| 18.15 Uhr

Doel 3 und Tihange
NRW-Minister warnt vor belgischen "Bröckelreaktoren"

Doel 3 und Tihange: Remmel warnt vor belgischen "Bröckelreaktoren"
Probleme mit Haarrissen und defekten Schaltern: Reaktor Doel 3. FOTO: dpa, jw jak vfd
Düsseldorf. Der belgische Pannen-Atomreaktor Doel 3 soll am 6. Januar wieder hochgefahren werden. Das teilte der Betreiber Electrabel mit. NRW-Umweltminister Remmel kritisiert dies scharf und attackiert auch die belgische Regierung. Er sagt: Gewinn sei den Verantwortlichen wichtiger als Sicherheit.

Der Grund, dass Doel 3 vorerst nicht ans Netz geht, ist ein defekter Schalter am Übergang zum Hochspannungsstromnetz, wie eine Sprecherin erklärte. Eine externe Spezialfirma solle das Problem beheben. Am Ende des Jahres brauche sie dafür aber mehr Zeit als gewöhnlich, weil Experten schlechter verfügbar seien. Bis dahin bleibe der Reaktor in einer Art Standby-Modus und erzeuge keine Elektrizität.

Doel 3 war am ersten Weihnachtstag vom Netz genommen worden, nachdem an einer Heißwasserleitung im konventionellen Teil des Kraftwerks ein Leck entdeckt worden war. Für die Sicherheit der Anlage und die Umwelt gab es laut Betreiber keinerlei Gefahr. Doel 3 war zuletzt wegen Sicherheitsbedenken mehr als eineinhalb Jahre abgeschaltet gewesen, nachdem Haarrisse am Reaktorbehälter entdeckt worden waren.

Erst kürzlich war es bei dem pannenanfälligen belgischen Reaktor Tihange, der nur 70 Kilometer von Aachen entfernt ist, nach einem Brand zu einem Ausfall gekommen. Das Atomkraftwerk ist mittlerweile wieder in Betrieb.

Empört: Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). FOTO: dpa, fg fdt

Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) äußerte erneut scharfe Kritik an der Haltung der belgischen Regierung. "Es ist mehr als befremdlich, dass die belgische Atomaufsicht nach all den Unfällen, all dem An- und Abschalten noch immer keine klare Haltung zeigt, die Anlagen vom Netz zu nehmen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. "Denn solange Bröckelreaktoren am Netz bleiben, ist die Gefahr von nuklearen Störfällen nicht ausgeschlossen."

Remmel warf den belgischen Verantwortlichen vor, den schnellen Gewinn über die Vorsorge zu stellen. Dies gefährde die belgische Bevölkerung ebenso wie ihre deutschen und niederländischen Nachbarn.

"Deutschland hat den Ausstieg aus der teuer subventionierten Atomkraft beschlossen", unterstrich der Minister. "Atomare Gefahren kennen keine nationalen Grenzen, deshalb brauchen wir solche Entscheidungen auch in unseren Nachbarländern." Sinnvoll und zukunftsorientiert sei eine europaweite Investitionsoffensive für den Ausbau der erneuerbaren Energien und ein Fahrplan zum Ausstieg aus der Atomkraft.

Mehr Nachrichten und Infos zum Atom-Kraftwerk Dowl gibt es hier.

(csi/lnw)
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