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Mönchengladbach
Debatte um die Esel von Rita McBride

Mönchengladbach: Ärger um Esel-Kunstwerk vor dem Minto
Mönchengladbach: Ärger um Esel-Kunstwerk vor dem Minto
Mönchengladbach. Die Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie gestaltet ein Bronze-Ensemble für Mönchengladbach. Von Dirk Richerdt und Inge Schnettler

Fragt man Leute auf der Straße, wie sie das geplante Kunstprojekt "Seven Donkeys" (auch "Donkeys' Way") finden, gibt es nur eine Altersgruppe, die den Plan der amerikanischen Künstlerin Rita McBride (53) einmütig begrüßt: Kinder. Denn sie dürfen, sobald die sieben, in unterschiedliche Richtungen blickenden Bronze-Esel erst einmal in Lebensgröße auf dem Sonnenhausplatz im Zentrum Mönchengladbachs stehen, darauf Platz nehmen und herumklettern.

Das Prinzip "Kunst zum Anfassen" lässt die Konzeptkünstlerin Rita McBride, Direktorin und Professorin der Kunstakademie in Düsseldorf, bei diesem Ensemble im öffentlichen Stadtraum ausdrücklich gelten. Die sieben Esel werden auf der Freifläche vor dem entstehenden imposanten Einkaufszentrum "Minto" eine kleine Herde bilden.

Die Entscheidung einer siebenköpfigen Jury, die von Investor Mfi (Essen) und dem Mönchengladbacher Museum Abteiberg beauftragt worden war, aus drei eingereichten Entwürfen ein Kunstwerk auszuwählen, sorgt in der Stadt für Diskussionen, die mit reichlich Polemik und Satire gewürzt sind.

Auf dem Boden des Platzes vor dem Sonnenhaus werden gewundene, sich mehrfach kreuzende Kunststoffstreifen auf die Unpaarhufer-Gruppe hinsteuern: verschlungene Trampelpfade, wie die Künstlerin und Museumsdirektorin Susanne Titz es deuten. Dabei beziehen sie sich auf eine Aussage des Architekten Le Corbusier, der den "klugen Esel" als Urbild einer offenen Siedlung ansah, der Hindernissen klug ausweicht, sich lieber auf Trampelpfaden statt geradlinig bewegt. Demgegenüber setze der Mensch lieber auf plane Verkehrsachsen. Somit können die durch nachts leuchtende, fluoreszierende Bodenmarkierungen stets sichtbaren Eselswege als Einspruch gegen die moderne Architektur überhaupt verstanden werden.

"Die Idee ist witzig, und da ich ein humorvoller Mensch bin, kann ich mit dem Kunstwerk umgehen", sagt Dieter Breymann, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Mönchengladbach. Andere reagieren ablehnend. Leserbriefschreiber spekulieren zum Beispiel, dass jeder der sieben Juroren, darunter Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und der Kunstkritiker Walter Grasskamp, sich augenzwinkernd je eine der Skulpturen ausgesucht habe. Auch werden Vergleiche mit Märchen ("Die sieben Esel") bemüht. Auf Facebook grassieren massenhaft polemische Urteile wie dieses: "Eine Stadt schafft sich ab und wird wieder zum Dorf." Der Leiter des städtischen Kulturbüros, Thomas Hoeps, hält dagegen: "In der Arbeit steckt so viel Humor. Jetzt müssen wir den Mut haben, ihn auch zu nutzen." Die Esel stellten schließlich wichtige Fragen, so etwa diese: "Wie gehen wir mit dem öffentlichen Raum um? Wohin sollen wir uns wenden, wenn man sich im öffentlichen Raum, ohne Geld auszugeben, nirgends mehr aufhalten kann?"

Projektentwickler Mfi, Investor des neuen Einkaufszentrums, das im April 2015 eröffnet werden soll, steckt 297 500 Euro in das Kunstwerk "Seven Donkeys". Der Düsseldorfer Markus Ambach ist Kurator der künstlerischen Arbeit.

Quelle: RP
 
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