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Düsseldorf
Kölner Polizei scherte sich nicht um Scotland Yard

Düsseldorf. Wie nachlässig die Kölner Polizei 2004 nach dem Nagelbomben-Anschlag in der Keupstraße ermittelt hat, wurde jetzt erneut im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) deutlich. Er befasst sich mit dem Terror der Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU), der auch der Kölner Anschlag zugerechnet wird. Als Zeuge trat der damalige Leiter der Kölner Mordkommission, Markus Weber, auf. Die Polizei tappte bei ihrer Ermittlungsarbeit völlig im Dunkeln; man vermutete laut Weber eher "private Motive" für die Bluttat.

Daran änderte sich nichts, als die Kölner Polizei von Scotland Yard einen 70-seitigen Bericht über einen britischen Nagelbomben-Attentäter aus der rechtsradikalen Szene erhielt. Der in englischer Sprache verfasste Bericht wurde nach wenigen Tagen ohne weitere Schlussfolgerungen "abgehakt", wie es im PUA hieß, der sich über diese "Nachlässigkeit" (so Andreas Kossiski, SPD) erregte. Weber konterte: Der britische Attentäter habe zum Zeitpunkt des Kölner Anschlags im Gefängnis gesessen und konnte somit nicht der Täter sein: "Damit war das Ding für uns erledigt.

" Auf die Frage, ob eine Übersetzung nicht hilfreich gewesen wäre, meinte er: "Wenn wir das Ding aus England weiter verfolgt hätten, wären wir dann bei Mundlos und Bönhardt gelandet?" Ob diese Spur tatsächlich zu den beiden NSU-Haupttätern geführt hätte, kann zwar niemand sagen. Fest steht jedoch: Diese Spur, die in die rechtsterroristische Szene hätte führen können, wurde von der Kölner Polizei gar nicht erst verfolgt.

(hüw)
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