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Bröckel-Reaktor Tihange
NRW-Umweltminister hält Vorbereitung auf atomaren Störfall für unmöglich

AKW Tihange: NRW-Umweltminister Remmel hält Vorbereitung auf Unfall für unmöglich
Umstrittenes Atomkraftwerk Tihange: "Es wäre das Beste, wenn wir uns auf diese Art der Gefährdung nicht vorbereiten müssten" FOTO: dpa, obe nic vge
Aachen. Nordrhein-Westfalen kann sich nicht auf den einen konkreten atomaren Störfall vorbereiten - das sagte NRW-Umweltminister Johannes Remmel mit Blick auf die belgischen Krisen-Kernkraftwerke Doel und Tihange. Die Art des Zwischenfalls sei nicht vorhersehbar.

"Die Gefährdung bei Atomunfällen hängt von vielen Unbekannten ab: Was ist es für eine Störfallart, wie ist die Windrichtung und wie ist das Wetter zu dem Zeitpunkt", sagte Remmel (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor dem Hintergrund der umstrittenen belgischen Kernkraftwerke Doel 3 und Tihange 3.

Wenn durch die Wetterlage ein größerer Teil Nordrhein-Westfalens betroffen wäre als das Gebiet in dem 100-Kilometer-Radius, dann müsste der Krisenstab flexibel darauf reagieren. Krisenstäbe der Kommunen würden sich mit dem Krisenstab des Landes abstimmen.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Archiv) FOTO: dpa, mku cul

"Es wäre das Beste für uns alle, wenn wir uns auf diese Art der Gefährdung nicht vorbereiten müssten", sagt Remmel. Bemängelt werde von Fachleuten der Risikozuschlag für einen Störfall. Mehrfach hatte Remmel Tihange 2 und Doel 3 als "Bröckelreaktoren" bezeichnet und ein sofortiges Abschalten gefordert.

Bei atomaren Katastrophen können große Entfernungen generell auf Pepitaformat schrumpfen. Tschernobyl ist so ein Beispiel. Nach Greenpeace-Angaben hat das rund 1200 Kilometer entfernte Schweden damals noch 25 Prozent der Radioaktivität abbekommen. "Das sind erhebliche Mengen, die über Tausende von Kilometern transportiert werden können", sagt der Atomexperte der Umweltorganisation Heinz Smital. Beim Unfall von Fukushima sei die Evakuierung im Radius von 250 Kilometern ein Thema gewesen.

Auch in Köln gibt es Unbehagen

Köln liegt gerade mal 130 Kilometer vom umstrittenen belgischen Kernkraftwerk Tihange entfernt. Die rheinische Millionenstadt muss aber keine Katastrophenplanung für den atomaren Ernstfall haben, da sie nicht im 100-Kilometer-Radius von Tihange liegt - anders als die Städteregion Aachen, die Kreise Euskirchen, Düren, Heinsberg und ein kleiner Teil des Kreises Viersen.

Trotzdem, auch in Köln gibt es Unbehagen. "Wir liegen außerhalb der 100-Kilometer-Zone. Aber wir liegen nah dran", macht die Sprecherin der Stadt, Inge Schürmann, deutlich. Deshalb interessiere sich auch Köln sehr dafür, wie sicher die belgischen Atommeiler sind - und wie die Stadt für einen Ernstfall vorsorgen kann.

Jodtabletten für die Bevölkerung waren ein großes Thema im Gesundheitsausschuss. Aber auch dafür liegt die Rheinstadt nach den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission mit seinen Experten, die die Bundesregierung berät, zu weit weg.

(rls/lnw)
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