| 12.13 Uhr

Protokoll der Hogesa-Eskalation von Köln
15.49 Uhr und der erste Brandsatz fliegt

HoGeSa: Innenministerium NRW legt Protokoll für Köln vor
Mit Wasserwerfern musste die Polizei Angreifer unter den Hooligans in Schach halten. FOTO: dpa, cas hpl
Köln. Am 26. Oktober haben gewalttätige Hooligans in Köln 45 Polizisten verletzt, einen Polizeiwagen umgeworfen und Medienvertreter angegriffen. Das Protokoll des Polizei-Einsatzes wurde vom Innenministerium NRW nun  vorgelegt, am Donnerstag wird der Einsatz im Innenausschuss des Landtages diskutiert. Von Aaron Clamann

Das Protokoll des Tages zeigt deutlich: Nach wenigen Minuten eskalierte die Lage und schon vorher gab es Fehler in der Planung. Im Vorfeld der Demonstration der Gruppe "HoGeSa" (Hooligans gegen Salafisten) hatte der Anmelder der Versammlung mit 1000 bis 1500 Teilnhemern gerechnet. Doch schon am 22. Oktober gab es 5500 Teilnahmezusagen im sozialen Netzwerk Facebook. Das war Anlass der Polizei, intern von etwa 4000 Teilnehmern auszugehen. Damit lagen die Einsatzkräfte knapp unter den circa 4800 Demonstranten, die laut Einsatzbericht tatsächlich am 26. Oktober in Köln waren.

Einsatzbefehl und interne Planungen widersprechen sich

Doch trotz interner Planungen wurden diese Schätzungen nicht in den Einsatzbefehl, die zentrale Maßgabe für die Beamten am Demonstrationstag, aufgenommen. Hier wurde weiterhin von 1000 bis 1500 Teilnehmern ausgegangen, so wie es auch der Veranstalter tat. Dieser zog sich jedoch einen Tag vor der Demonstration zurück und benannte einen neuen Veranstaltungsleiter.

Wie aus dem Bericht des Innenministeriums hervorgeht, hatten sowohl die Polizei wie auch der Verfassungschatz der Länder und des Bundes im Vorfeld untersucht, ob Gewalt zu erwarten sei. Das Urteil: geplante Gewaltaktionen seien nicht zu erwarten, in einzelnen Situationen sei jedoch ein Gewaltausbruch möglich. Wie schnell die Gewalt ausbrach erzählt das Protokoll:

12 Uhr: Die ersten Teilnehmer versammeln sich auf dem Breslauer Platz, auf dem die Anfangs- und Abschlusskundgebung stattfinden sollen.

15.03 Uhr: Es sind mittlerweile rund 4800 Teilnehmer vor Ort. Die Kundgebung startet mit Redebeiträgen, es gibt Musik von einem Mitglied der Hooliga-Band "Kategorie C". Nach einem Redebeitrag hebt ein Mitglied der rechtsrextremen Szene seinen Arm zum "Hitler-Gruß", im Publikum beteiligt sich keiner an der Aktion.

15.33 Uhr: Der Demonstrations-Aufzug setzt sich in Bewegung. Die Polizisten vor Ort schildern, dass der Versammlungsleiter bemüht sei, die Teilnehmer zu "friedlichem und gewaltfreiem Verhalten aufzufordern".

15.42 Uhr: Eine Dose wird auf Höhe der Maximinenstraße in Richtung von Medienvertretern geworfen.

15.44 Uhr: Erste Teilnehmer der Demonstration vermummen sich, während Kameras der Fernsehsender auf sie gerichtet sind.

15.49 Uhr: Der erste Brandsatz fliegt. Auf der Turiner Straße tritt eine Person mit einem Fußballtrikot der türkischen Nationalmannschaft auf den Balkon in der ersten Etage und streckt den Demonstranten seinen Mittelfinger entgegen. Flaschen und Pyrotechnik fliegen aus der Menge der Hooligans auf das Haus und auf Polizisten. Der Aufzug dauert erst 16 Minuten, die Demonstranten sind erst gute 500 Meter gelaufen.

15.49 Uhr: Unabhängig von den Flaschenwürfen, versuchen Hooligans eine Polizeisperre am Rande der Turiner Straße zu durchbrechen.

15.50 Uhr: Es gibt Übergriffe auf Medienvertreter.

15.58 Uhr: Hooligans werfen Flaschen und andere Gegenstände auf Gaststätten an der Turiner Straße. Es entstehen jedoch keine größeren Schäden.

15.58 Uhr: Der Versammlungsleiter teil der Polizei mit, dass er die die Demonstration offiziell beenden werde. Der Aufzug dauert erst 25 Minuten, die gesamte Demonstration läuft seit 58 Minuten. Mit der Auflösung kommt der Versammlungsleiter einer Beendigung der Veranstaltung durch die Polizei zuvor.

16.00 Uhr: Die Polizei beginnt die ehemaligen Versammlungsteilnehmer zum Bahnhof zurückzuführen. Auf Höhe der Dagobert Straße gibt es Flaschenwürfe und weitere Angriffe auf Polizisten. Wasserwerfer werden einsatzbereit gemacht und in Stellung gebracht.

Köln 2014: Krawalle bei Hooligan-Demo FOTO: dpa, cas hpl

16.06 Uhr: Zwei Wasserwerfer kommen zum Einsatz.

16.35 Uhr: Hooligans werfen am Übergang zum Busbahnhof (Nähe Kommerz-Hotel) erneut mit Flaschen. Am Breslauer Platz wird ein Polizeiwagen umgestoßen.

17.20 Uhr: Absperrkräfte am Bahnhof werden angegriffen.

17.22 Uhr: Die Wasserwerfer werden gegen die gewalttätigen Hooligans am Bahnhof gerichtet.

Nach 17.22 Uhr spricht das Protokoll des Innenministeriums von einer halbwegs geordneten Abreise. Doch es nennt auch Zahlen zu Verletzten, Festnahmen und Sachbeschädigungen. So gab es zehn Festnahmen, sieben Ingewahrsamnahmen und 45 verletzte Polizisten. Drei von ihnen sind nicht mehr einsatzfähig.

Auf Seiten der "HoGeSa"-Demonstranten seien vermutlich sechs Verletzte. Der Sachschaden wird auf 40.000 Euro beziffert. Bei 111 eingeleiteten Ermittlungsverfahren sind bereits 63 Tatverdächtige ermittelt. Es geht in den Verfahren um schweren Landfriedensbruch, Körperverletzung, Diebstahl und Verstoß gegen das Versammlungs- und Sprengstoffgesetz.

Innenminister Ralf Jäger sagte am Mittwoch, dass der Polizeieinsatz erfolgreich gewesen sei. Erkenntnisse, die eine höhere Personalzahl oder Spezialkräfte erfordert hätten, habe es nicht gegeben, stellt Jäger in dem Bericht an den Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags fest.

Im Bericht ist auch der Ablauf der Gegendemonstration "Kein Veedel für Rassismus" festgehalten. In wenigen Worten ist zu lesen, dass es bei der Demonstration mit 600 Teilnehmern zwischen 13 Uhr und 16.52 Uhr keine Zwischenfälle gegeben habe.

(ac)
 
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