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Zum Abschluss des Parteitags
Brüderle rockt die FDP
April 2012: Rainer Brüderle rockt den FDP-Parteitag
April 2012: Rainer Brüderle rockt den FDP-Parteitag FOTO: dapd, Torsten Silz
Karlsruhe. Ein 66-jähriger Ex-Minister schafft, was die Nachwuchsstars nicht vermocht haben. Aufbruchsstimmung bei den Liberalen. Fraktionschef Rainer Brüderle impft mit einer leidenschaftlichen Wahlkampfrede der FDP Selbstbewusstsein ein. Von Michael Bröcker

Zum Abschluss des FDP-Parteitags in Karlsruhe hat Fraktionschef Rainer Brüderle mit einer leidenschaftlichen Rede die kriselnden Liberalen zu Kampfgeist aufgerufen und die politischen Gegner scharf attackiert. Deutschland dürfe in den Parlamenten nicht von linken Parteien dominiert werden, rief Brüderle. Also "raus aus dem bequemen Sessel und das Maul aufmachen, damit man was anderes hört in Deutschland als das linke Gesäusel".

"Wer hat's gemacht?"

Gleich zu Beginn hatte Brüderle eine Reihe von vermeintlichen politischen Erfolgen aufgezählt, von der Abschaffung des Datensammelgesetzes Elena bis zur Absenkung der Kinderarmut. "Wer hat's gemacht?", rief Brüderle jeweils in den Saal. "Wir!" hallte es zurück. Brüderle war nicht mehr zu stoppen. Der 66-Jährige wirkte frischer, dynamischer und kämpferischer als die junge Riege um Christian Lindner und Philipp Rösler am Vortag.

Kurze Botschaften, klare Angriffe waren das Rezept des Pfälzers. Es gebe keine Garantie für einen Erfolg bei den anstehenden Wahlen, sagte Brüderle. "Aber wir wollen in den Spiegel schauen und sagen. Wir haben gekämpft. Wir haben es versucht." Alle anderen seien doch nur "Warmduscher, Vorwärtseinparker", wetterte der Liberale in bester Wahlkampf-Zoten-Manier.

Piraten als Partei der "Pseudo-freiheit"

Rainer Brüderle als Fleisch gewordenes Aufputschmittel für die ermatteten Liberalen. Immer wieder wurde sein Vortrag von Applaus unterbrochen. Auch als Brüderle über die Finanzpolitik von Roten und Grünen lästerte. "Fällt den Sozis etwas ein, muss es eine neue Steuer sein." Die CDU karikierte Brüderle als schwarz lackierte Sozialdemokraten, die Grünen als Fortschrittsverhinderer, die Piraten als Partei der "Pseudo-freiheit".

Minutenlang, stehend applaudierten die rund 600 Delegierten dem Vorsitzenden der Fraktion, der vor einem Jahr von FDP-Chef Philipp Rösler aus dem Amt als Wirtschaftsminister gedrängt worden war. Brüderle ist, so viel wurde am Sonntagmittag in Karlsruhe deutlich, auf dem Höhepunkt seiner innerparteilichen Beliebtheit. Und damit auch eine Alternative zum Vorsitzenden. An einem Putsch gegen Philipp Rösler würde sich Brüderle nicht beteiligen. So loyal ist er. Doch sollte man ihn rufen, wenn das mit Philipp Rösler doch nicht funktioniert. Dann wäre Rainer Brüderle wohl da. Engagiert und kämpferisch.

Quelle: sgo/csr/sgo/rm
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