlines nach dem Unglück sowieso eingeführt hatten. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hatte am 27. März 2015 empfohlen, dass die Fluggesellschaften die Zwei-Personen-Regel erst einmal für ein Jahr einführen. Jetzt wird sie wohl verlängert.

Auch Lufthansa hatte die Regel damals sofort implementiert, muss sich aber im Nachhinein vorwerfen lassen, zu spät gehandelt zu haben. Laut BEA gingen schon vor dem Germanwings-Absturz sechs Abstürze in der Luftfahrt seit 1982 wahrscheinlich auf gezielte Aktionen von Piloten oder Copiloten zurück - viele Airlines in Europa und USA hatten auch wegen solcher Vorfälle die Zwei-Personen-Regel frühzeitig eingeführt, Lufthansa nicht.

Zusätzlich wird die BEA empfehlen, dass bei Piloten stärker überprüft wird, ob sie seelisch stabil sind. Lubitz hatte verheimlicht, wie schlecht es ihm ging und wie viele Medikamente er nahm.

Derweil wird bekannt, wie die Zeremonien zum Jahrestag der Katastrophe ablaufen. Am Vorabend wird es in Marseille einen überkonfessionellen Gottesdienst geben, bei dem die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kur-schus, die Predigt halten wird. Am 24. März gibt es eine Gedenkfeier an der Absturzstelle.

Noch vor der Feier wollen Anwälte wie der Mönchengladbacher Christof Wellens Lufthansa in den USA wegen des Absturzes verklagen. Formal gehen sie gegen die Lufthansa-Flugschule in Arizona vor, weil Lubitz da ausgebildet wurde. Er hatte die Ausbildung wegen Depressionen unterbrochen und durfte dann trotzdem weitermachen.

Quelle: RP
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