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Düsseldorf
22 CDU-Wahlkreise wackeln

Zehn Fakten zur Landtagswahl in NRW 2010
Zehn Fakten zur Landtagswahl in NRW 2010 FOTO: ddp
Der Landtagswahlkampf geht auf die Zielgerade. Ihr hervorragendes Ergebnis von 2005 wird die CDU wohl nicht halten können – der Online-Dienst Election.de sagt ihr den Verlust von einem Viertel ihrer Wahlkreise voraus. In einem Drittel des Landes ist das Rennen knapp. Von Frank Vollmer

Ein schwarzes Meer, aus dem eine große und drei kleine rote Inseln herausragen – das war NRW im Mai 2005. Damals hatte die CDU mit fast 45 Prozent ihr bestes Ergebnis seit 30 Jahren erzielt und in 89 von 128 Wahlkreisen die Mehrheit errungen. Der SPD blieben nur vier Rückzugsgebiete: Bielefeld, Minden, halb Köln und das Ruhrgebiet.

Das dürfte sich am Sonntag ändern. Nach der aktuellen Prognose des Online-Diensts Election.de wackelt ein Viertel der 89 CDU-Wahlkreise im Land. In 22 von ihnen sieht Election.de derzeit einen Vorsprung der Sozialdemokraten. Vor allem rund um die Inseln von 2005 darf die SPD auf Erfolge hoffen: in Ostwestfalen-Lippe, rund ums Ruhrgebiet, in Köln, in Düsseldorf und in Aachen. 67 Wahlkreise für die CDU und 61 für die SPD sagt Election.de derzeit voraus.

Auch in der Region stehen damit einige Karrieren auf der Kippe – etwa die von Marie-Luise Fasse im Wahlkreis Wesel II. Der ging 2005 mit 2,8 Punkten Vorsprung an die CDU; jetzt liegt dort nach Einschätzung von Election.de die SPD vorn. Fasse steht auf Platz 6 der Landesliste – ob die überhaupt zieht, ist unklar. Unbedingt seinen wackelnden Wahlkreis holen muss Wolfgang Hüsken (Wesel III) – er steht gar nicht auf der Landesliste. Rüdiger Scholz (Leverkusen), Jens Petersen (Düsseldorf II) und Stefan Wiedon (Düsseldorf III) haben die aussichtslosen Plätze 75, 77 und 104.

Hinter Election.de steht der Hamburger Informatiker Matthias Moehl. Seit 2001 versucht er, Wahlergebnisse auf Wahlkreisebene vorherzusagen. Entscheidend sei dabei, so paradox es klinge, der Blick in die Vergangenheit, sagt Moehl: "Zurückliegende Ergebnisse sind mit der wichtigste Einzelfaktor." Auch wenn die Stimmung stark schwankt – am Ende orientiert sich mancher doch wieder daran, was er voriges Mal gewählt hat.

Moehl weiß sich darin einig beispielsweise mit der Forschungsgruppe Wahlen, die für das ZDF das Politbarometer erstellt. Bei bundesweiten Umfragen veröffentlicht die Forschungsgruppe als einzige stets zwei Ergebnisse: die politische Stimmung und die "Projektion", also die Antwort auf die Frage, wer wie viel Stimmen bekommen würde, "wenn am Sonntag wirklich Wahl wäre". Im aktuellen Bundes-Politbarometer liegt etwa die politische Stimmung für die CDU (41 Prozent) drei Punkte über dem erwarteten Ergebnis (38).

Wie die Umfrageinstitute von der Stimmung zur Projektion kommen, ist weitgehend ihr Geheimnis. Dazwischen steht die sogenannte Gewichtung – "so etwas wie das Kochrezept der jeweiligen Erhebung", sagt die Politikwissenschaftlerin Susanne Pickel von der Universität Duisburg-Essen.

Auch Election.de verwendet ein Projektionsverfahren. Moehl nennt einige Faktoren: Neben dem alten Wahlergebnis seien etwa ein eventueller landesweiter Trend, ablesbar aus aktuellen Umfragen, und die Person des jeweiligen Kandidaten wichtig. Prominente Bewerber wie die Spitzenkandidaten (Jürgen Rüttgers für die CDU im Wahlkreis Rhein-Erft I, Hannelore Kraft für die SPD in Mülheim I) könnten einen Bonus von bis zu fünf Prozentpunkten gegenüber dem Ergebnis ihrer Partei erringen.

Dieses Mal freilich sieht Moehl beide großen Parteien in einem Abwärtstrend, "wobei die SPD weniger stark verliert als die CDU" – daher der mögliche Umschwung in den 22 Wahlkreisen. In NRW würde ein solches Ergebnis für die CDU freilich kein Erdbeben bedeuten, sondern wäre immer noch besser als 2000. Damals holte sie nur 49 von 151 Direktmandaten.

Insgesamt, sagt Moehl, sei es in 48 der 128 Wahlkreise knapp. In einem Drittel des Landes ist also das Rennen offen – auch das deckt sich mit Erfahrungswerten: "Bei der Bundestagswahl gab es in NRW ebenfalls in gut einem Drittel der Wahlkreise ein knappes Ergebnis", sagt Moehl. Knapp heißt in diesem Fall: weniger als sieben Punkte Vorsprung für den Gewinner.

Mancher Experte runzelt beim Stichwort Election.de zwar die Stirn – die Datenbasis sei zu schmal, um zuverlässige Vorhersagen zu treffen, lautet etwa die Kritik des Mainzer Parteienforschers Jürgen Falter. Doch Moehl kann sich mit einigen Erfolgen schmücken, etwa einer Trefferquote von 91 Prozent bei der hessischen Landtagswahl 2009. Und in der regionalen Prognose für die Bundestagswahl 2009 in unserer Zeitung lag Election.de für 19 von 20 Wahlkreisen richtig. Einzige Ausnahme: Wesel. Wo es diesmal wieder knapp wird.

Quelle: RP
 
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