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Dialogforum
Junge Islamkonferenz kritisiert Misstrauen gegen Muslime

Düsseldorf. Im Düsseldorfer Landtag kamen 44 junge Muslime und Nicht-Muslime zusammen, um über Vielfalt Zugehörigkeit und Diskriminierung zu debattieren.  Von Philipp Jacobs

Musliminnen, die aufgrund ihres Kopftuchs schief angesehen, ausgegrenzt, manchmal sogar angegangen werden – "habe ich alles schon erlebt", sagt Mohammed. Der 20-Jährige steht im Plenarsaal des Landtags, er ist Teilnehmer der ersten Jungen Islamkonferenz (JIK) in NRW. Es ist quasi eine weniger einflussreiche Variante der 2006 ins Leben gerufenen Deutschen Islamkonferenz, dafür aber erfrischend jung und nicht so festgefahren.

Debatten in kleinen Gruppen

44 junge Muslime und Nicht-Muslime zwischen 17 und 24 Jahren kamen am Freitag im Landtag zusammen. Sie diskutierten in Workshops, Gruppenarbeiten und einem Planspiel über die Bedeutung gesellschaftlicher Vielfalt, über Zugehörigkeit und über Diskriminierung.

In ihrer Begrüßungsrede spricht Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) von einem Hass, "den wir nicht zulassen dürfen" – ausgehend von Rechtspopulisten und -extremisten sowie von Terroristen. Die Vielfalt und die Freiheit hätten NRW, hätten Deutschland immer erfolgreich gemacht. "Es geht um Haltung, nicht um Herkunft", sagt Gödecke. Mohammed und sein Teilnehmer-Kollege Sefa (20) stimmen zu: "Wir wollen den jungen Muslimen eine Stimme geben", sagt Sefa, der sich in der CDU engagiert. 

Julia (24) ist christlichen Glaubens und kritisiert in erster Linie das pauschale Misstrauen gegen Muslime. "Vieles wird grundsätzlich negativ besetzt", sagt die angehende Politikwissenschaftlerin. Gerade junge Menschen könnten dieses Schwarz-Weiß-Denken aufbrechen. "Unsere Generation kennt keine Hautfarbe, nur Menschen."

Die Skepsis bleibt groß

Doch die Skepsis der NRW-Bürger gegenüber der islamischen Welt ist immer noch groß: Rund 38 Prozent sagen, die muslimische Kultur bereichert Deutschland nicht. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung. In derselben Erhebung heißt es auch: 35 Prozent hätten ein Problem damit, ihr Kind in eine Schule zu schicken, in der jeder vierte Schüler muslimisch ist. Mit beiden Aussagen liegt NRW ziemlich genau im Bundesdurchschnitt. 

Viele Menschen wüssten einfach zu wenig über die islamische Welt, sagt Julia. Vorurteile und Stereotypen könnten so weiter wachsen. Das belegt auch die Studie: 60 Prozent geben an, nur wenig oder sehr wenig über Muslime zu wissen. 

Die Teilnehmer der Jungen Islam Konferenz möchten daher einen Denkanstoß geben. Sie wollen in Kontakt treten mit jenen, die unsicher sind. "Wir möchten die junge postmigrantische Generation in NRW in einen Diskurs einbinden", sagt Nina Prasch, JIK-Projektleiterin. "Diese Generation hat durch ihren täglich gelebten, angstfreien Umgang mit Diversität vielfach bereits Lösungen für Fragen gefunden, die andernorts noch als Konflikte empfunden werden."

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