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Berechnung von Wissenschaftlern
Kinderarmut in Düsseldorf so hoch wie sonst nirgends in NRW

Mehr Kinderarmut durch Zuwanderung im Raum Düsseldorf
In Deutschland ist die Kinderarmut nach einer neuen Untersuchung gestiegen (Symbolbild). FOTO: dpa, ppl;cse dbo lof
Düsseldorf. In einer aktuellen Studie zur Kinderarmut schneidet der Regierungsbezirk Düsseldorf besonders schlecht ab. Nirgends in NRW gibt es so viele arme Kinder wie hier, auch bundesweit belegt die Landeshauptstadt einen Spitzenplatz. Woran liegt das?

Für weite Teile von Nordrhein-Westfalen hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) eine erfreuliche Nachricht: Nach Berechnungen der Forscher ist die Kinderarmut landesweit gesunken – sogar entgegen dem bundesweiten Trend. Demnach stieg die Zahl der armen Kinder 2015 in Deutschland um etwa 77.000 auf 2,55 Millionen, während sie in NRW um 30.000 auf etwa 654.000 sank.

Allerdings haben die Wissenschaftler diese Entwicklung nicht überall in Nordrhein-Westfalen festgestellt. Im Regierungsbezirk Düsseldorf ist die Zahl der armen Kinder 2015 sogar um rund 2000 auf etwa 205.000 Kinder gestiegen. In den Regierungsbezirken Arnsberg (minus 6.000), Detmold (minus 6.000), Köln (minus 13.000) und Münster (minus 7.000) sank sie dagegen teilweise deutlich.

Die Forscher haben zwei Erklärungen dafür: Den Anstieg der Kinderarmut erklären sie grundsätzlich mit der starken Zuwanderung von Flüchtlingskindern nach Deutschland, weil die Minderjährigen mit ihren Familien meistens unter der Armutsgrenze leben würden. Unter Kindern ohne Migrationshintergrund sank die Armutsquote sogar geringfügig von 13,7 auf 13,5 Prozent. Im Regierungsbezirk Düsseldorf komme ein schwacher Arbeitsmarkt mit einer hohen Arbeitslosenquote hinzu, erklären die Wissenschaftler.

Für die Region hat das WSI deswegen eine der höchsten Kinderarmutsquoten in Deutschland berechnet: 2015 lag sie bei 25,7 Prozent und damit deutlich über den Quoten der Regierungsbezirke Arnsberg (25,1), Münster (22,1), Köln 20,0) und Detmold (19,8). Nur in Bremen (34,2), Berlin (29,8), Mecklenburg-Vorpommern (29,0), Sachsen-Anhalt (27,2) und Thüringen (26,6) war der Anteil armer Kinder an allen Minderjährigen noch größer als im Regierungsbezirk Düsseldorf. Bundesweit stieg die Kinderarmutsquote 2015 um 0,7 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent.

Als arm oder armutsgefährdet gelten Haushalte mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens. Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag 2015 die Armutsschwelle bei einem Nettoeinkommen von weniger als 1978 Euro pro Monat. Für den Kinderarmutsbericht hat das WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung Daten aus dem Mikrozensus ausgewertet. 

Den größten Einfluss auf Höhe und Entwicklung der Armutsquote habe die Situation am Arbeitsmarkt, erklären die Wissenschaftler. Auch Alleinerziehende und ihre Kinder seien oft betroffen. Familien mit einem Migrationshintergrund hätten außerdem ein höheres Armutsrisiko, weil bei ihnen Frauen seltener arbeiten gingen. Den kompletten Bericht der Forscher finden Sie hier.

(wer/dpa/epd)
 
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