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Ex-NRW-Innenminister
Ralf Jäger schließt Spitzenamt in der Politik nicht aus

Ex-NRW-Innenminister Ralf Jäger über Spitzenamt in der Politik
Ralf Jäger war von Juli 2010 bis Juni 2017 Minister für Inneres und Kommunales von Nordrhein-Westfalen. FOTO: dpa, fg wie
Düsseldorf. Ralf Jäger war als NRW-Innenminister der Prügelknabe der Opposition. 100 Tage nach dem Machtwechsel in Nordrhein-Westfalen freut er sich zwar über Freiräume, denkt aber auch an ein mögliches politisches Spitzenamt für die Zukunft. "Polit-Opa" will er nicht sein.

Der frühere nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) strebt nach eigenen Angaben derzeit nicht nach neuen Spitzenpositionen, schließt sie aber auch nicht aus. "Kommen Entwicklungen, dann muss man sich den Herausforderungen stellen" sagte der 56-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf 100 Tage nach der Landtagswahl. "Ich bin jetzt 17 Jahre Landtagsabgeordneter, war davor Kommunalpolitiker und habe gelernt: Man kann Zukunft und Karriere in der Politik nicht planen. Es kommt, wie es kommt."

Das ist Ralf Jäger FOTO: dpa, mjh pzi

Jäger war als einer der möglichen Kandidaten für den Vorsitz der SPD-Landtagsfraktion gehandelt worden, galt aber als meist kritisierter Politiker des abgewählten rot-grünen Kabinetts als zu belastet. Nach den massenhaften Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015/16 war er stark unter Druck geraten. Auch Ermittlungspannen im Fall des in NRW gemeldeten Terroristen Anis Amri und eine Debatte um "No-Go-Areas" im Ruhrgebiet hatten immer wieder zu Rücktrittsforderungen geführt.

Allerdings werden die Karten in der SPD-Landtagsfraktion bald schon wieder neu gemischt. Spätestens nächstes Jahr soll ein Nachfolger für den 70 Jahre alten Fraktionschef Norbert Römer gewählt werden. Könnte Jäger sich noch mal ein Spitzenamt in der Politik vorstellen? "Wenn ich jetzt Ja sage, würde spekuliert, was ich werden will", antwortete er. "Sage ich Nein, würden Sie sagen: Das ist jetzt der Polit-Opa, der keine Ziele mehr hat."

Zeit für die Familie

Trotz des Machtverlusts fühlt sich der Ex-Innenminister keineswegs beschäftigungslos. "Ich bin Landtagsabgeordneter, SPD-Unterbezirksvorsitzender in Duisburg und sehr stark eingebunden in die Oberbürgermeisterwahl." Gleichzeitig genieße er seine wiedergewonnene Freiheit und Selbstbestimmtheit, mehr Zeit für Sport und Familie, berichtete Jäger. "Als ich kurz nach der Wahl schon um 17 Uhr nach Hause kam, fragte mich mein 18-jähriger Sohn Levin: "Hömma, wohnst Du jetzt hier?""

Auch seine Frau Marion habe vorgesorgt, dass ihr arbeitseifriger Mann nicht an Unterbeschäftigung leide. "Die hat mich erstmal ausgestattet mit einer sehr langen To-do-Liste. Ich bin eingeplant für alles, was über die Jahre liegen geblieben ist in Haus und Garten."

Auf das Ende seiner Amtsjahre als Innenminister des einwohnerstärksten Bundeslandes blickt Jäger mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber jedenfalls nicht im Zorn. Von seiner Partei habe er sich auch im schärfsten Hagel der Kritik nie im Stich gelassen gefühlt, betonte er. Nicht nur die Partei, insbesondere seine Mitarbeiter hätten ihm stets den Rücken gestärkt.

Politischer Phantomschmerz

"Natürlich schaut man immer darauf, was gerade in der Innenpolitik geschieht", sagte Jäger. "Was ich als Phantomschmerz bezeichnen würde, ist der Verlust an Gestaltungsmöglichkeiten. Das ist ein schmerzhaftes Erlebnis, aber ich habe keine Leere gespürt."

Viele wundern sich, dass Kraft und Jäger nach ihren Spitzenämtern in der Regierung künftig nur noch im Sportausschuss des Landtags sitzen wollen. Wie kommt das? "Das ist neigungsbedingt bei mir", sagte der begeisterte Radfahrer und Läufer.

"Außerdem gibt es den Grundsatz in der Politik, dass der Vorgänger dem Nachfolger aus dem Weg geht in den Fachausschüssen. Da die neue Landesregierung das Innenministerium filetiert und gefleddert hat, sind die Bereiche jetzt über mehrere Ministerien verteilt. Dadurch scheiden viele Ausschüsse aus."

Auch ein Lebenstraum des gebürtigen Duisburgers hat mit Sport statt Politik zu tun. "Ich würde gerne mal einen Marathon laufen - aber nicht mehr dieses Jahr."

(mro/lnw)
 
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