| 14.44 Uhr

NRW
Hundertschaft soll Flüchtlinge erfassen

Chorweiler: So sieht die Zeltstadt für Flüchtlinge aus
Chorweiler: So sieht die Zeltstadt für Flüchtlinge aus FOTO: dpa, mb soe
Exklusiv | Düsseldorf. In den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes NRW sollen wegen Personalnot bald Polizisten zur Erfassung der Flüchtlinge arbeiten. Nach Informationen unserer Redaktion soll mindestens eine ganze Hundertschaft dafür eingesetzt werden. Von Christian Schwerdtfeger

"Die Abteilungsleiter der Hundertschaften sollen zunächst bis heute Freiwillige suchen, die dazu bereit wären und diese dann an das Innenministerium melden", sagte der NRW-Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Erich Rettinghaus.

Düsseldorf: Hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden FOTO: dapd, dapd

Einem internen Dokument zufolge, das unserer Redaktion vorliegt, dürfen die Polizisten in den Unterkünften ihre Waffe tragen. Diese soll allerdings verdeckt werden. Die Polizisten sollen in der kommenden Woche an zwei Tagen für den Dienst einer Erstaufnahmeeinrichtung geschult werden. Die Bezirksregierung Arnsberg stellt dem Dokument zufolge die komplette Ausstattung zur Verfügung und sorgt für Räumlichkeiten in den Unterkünften. Laut Erlass des Innenministeriums sollen die Polizisten erst einmal vier Wochen bis Ende September Dienst in den Einrichtungen machen.

Was ist was - Begriffe zum Thema Flüchtlingsunterkünfte

Für Rettinghaus ist diese Maßnahme eine Bankrotterklärung des Landes. "Es kann nicht sein, dass die ohnehin schon völlig überlastete Landespolizei jetzt auch noch für diese Arbeit eingesetzt wird und immer als Feuerwehr herhalten muss, wenn es an irgendeiner Stelle brennt", kritisierte Rettinghaus. "Das schwächt die Polizeiarbeit massiv und ist mit der Personaldecke nicht zu stemmen", sagte er. "Man sollte vielmehr mal darüber nachdenken, Kräfte der Bundeswehr für diese Tätigkeiten heranzuziehen", so Rettinghaus.

Innenminister Ralf Jäger (SPD) bedankt sich bei den Polizisten für ihren Einsatz: "Die Bereitschaftspolizei leistet wertvolle Unterstützung bei der Aufnahme der Flüchtlinge. Die Einsatzhundertschaften haben bereits jetzt volle Auftragsbücher und zahlreiche Einsätze zu bewältigen. Umso höher sind das Engagement und die Flexibilität der Polizistinnen und Polizisten einzuschätzen. Sie helfen mit, die Herausforderungen bei der Flüchtlingsunterbringung so zu gut wie möglich zu bewältigen."

In NRW gibt es 18 Hundertschaften. Eine Einheit besteht aus drei Zügen mit jeweils 38 Polizisten und einer neunköpfigen Führungsgruppe – also insgesamt 123 Personen. Sie sind täglich bei einer Vielzahl von Einsätzen beteiligt. Sie sichern unter anderem Demonstrationen, Fußballspiele, unterstützen die örtliche Polizei im Kampf gegen kriminelle arabische Familienclans und Rocker sowie gegen Einbrecher. "Wir sind immer da, wo es brennt. Aber durch die Menge der Aufgaben können wir längst nicht mehr überall dort sein, wo wir sein müssten", so ein Mitglied einer Hundertschaft.

Zum Teil mehr als 1000 Flüchtlinge kommen an einigen Tagen nach NRW. Die festangestellten Mitarbeiter in den Erstaufnahmeeinrichtungen sind damit längst überfordert. Deshalb wurden bereits ehemalige Beamte und Landesbedienstete gebeten, in den Registrierungsstellen auszuhelfen. Wegen Überfüllungen müssen auch immer wieder Einrichtungen vorübergehend geschlossen werden In Dortmund-Hacheney wird fast wöchentlich ein solcher Aufnahmestopp verhängt. Die Erstaufnahmeeinrichtung verfügt über 300 reguläre Plätze und 50 Notfallplätze. Zum Teil kommen dort aber fast 900 Flüchtlinge am Tag an.

Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.