| 07.53 Uhr

IG Metall attackiert Landesregierung
Kampf um Tausende Arbeitsplätze in NRW

Kampf um tausende Arbeitsplätze in NRW
Der geplante Stahlgipfel war überraschend abgesagt worden. (Symbolbild) FOTO: dpa, rwe kno zc
Düsseldorf. Die IG Metall geht auf Konfrontation zur Landesregierung. Die Gewerkschaft wirft vor allem Wirtschaftsminister Pinkwart (FDP) vor, trotz drohender Stellenstreichungen bei Unternehmen wie General Electric, Siemens, Thyssenkrupp Steel und Goodrich Control Systems untätig zu bleiben. 

"Vor dem Hintergrund, dass diese Prozesse tausende Arbeitsplätze gefährden, bin ich vom Verhalten der Landesregierung und insbesondere vom Wirtschaftsministerium in diesen Fällen mehr als enttäuscht", sagte Knut Giesler, IG Metall Bezirksleiter NRW, unserer Redaktion.

Pinkwart wies die Vorwürfe zurück: "Herr Giesler weiß es selbst besser: Ich habe mich persönlich in die Gespräche eingebracht, um alle Möglichkeiten des Arbeitsplatzerhalts für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszuloten oder zumindest sozialverträgliche Lösungen zu finden." Ziel müsse es sein, die nordrhein-westfälischen Standorte langfristig zu sichern.

Es steht viel auf dem Spiel

Die Eskalation ist ein Zeichen dafür, wie viel in den nächsten Monaten auf dem Spiel steht: Bei Thyssenkrupp sollen im Zuge des geplanten Stahl-Joint-Ventures mit Tata Steel mindestens 2000 Stellen wegfallen. Siemens in Mülheim will in der Kraftwerkssparte 640 Arbeitsplätze streichen. General Electric schließt sein Grid-Solutions-Werk in Mönchengladbach, betroffen sind dort nach Angaben des Betriebsrats sind 371 Stellen. Und beim Luftfahrt-Zulieferer Goodrich Control Systems sind nach Unternehmensangaben 135 Arbeitsplätze vom Aus bedroht, die IG Metall spricht hier von 145.

Die Gewerkschaft sagte zugleich ihre Teilnahme an dem für Montag geplanten Stahlgipfel des Wirtschaftsministers ab. Per Brief habe er Pinkwart mitgeteilt, dass die IG Metall und die eingeladenen Betriebsräte am Stahlgipfel nicht teilnähmen, sagte Giesler. Ex-IG-Metall-Chef Detlef Wetzel ergänzte: "Da lädt die Landesregierung zu einem Stahlgipfel ein, und das Thema Thyssenkrupp/Tata soll erst gar nicht und dann nur am Rande vorkommen – das ist absurd", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef bei Thyssenkrupp Steel unserer Redaktion. Es sei ein Problem, dass sich der Wirtschaftsminister frühzeitig und ohne ausreichende Sachkenntnis auf die Seite des Thyssenkrupp-Managements gestellt habe.

Stahlgipfel abgesagt

Pinkwart zeigte sich von der Absage überrascht: "Noch bis gestern haben Land, Arbeitgeber und Gewerkschaften intensiv an der Vorbereitung des Stahlgipfels gearbeitet und Tagesordnung, Teilnehmer und die gemeinsame Resolution eng miteinander abgestimmt." Der Minister sagte daraufhin den Stahlgipfel ab und setzte für Montag stattdessen ein Arbeitsgespräch an. Hierzu sei neben Vertretern der Industrie und der Wissenschaft auch die IG Metall eingeladen. In Gesprächen mit der IG Metall will er zudem Möglichkeiten eines Gipfels im Frühjahr ausloten. Auch die IG Metall ist bereit, wieder an einen Tisch zu kommen. "Dafür muss aber erst die Grundlage einer vertrauensvollen und verbindlichen Zusammenarbeit geschaffen werden", sagte Giesler.

Verpassen Sie keine Nachrichten aus der Region: Wir schicken Ihnen eine Übersicht per WhatsApp. Melden Sie sich jetzt an!

Der größte Jobabbau in NRW droht zurzeit bei Thyssenkrupp. Hart umkämpft sind insbesondere eine zehnjährige Beschäftigungszusage sowie Standortgarantien. In Neuss kam es gestern zu Protestaktionen vor den Toren der Firma Goodrich Control Systems. Der Neusser Standort des Luftfahrt-Zulieferers, der zur amerikanischen United 

(kib/abu/maxi)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kampf um tausende Arbeitsplätze in NRW


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.