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Essener Ruhr-Museum
Das goldene Schwert von Essen

Ruhr-Museum: Das goldene Schwert von Essen
Das „Essener Schwert“ aus dem Essener Domschatz. FOTO: Ruhrmuseum
Düsseldorf. Ton, Steine, Scherben - archäologische Ausstellungen appellieren oft mehr an die rekonstruierende Fantasie ihrer Besucher, als dass sie die Lust an schönen Objekten befriedigten. Die Ausstellung "Werdendes Ruhrgebiet. Spätantike und Frühmittelalter an Rhein und Ruhr" im Essener Ruhr-Museum dagegen fordert nur in ihrem antiken Teil die Fantasie heraus. Von Bertram Müller

In ihrer Abteilung Mittelalter belohnt sie die Besucher mit allerlei goldenen Kostbarkeiten und hochästhetischen Handschriften. Zu den Prunkstücken zählt das sogenannte Essener Schwert, eine Stahlklinge in einer kunstvoll verzierten Scheide aus Gold und Edelsteinen. Es stammt aus dem Essener Domschatz und wurde der Überlieferung zufolge einst bei Weiheakten und an hohen Feiertagen der Äbtissin vorangetragen. Vermutlich entstammt das um 1000 entstandene Stück einer Essener Goldschmiedewerkstatt. Und wie das so ist bei herausragenden Objekten: Bald rankten sich Erzählungen darum. Man vermutete, es stamme aus königlichem Besitz, womöglich von Otto I. oder Otto II., die gute Beziehungen nach Essen pflegten. Im 15. Jahrhundert gesellte sich die Legende hinzu, mit dem goldenen Schwert seien die Stiftspatrone Cosmas und Damian enthauptet worden.

Der Titel der Schau führt ein wenig in die Irre, der Untertitel korrigiert ihn sogleich: Die Schaustücke stammen nicht nur aus der Region, die man später Ruhrgebiet nannte, sondern auch aus Xanten und Wesel, Krefeld, Paderborn und manch anderen Stätten des Rheinlands und Westfalens. In allen Fällen geht es um die "dunklen Jahrhunderte" von der Mitte des 3. Jahrhunderts bis um das Jahr 1000, in denen sich der Wandel vom Imperium zum Feudalsystem vollzog. Schon zwischen den Scherben und Tongefäßen der Antike findet sich manches Objekt, das durch Glanz oder Farbe heraussticht - etwa eine reich verzierte goldene Schließe aus einem Grab in Xanten.

Die Ausstellung teilt sich nicht in Antike und Mittelalter, sondern sie will gerade den fließenden Übergang zwischen den Epochen veranschaulichen und verfolgt ihr Thema anhand von Erfahrungsbereichen durch die Jahrhunderte: Leben, Streiten, Glauben, Werden, Deuten. Im Kapitel "Streiten" findet sich neben dem Essener Schwert unter anderem ein Jagdhorn, das angeblich zum Besitz Karls des Großen zählte. Geschnitzt wurde es - wiederum angeblich - aus einem Stoßzahn des weißen Elefanten Abul Abbas, eines Geschenks Harun ar-Raschids, des Kalifen von Bagdad, mit dem Karl um 800 diplomatische Beziehungen unterhielt. Im abschließenden Kapitel "Deuten" geht es auch darum, wie die Nationalsozialisten Archäologen anhielten, die Forschungen zum Germanentum der eigenen Rassenlehre anzupassen.

Das Ruhr-Museum auf Zollverein FOTO: ddp

Ein hübsches Nebenkapitel der tageslichtlosen, aus konservatorischen Gründen (zu) schwach beleuchteten Schau gilt den Hinterlassenschaften der spätantiken Religionen. Der Niederrhein verehrte nämlich nicht nur römische und germanische Götter, sondern es existierten auch orientalische Kulte, von denen einer das Christentum war. Statuen und andere Objekte erinnern an den ursprünglich aus dem Iran stammenden Mithras-Kult, an die ägyptische Göttin Isis und an den römischen Soldatengott Jupiter Dolichenus aus Syrien.

An diesen Orten entsteht die Zukunft NRWs FOTO: Bayer/Dirk Hansen

Als wären die 800 Objekte der Schau noch nicht genug, verweist das Ruhr-Museum auf zwei Außenstationen: den Essener Dom mit seiner Goldenen Madonna und die Werdener Schatzkammer St. Ludgerus mit dem Werdener Bronzekruzifix. Diese Stücke rechtfertigen denn doch noch den ruhrgebietsbezüglichen Haupttitel der Essener Schau von Objekten, die teilweise sogar aus Regionen jenseits von Rhein und Ruhr stammen.

Ruhr-Museum, Zeche Zollverein, Gelsenkirchener Straße 181, Essen; bis 23. August, täglich von 10 bis 18 Uhr; Eintritt: sieben Euro, ermäßigt vier Euro

Quelle: RP
 
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