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Forderung der Linken nach einer Abschaffung
Auch Muslime wollen Sankt Martin behalten

Düsseldorf. Die Forderung des NRW-Linken-Vorsitzenden Rüdiger Sagel, Sankt Martin abzuschaffen, weil muslimischen Kindern in den Kitas des Landes nicht die christlichen Traditionen aufgezwängt werden sollen, hat für reichlich Diskussionen gesorgt. Die Muslime selbst wollen das Fest behalten. Von C. Schwerdtfeger und G. Voogt

Silvia Roos leitet die katholische Kindertagesstätte Sankt Maria Königin in Düsseldorf. 107 Kinder besuchen derzeit die Einrichtung, darunter auch viele muslimischen Glaubens. Sie alle feierten am Dienstagnachmittag gemeinsam mit ihren Eltern in einem Wortgottesdienst in der Kirche das Martinsfest.

"Wir sind empört darüber, dass die Linken Sankt Martin abschaffen wollen", sagt Roos. Die Figur des heiligen Martin sei auch bei den muslimischen Familien längst fest im Glauben verankert und fester Bestandteil ihrer Religion. "Die türkischen Eltern kommen mit in die Kirche. Sankt Martin verbindet die Menschen", sagt die Leiterin. Bei der Martins-Aufführung der Kita vor zwei Jahren habe sogar ein muslimisches Kind die Rolle des heiligen Martin übernommen. "Diese schöne, völkerverbindende Tradition darf uns nicht weggenommen werden", betont Roos.

Rüdiger Sagel, der Vorsitzende der Linkspartei in NRW, hatte sich dafür ausgesprochen, die Sankt-Martin-Feier in "Sonne-Mond-und Sternefest" umzubenennen. Kindertagesstätten sollten muslimischen Kindern den christlichen Glauben nicht aufdrängen, erklärte Sagel.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek, sprach sich indes ebenfalls gegen das Aus für Sankt Martin aus. Er habe nichts gegen das Fest und selbst als Grundschüler immer gerne an den Martinszügen teilgenommen, sagte Mazyek. Die Figur des Martin sei zwar ein Heiliger der Katholiken, aber das ändere nichts daran, dass sein Verhalten auch für Muslime geradezu vorbildlich sei. Denn der Gedanke des Teilens spiele auch im Islam eine große Rolle, betonte der Zentralratsvorsitzende.

Unverständnis bei Parteien im Landtag

Bei den Parteien im Düsseldorfer Landtag stieß der Vorstoß des Linken-Chefs auf Unverständnis. Sigrid Beer, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, erklärte: "Die Linke spinnt". Es gebe überhaupt keinen Grund, das Fest in Frage zu stellen. Sankt Martin sei ein gesellschaftliches und kulturelles Vorbild. Martin Börschel, Kommunalexperte der SPD, nannte die Pläne "beschämend".

Feste wie Sankt Martin gehörten zur christlichen Kultur und sollten – ebenso wie muslimische Feiertage – in den Alltag der Kinder integriert werden. Marcel Hafke, jugendpolitischer Sprecher der FDP, sagte, die Forderung sei "Unsinn". Der Vorschlag zeuge nicht von Toleranz, sondern von Kulturlosigkeit. "Wenn wir nur noch die Laternen übriglassen, bleibt doch gerade nur noch der ,Kommerz'", sagte Hafke.

Auch bei Teilen der Linkspartei stieß die Forderung auf Unverständnis. Der frühere Landtagsabgeordnete Ralf Michalowsky kritisierte, der Verbots-Versuch sei "überzogen". Ebenso lehnt die "Linksjugend" die Umbenennung ab. Kritik übte auch der religionspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken in Berlin.

Quelle: RP
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