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Porträt des FDP-Franktionsvizen
Joachim Stamp will Oppositionsführer werden

Joachim Stamp soll Christian Lindner in der NRW-FDP beerben
Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner (l.) und der Landtagsabgeordnete Joachim Stamp auf Wahlkampftour. FOTO: dpa, fg vge
Düsseldorf. FDP-Fraktionsvize Joachim Stamp soll Christian Lindner an der Spitze der Liberalen in NRW beerben. Auf den ersten Blick wirkt die künftige Nummer Eins der NRW-FDP jedoch erstaunlich defensiv. Von Thomas Reisener

"Ich gehe davon aus, dass wir nach der Wahl in NRW eine große Koalition haben werden", sagt Joachim Stamp. Noch-Fraktionschef Christian Lindner wird dann wie angekündigt nach Berlin wechseln, der 46-jährigen Franktionsvize Stamp soll sein Nachfolger werden. Ein Politiker, der mitten im Wahlkampf nicht einmal selbst an eine Machtoption für seine Partei glaubt?

Das ist eine Frage der Perspektive. "Ich will mit der FDP die Opposition anführen", sagt Stamp. Immerhin werde die FDP voraussichtlich drittstärkste Kraft. "Und dann werden wir als FDP davon profitieren, dass die CDU als Juniorpartner der SPD kaum etwas durchsetzen kann." Das Kalkül des promovierten Politikwissenschaftlers: Die FDP ist dann die einzige bürgerliche Alternative im Parlament, die einzige Partei, die noch glaubwürdig die Fahne des Wettbewerbs und der Eigenverantwortung hochhält. Keine schlechte Ausgangsposition für eine Partei, die 2013 mit ihrem Rauswurf aus dem Bundestag noch vor dem Aus stand.

Fotos: Die Spitzenkandidaten bei der NRW-Landtagswahl FOTO: dpa, wok mhe soe

Als erstes will Stamp die künftige NRW-Regierung mit einem Entwurf für ein "Entfesselungsgesetz" vor sich hertreiben. "Tariftreuegesetz, Hygieneampel, Landesentwicklungsplan - diese ganzen rot-grünen Wachstumsbremsen müssen weg" sagt Stamp. Schon an diesem Beispiel wird deutlich, wie heikel Stamps Szenario für die CDU werden kann: Die SPD wird dabei kaum mitmachen. Die CDU müsste eigentlich, weil sie im Wahlkampf dasselbe gefordert hat. Aber sie wird an der Seite der SPD kaum können. Wer genauer hinsieht, versteht, warum der Liberale die Rolle des künftigen Oppositionsführers politisch reizvoll findet.

Ruhig aber hartnäckig

Stamp wurde 1970 in Bad Ems geboren und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Bonn. Schon als Schülersprecher organisierte er Proteste gegen die damals geplante Versetzung von Lehrern an Gesamtschulen und trat 1987 in die FDP ein. 2004 wurde er Ratsherr in Bonn. Seine große Stunde kam 2010, als er wie aus dem Nichts auf Wunsch des damaligen Parteichefs Andreas Pinkwart Generalsekretär der NRW-FDP wurde.

Stamp wird wegen seiner ruhigen Art unterschätzt. Aber wenn wie bei Stamp Ruhe und Hartnäckigkeit zusammenkommen, wird es für den politischen Gegner oft unangenehm. Das bekam zum Beispiel NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zu spüren, den Stamp im Innenausschuss immer wieder mit gut vorbereiteten Fragen zur Kölner Silvesternacht und zu Anis Amri anging.

Im Landtag hat Stamp sich einen Ruf als Pragmatiker erarbeitet. Sein jüngster Vorschlag: "In den Ferien sollten wir die leerstehenden Klassenräume für Flüchtlingskurse nutzen." Insbesondere in den Computerräumen seien mithilfe entsprechender Software auch ohne Dozenten Deutschkurse möglich.

Hobbies hat Stamp nicht. Auf die Frage: "Wofür würden Sie nachts aufstehen?" antwortete er einmal ersthaft "Zum Plakatekleben". Sein Traum: "Nachts mit dem Cabrio durch San Francisco fahren". Verglichen damit klingt der Job als Oppositionsführer in NRW tatsächlich fast schon nach Abenteuer. 

 
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