| 09.04 Uhr

Dortmund
Kraft in der Bahnhofsmission

Dortmund. Die Ministerpräsidentin war mit der PR-Kampagne "TatKraft" unterwegs.

Am Bahnsteig steht eine Familie aus Syrien. Vater, die Mutter hochschwanger, sechs Kinder. Daneben mindestens ein halbes Dutzend schwere Koffer. Die Flüchtlinge wissen weder wohin, noch, wie sie mit dem Gepäck weiterkommen sollen. Die Ministerpräsidentin ist zur Stelle - Hannelore Kraft arbeitet an diesem Tag in der Dortmunder Bahnhofsmission. Der Einsatz ist ihr 19. im Rahmen einer vor Jahren gestarteten PR-Kampagne, die den Titel "TatKraft" trägt. In unregelmäßigen Abständen arbeitet sie einen Tag lang an einem Ort im Land, der sie interessiert. "Politik dem Praxistest unterziehen", nennt sie das.

In der Bahnhofsmission geht es darum, sich um andere zu kümmern. Eine gute Gelegenheit für die Ministerpräsidentin also, an ihrem Image zu feilen, ein Jahr vor der Landtagswahl. Und tatsächlich kommt sie gut an: "Die Frau Kraft ist eine sehr angenehme Ehrenamtliche", sagt die Leiterin der Dortmunder Anlaufstelle. Tagsüber begleiten darf die Presse die Ministerpräsidentin nicht, aber am Abend berichtet Kraft vor geladenen Gästen über ihre Erlebnisse. "Ich gehe jetzt mit einem anderen Blick durch den Bahnhof", sagt sie in Dortmund. Sie habe einen Mikrokosmos kennengelernt, der die Gesellschaft widerspiegele. Besonders hätten sie die vielen jungen, haltlosen Menschen berührt. Kraft schlägt vor, in der Bahnhofsmission künftig häufiger solche Heranwachsenden als Helfer einzusetzen, denen die Rückkehr ins bürgerliche Leben gelungen ist.

Der Vorschlag kommt gut an. Noch mehr aber wäre den Ehrenamtlichen wohl geholfen, wenn es für die Bahnhofsmissionen eine Regelfinanzierung gäbe. Dass es daran fehlt, machen die Mitarbeiter an diesem Abend sehr deutlich.

(kib)
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