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Forderung von Tierschützern
Rosenmontagszüge ohne Pferde?

Tierschützer. Rosenmontagszug 2017 in NRW ohne Pferde?
Bislang gehörten Pferde zum Düsseldorfer Rosenmontagszug dazu, wie hier 2014. Tierschützern ist diese Tradition ein Dorn im Auge. FOTO: Laura Sandgathe
Köln. Zu viel Stress und zu viel Lärm: Drei Tierschutzvereine fordern ein Verbot für Pferde in NRWs großen Rosenmontagsumzügen. In Köln beschäftigt sich am Dienstag der Beschwerdeausschuss mit dem Thema. 

Für viele war es ein ungewohntes Bild, dass kein einziges Pferd im Kölner Rosenmontagszug 2016 mit lief. Das Festkomitee Kölner Karneval hatte sich aus Sichereitsgründen dafür entschieden, den sieben Kilometer langen Festzug ausnahmsweise ohne Pferde durchzuführen. Tief Ruzica zog damals über die Stadt hinweg. Einige andere Städte – darunter auch Düsseldorf – hatten den Rosenmontagszug wegen des Sturmtiefs komplett abgesagt. Köln wollte nicht auf seinen "Zoch" verzichten, einige Wagen wurden aber umgebaut und die 500 Pferde blieben in ihren Ställen. 

Ist der Einsatz der Pferde Tierquälerei?

Nun fordern Tierschützer ermeut ein generelles Verbot von Pferden in den großen Rosenmontagszügen. Alle paar Jahre sehen sich Festkomitees mit solchen Forderungen konfrontiert. In Köln, Düsseldorf, Bonn, Aachen und Mainz müssen sich die Veranstalter in diesem Jahr wieder mit dem Thema auseinandersetzen. Am heutigen Dienstag wird der Kölner Zugleiter Christoph Kuckelkorn und einige Verterter des Reiterkoprs im Beschwerdeausschuss des Stadtrates Stellung nehmen. Es geht vor allem um die Frage, ob der Einsatz der Pferde Tierquälerei ist, sie durch die laute Musik und die vielen Menschen unnötig gestresst werden. Die Tierschützer werfen den Karnevalsgesellschaften außerdem vor, die Pferde mit Medikamenten ruhig zu stellen. 

"Wir stellen einen tiergerechten Einsatz der Tiere sicher", sagt Sigrid Krebs, Sprecherin des Festkomitee Kölner Karneval. "Seit vielen Jahren erfüllen wir sämtliche Auflagen – und wir sind gegen das Sedieren der Pferde." Kein Pferd bekomme Beruhigungsmittel, weder von den Reitern noch von Mitarbeitern der Transportunternehmen, die die Tiere vom Niederrhein nach Köln bringen, wie Krebs betont. Es gebe sogar ein gesetzliches Verbot. Die Tiere würden das ganze Jahr über auf den Zug vorbereitet und trainiert, ähnlich wie Polizeipferde. "Sie können mit Lautstärke umgehen, viele sind Schulpferde, die es gewohnt sind, sich immer wieder mit neuen Situationen auseinanderzusetzen." 

Ärzte des städtischen Veterinäramtes kontrollieren die Pferde vor dem Zug stichprobenartig, wie Krebs sagt. Dabei würden auch Blutproben entnommen.  "Die Ärzte stehen auch an der Severinstorburg und sehen sich die Tiere an." 

Tierarzt kümmert sich um Pferde in Düsseldorf und Aachen

Auch in Düsseldorf und Aachen sorgt ein amtlicher Tierarzt dafür, dass es den Pferden gut geht. "Das ist in den Sicherheitsbedingungen zu vorgesehen", sagt Hans-Peter Suchand, Sprecher des Comitees Düsseldorfer Carneval. "Außerdem werden ohnehin nur Pferde eingesesetzt, die einen so ruhigen Charakter haben, dass ihnen Lärm und große Menschenmengen nichts ausmachen." Suchand ist selbst Mitglied in der Prinzengarde Blau-Weiß, die sich ursprünglich als Reiterkorps gebildet hat. Im Düsseldorfer Zug gehen ohnehin nur wenige Gruppen mit Pferden mit, darunter auch noch das Amazonenkorps. 

Von Beruhigungsmitteln und Medikamenten hält man weder in Aachen noch in Düsseldorf etwas. Das ist zum Beispiel in einer Mitteilung der Städte-Region Aachen nachzulesen. Ohnehin zählt vor allem die Beziehung zwischen Ross und Reiter. "In Düsseldorf haben wir schon Reitstunden mit den Pferden, die dann auch im Rosenmontagszug mitreiten", sagt Suchand.

Der Ausschuss in Köln folgte den Beschwerden der Tierschützer nicht in vollem Umfang. "Wir nehmen die Einwände aber sehr ernst", sagte Zugleiter Christoph Kuckelkorn am frühen Abend. Man einigte sich darauf, dass sich die Ärzte des Veterinäramtes in dieser Session noch intensiver um die Pferde kümmern werden. "Wir tun aber auch heute schon mehr für den Schutz der Pferde als es die Gesetze vorschreiben", sagt Kuckelkorn. Dazu gehörten etwa Ruhe- und Trinkpausen für die Pferde, die im Zug mitgehen.

(hsr/heif)
 
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