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Düsseldorf
100.000 freie Wohnungen für Flüchtlinge

Stimmen: NRW-Bürgermeister zur Lage in ihrer Stadt
Stimmen: NRW-Bürgermeister zur Lage in ihrer Stadt FOTO: dpa, fg nic
Düsseldorf. Die Immobilienwirtschaft plant eine Initiative, um leer stehenden Wohnraum für Asylbewerber bereitzustellen. Bauminister Groschek (SPD) bietet seine Mithilfe für ein Internet-Portal an. Von Thomas Reisener und Christian Schwerdtfeger

Die NRW-Immobilienwirtschaft will mit einem neuen Konzept bis zu 100.000 zusätzliche Wohnungen für Flüchtlinge organisieren. Der Chef des börsennotierten Wohnungskonzerns LEG, Thomas Hegel, sagte unserer Redaktion: "Gemeinsam mit anderen Immobilienkonzernen bereiten wir gerade eine neue Initiative zur Versorgung von Flüchtlingen mit Wohnraum vor. Wir sind überzeugt, dass hier bei entsprechender Organisation noch sehr viel mehr geht."

Voraussetzung sei der Aufbau einer landesweiten Leerstands-Datenbank, die es bislang nicht gebe. Immobilienkonzerne und private Vermieter sollen freie Wohnungen melden, damit die Kommunen sie anmieten und systematisch Flüchtlingen zuweisen können. Hegel: "Ein realisierbares Ziel könnte die Bereitstellung von zusätzlichen 50.000 bis 100.000 leeren Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen in NRW sein."

Bauminister Michael Groschek (SPD) gibt dem Manager recht: "Die Kommunen wissen in vielen Fällen nicht, wo Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung steht. Mein Ministerium arbeitet derzeit mit dem Verband der Wohnungswirtschaft und vier Großstädten im Ruhrgebiet an einem Internetportal, auf dem die Wohnungsunternehmen den Kommunen freie Wohnungen anbieten können."

LEG-Chef Hegel betonte, die Leerstandsdatenbank könne nur auf freiwilligen Meldungen basieren. Das Angebot sei für alle attraktiv: "Die Flüchtlinge werden besser untergebracht, die Kommunen müssen sich nicht mit Zeltstädten auseinandersetzen und die Vermieter haben weniger Leerstände."

In der Tat weicht die anfängliche Skepsis privater Vermieter zunehmend der Erkenntnis, dass ja nicht die Flüchtlinge selbst, sondern die Kommunen ihre Geschäftspartner sind. Damit gelten Zahlungsausfälle und Kautionsprobleme als ausgeschlossen. In NRW gibt es nach Angaben des Statistischen Landesamtes knapp neun Millionen Wohnungen, der Leerstand liegt bei knapp vier Prozent. "Etwa 200.000 davon sind vermietbar", rechnet Hegel vor.

Der Immobilien-Manager schlägt eine öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) vor. Die Immobilienwirtschaft könne ihr Know-how bei der Verwaltung und Vermittlung großer Wohnungsbestände einbringen, und die Politik müsse den rechtlichen Rahmen anpassen: "Wir brauchen Rechtssicherheit, die es ermöglicht, den Flüchtlingen bestimmte Wohnungen verbindlich zuzuweisen."

Bei ihrer schwierigen Suche nach geeigneten Unterkünften greifen die Städte auch vermehrt auf die Angebote der Kirchen zurück. In Oberhausen wird derzeit ein evangelisches Gotteshaus in ein Flüchtlingsheim für 50 Personen umgebaut. "Es ist das erste Mal, dass eine in normalem Gebrauch befindliche Kirche als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird", sagte eine Sprecherin der Evangelischen Kirche im Rheinland. Nach Recherchen unserer Redaktion wollen nun auch andere Städte in Abstimmung mit den Kirchen diese Möglichkeit prüfen.

Die Evangelische Kirche im Rheinland wie auch die NRW-Bistümer bemühen sich seit Monaten intensiv darum, Platz für Flüchtlinge zu schaffen. In den meisten Fällen stellen sie dafür leer stehende Gemeinde- und Pfarrhäuser zur Verfügung. "Wir haben unseren Gemeinden 1,5 Millionen Euro für nötige Umbaumaßnahmen zur Verfügung gestellt", sagte ein Sprecher des Bistums Münster. Im Erzbistum Paderborn wohnen Asylsuchende in einem ehemaligen Klarissenkloster.

Das vollständige Interview mit LEG-Chef Thomas Hegel finden Sie hier.

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Quelle: RP
 
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