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Chile
Hannelore Kraft im Land der Kupferminen

Santiago de Chile. Hannelore Kraft reist mit Unternehmern nach Chile, um Geschäfte anzubahnen. Doch deutsche Hochtechnologie stößt dort bisher auf mäßiges Interesse. Von Kirsten Bialdiga

Achenbach Buschhütten ist einer dieser typischen Hidden Champions. Eines jener Unternehmen, die auf ihrem Gebiet Weltmarktführer sind - aber kaum jemand kennt sie. Die Produkte, die mit Achenbachs Maschinen aus Kreuztal gemacht werden, kennt hingegen jeder: Alufolien für Nespresso-Kapseln etwa oder für Joghurt-Becher. 1452, noch vor der Entdeckung Amerikas, wurde das Unternehmen gegründet – und ist damit eines der ältesten in Deutschland überhaupt. In diesen 563 Jahren musste Achenbach des Öfteren sein Geschäftsmodell ändern und neue Märkte erschließen.

Chile ist so ein Markt für André E. Barten, der die Firma in achter Generation führt. Der Geschäftsführer zählt zu dem 30-köpfigen Tross von Unternehmenschefs und Wissenschaftlern, der in dieser Woche zusammen mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin erst Chile und dann Kolumbien bereist, um Geschäfte anzubahnen.

In Chile glaubte Familienunternehmer Barten schon einen vielversprechenden Anfang gemacht zu haben: Ein großer Kunde betrieb seine Maschinen, um darauf den Kupfer zu Folie und anderen Produkten weiterzuverarbeiten. Doch das ist schon wieder vorbei, der Kunde versäumte es, in die Modernisierung der Anlagen zu investieren. Mit dem bloßen Verkauf des Rohstoffs ließen sich höhere Renditen erzielen als mit der Weiterverarbeitung, habe der Staatskonzern den Ausstieg begründet. "Chile fehlt nun eine wichtige Wertschöpfungsstufe, welche die Abhängigkeit vom Bergbau vermindern und darüber hinaus Arbeitsplätze und Innovationen in der Entwicklung hochwertiger Produkte fördern würde", kritisiert Barten.

Wie Achenbach ergehe es auch anderen deutschen Unternehmern in Chile, bestätigte Cornelia Sonnenberg. Die Hauptgeschäftsführerin der Deutsch-Chilenischen Handelskammer in der Hauptstadt Santiago de Chile weiß um das Problem, das typisch ist für Schwellenländer. Sind die Rohstoffpreise hoch, gebe es keine Notwendigkeit, in die Entwicklung hochwertiger Produkte zu investieren. Sind sie niedrig, fehle das Geld. Die Folgen sind in Chile gerade mal wieder spürbar: Die Wirtschaft des Landes hängt größtenteils vom Kupfer ab, der Preis dieses Rohstoffs ist zurzeit im Keller – und die Konjunktur schwächelt.

Die Deutschen mit ihrer Hochtechnologie sind für Chile daher nicht gerade die wichtigsten Geschäftspartner. USA, Kanada und Südafrika investieren deutlich mehr als Deutschland, vor allem in rohstoffnahe Geschäfte. Größter deutscher Investor ist die K+S AG, die sich vor Kurzem für 600 Millionen Euro eine Salzmine sicherte. Umgekehrt hielt sich auch das Interesse der Deutschen bisher in Grenzen. Bei Ausschreibungen von Projekten in Chile sei es schwierig, deutsche Unternehmenskonsortien zusammen zu bekommen, selbst wenn die Deutschen in der jeweiligen Technologie führend seien, klagte Bruno Wenn, Chef der KfW-Tochter DEG, die Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern finanziert.  

Wenn sich dennoch zwei Dutzend Unternehmer fanden, die in diesen Tagen die NRW-Ministerpräsidentin auf ihrer Reise nach Südamerika begleiten, so spielen Hoffnungen dabei eine große Rolle. Die Hoffnung, dass die Chilenen größeres Interesse an den Themen Recycling oder Erneuerbare Energien gewinnen. Und beim nächsten Tunnel- oder Bergbauprojekt an Nordrhein-Westfalen denken. Verträge in nennenswertem Umfang jedenfalls wurden im Rahmen der Reise bisher nicht geschlossen. Hannelore Kraft ist sich dennoch sicher: "Von Chile aus kann man Südamerika erobern."

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