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Solidaritätszuschlag
Aus dem Aufbau Ost soll ein Aufbau West werden

Fakten zum Solidaritätszuschlag
Fakten zum Solidaritätszuschlag FOTO: ddp
Düsseldorf. Der milliardenschwere "Soli" soll nach dem Willen von Rot-Grün ab dem Jahr 2020 auch den Ländern und Kommunen im Westen Deutschlands zugutekommen. Auf diese Linie verständigten sich die zehn Ministerpräsidenten von SPD und Grünen bei einem Spitzentreffen in Düsseldorf.

Das Modell soll den CDU-geführten Ländern bereits am Donnerstag beim Sondertreffen aller Regierungschefs in Potsdam vorgelegt werden. Nach der Düsseldorfer Einigung wird in den weiteren Verhandlungen angestrebt, den Solidaritätszuschlag für den Aufbau Ost 2019 nicht ersatzlos wegfallen zu lassen. Grüne und SPD wollen, dass der Soli mit der Einkommenssteuer einbezogen wird. Zwar hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unlängst gegen eine solche Regelung ausgesprochen, die auch von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble unterstützt wird.

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) ist aber zuversichtlich, dass die Länder hierüber dennoch mit dem Bund werden verhandeln können. "Ich habe den Eindruck, dass die Tür noch nicht zu ist", sagte der Minister unserer Zeitung nach dem dreistündigen Treffen der zehn Regierungschefs in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Das Modell soll den CDU-geführten Ländern bereits am Donnerstag beim Sondertreffen aller Regierungschefs in Potsdam vorgelegt werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte zuvor in Düsseldorf angekündigt, man werde "einheitlich" in die nächste Verhandlungsrunde zu den Finanzbeziehungen von Bund und Ländern gehen. Details wollte er zunächst nicht nennen. Nordrhein- Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zeigte sich ebenfalls überzeugt, dass die SPD- und Grün-geführten Bundesländer bei dieser schwierigen Diskussion jetzt auf "gutem Weg" seien.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bezeichnete eine Integration des Solidaritätszuschlags in die Gemeinschaftssteuern als derzeit "einzige erkennbare sinnvolle Lösung". Eine solche Regelung könne strukturschwache Regionen nach vorne bringen und Konflikte beim Länderfinanzausgleich lösen.

Bei der angestrebtem Integration des "Soli" in die Einkommens- und Körperschaftssteuer bekämen die Länder laut Verhandlungskreisen jährlich rund acht Milliarden Euro von dem Soli-Aufkommen, das insgesamt zwischen 15 und 17 Milliarden Euro im Jahr beträgt.

Die Regierungschefs von SPD und Grünen pochten dabei auf die Umsetzung einer Zusage des Bundes, dass er fünf Milliarden Euro Eingliederungshilfe für Behinderte übernimmt. Im Gegenzug seien die Länder bereit, Kosten von vier bis fünf Milliarden Euro für die Unterbringung von sozial Schwachen zu übernehmen. Beides wird derzeit von den Kommunen getragen, auf diese Weise sollen sie entlastet werden.

Einer Umfrage zufolge ist die Mehrheit der Deutschen für eine breite Verteilung der "Soli"-Einnahmen auch an westdeutsche Regionen. Gut drei Viertel (78 Prozent) aller Befragten würden die Einnahmen aus dem Solidarpakt Aufbau Ost lieber nach der Bedürftigkeit der Region in Ost und West verteilen, wie aus einer Emnid-Umfrage für "Focus" hervorgeht. In den neuen Ländern plädierten sogar 82 Prozent dafür.

Auch der CDU-Bundesvize und nordrhein-westfälische CDU-Landeschef Armin Laschet ist für eine Fortschreibung des "Soli" ohne die bisherige Regionalbegrenzung: "2019, wenn der Solidarpakt für den Aufbau Ost endet, sollten die Mittel aus dem Solidaritätszuschlag zweckgebunden und nach Priorität vergeben werden", sagte er der "Welt". Das Modell, den "Soli" in die Einkommensteuer zu integrieren, wies er allerdings zurück: "Davor kann ich nur warnen. Die Menschen würden das als Steuererhöhung empfinden", betonte er.

"Der Ball liegt jetzt im Feld der Union", sagte der baden- württembergische Finanzminister Nils Schmid (SPD) den "Stuttgarter Nachrichten" (Montagausgabe). "Denn auf dieser Grundlage wird beides möglich: eine faire Einigung beim Länderfinanzausgleich und der Einstieg in den Abbau der kalten Progression."

(dpa/hüw)
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