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Genaue Erhebung
Alle Schulen in NRW sollen Unterrichtsausfall messen

Schulen in NRW - Fakten im Überblick
Schulen in NRW - Fakten im Überblick FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Exklusiv | Düsseldorf. Wie viel Unterricht findet in Nordrhein-Westfalen tatsächlich statt? Vor allem die Eltern glauben den Zahlen des Schulministeriums nicht. Jetzt gibt es einen Konsens für eine genauere Erhebung. Von Frank Vollmer

In Nordrhein-Westfalen liegt ein neuer Vorschlag zur Erhebung des Unterrichtsausfalls auf dem Tisch, der gute Chancen auf Verwirklichung hat. Eine Arbeitsgruppe der Bildungskonferenz, eines Beratungsgremiums der Landesregierung, plädiert dafür, den Ausfall nicht mehr wie bisher nur in einem zweiwöchigen Zeitraum zu erfassen, sondern das gesamte Jahr hindurch.

Nach Angaben von Mitgliedern der Arbeitsgruppe würde das Schuljahr dafür in 20 Zwei-Wochen-Zeiträume aufgeteilt, in denen jeweils mehrere Hundert Schulen an der Stichprobe beteiligt wären. Insgesamt würden so alle rund 6000 Schulen im Land jeweils einmal im Jahr für zwei Wochen an der Stichprobe teilnehmen – und nicht mehr, wie bisher, lediglich 770.

Landeselternschaft: Unterrichtsausfall bei 6,4 Prozent

Um die Frage, wie viel Unterricht tatsächlich ausfällt, tobt in NRW seit Jahrzehnten erbitterter Streit. Die aktuellste Stichprobe des Landes ergab für 2014 einen Wert von 1,7 Prozent ersatzlos ausgefallenen Unterrichts. Viele Eltern schenken dieser Zahl aber keinen Glauben. Die Landeselternschaft der Gymnasien hat im Februar eine eigene Stichprobe vorgelegt, die auf 6,4 Prozent Ausfall kam. Umstritten ist vor allem, ob das "eigenverantwortliche Arbeiten" als Ausfall gewertet wird, wenn also Schüler ohne Lehrer Aufgaben lösen.

In der 2010 von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ins Leben gerufenen Bildungskonferenz sitzen unter anderem Parteien, Bildungsverbände, Kommunen und Gewerkschaften. Der von der Arbeitsgruppe favorisierte Vorschlag ist ein Kompromiss zwischen der bisherigen kleinen Stichprobe und einer ganzjährigen Vollerhebung an allen Schulen, wie sie vor allem Elternverbände fordern. Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) soll die Definition dieselbe bleiben: Nur ersatzlos gestrichene Stunden gelten als Ausfall; eigenverantwortlicher Unterricht gilt als Vertretung.

Eltern- und Lehrerverbände haben Sympathien für den neuen Vorstoß. "Das ist sinnvoll", sagte GEW-Landeschefin Dorothea Schäfer. Sie sehe gute Chancen, dass das Plenum der Bildungskonferenz sich im Herbst den Vorschlag als Empfehlung zu eigen macht. Optimistisch ist auch Ulrich Czygan, Vorsitzender der Landeselternschaft der Gymnasien. Er plädiert für die erweiterte Stichprobe, "weil so nicht alle Schulen laufend überwacht werden, aber andererseits der Verdacht hinfällig wird, das Ministerium untersuche nur die Schulen, an denen besonders wenig Unterricht ausfällt".

Löhrmann: "Wir bekommen eine Präzisierung"

Von "begrenztem Fortschritt" sprach Peter Silbernagel, Landesvorsitzender des Philologenverbands. Entscheidend sei nicht die Methode der Erhebung, sondern dass die Landesregierung endlich den strukturellen Unterrichtausfall beseitige. Silbernagel: "Im Land fehlen 3000 Lehrer. Das ist für die Unterrichtsversorgung entscheidend." Für den Elternverein NRW wäre die erweiterte Stichprobe nur eine Vorstufe für eine Vollerhebung. "Wir erwarten, dass auf dieser Grundlage eine dauerhafte Überprüfung und Buchführung stattfindet", sagte die Vorsitzende Regine Schwarzhoff. Auch sie rechnet aber damit, dass der Vorschlag beschlossen wird.

Erstmals könnte die neue Methode im Schuljahr 2017/18 angewendet werden. "Wir bekommen eine Präzisierung", sagte Löhrmann zu dem Entwurf: "Ich bin bereit, die neuen Vorschläge umzusetzen." Sie verstehe, sagte Löhrmann, den Unmut der Eltern über die Zahl von 1,7 Prozent: "Das ist das Problem des Durchschnittswerts. Wir haben im Übrigen auch Schulen, an denen kaum Unterricht ausfällt, oder die mehr bieten, als sie müssen." Jedem Hinweis über Ausfall werde nachgegangen.

Quelle: RP
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