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Güterzug-Expressroute für NRW
Neuer Vorstoß für "Eisernen Rhein"

Güterzug-Expressroute für NRW: Neuer Vorstoß für "Eisernen Rhein"
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Düsseldorf. Der Bund will eine neue Güterzug-Expressroute für NRW. Zigtausend Haushalten droht Verkehrslärm. Von Thomas Reisener

Das Bundesverkehrsministerium wagt einen neuen Anlauf für das Güterzug-Projekt "Eiserner Rhein". Der Trassen-Ausbau, der das Ruhrgebiet mit dem belgischen Seehafen in Antwerpen verbinden soll, würde bei Zigtausend Haushalten am Niederrhein zu Lärmschutz-Problemen führen. Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, stellte den Plan bei einer Podiumsdiskussion des Vereins "Logistikregion Rheinland" in Neuss vor: "Wir prüfen in Abstimmung mit dem NRW-Verkehrsminsterium für den ,Eisernen Rhein' eine Strecke von Venlo über Kaldenkirchen und Rheydt."

Weil mit dem Seehandel der Hinterland-Güterverkehr dramatisch wächst, zählt der "Eiserne Rhein" laut EU zu den wichtigsten Schienenprojekten des Kontinents. Auch die Landespolitik will mehr Verkehr auf die Schiene verlagern und ist parteiübergreifend für das Projekt. Aber wegen der drohenden Lärmbelastung wird seit Jahren über den Trassenverlauf gestritten. Zudem schlägt gerade Antwerpen viel Gefahrgut um. Die historische Trasse wurde vor knapp 20 Jahren stillgelegt. Zuletzt war nur noch eine 555 Millionen Euro teure Neubau-Trasse entlang der A 52 im Gespräch. Mangels Akzeptanz in den betroffenen Kommunen haben diverse Bundes- und Landespolitiker das Projekt schon für tot erklärt.

Diesen Eindruck korrigiert NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) gegenüber unserer Zeitung: "NRW hat dem Bund für die Bahnstrecke ,Eiserner Rhein' die A 52-Trassenvariante für den Bundesverkehrswegeplan zur Bewertung vorgeschlagen." Er bestätigt auch neue Pläne des Bundes: "Der Bund will zusätzlich die Venlo-Kaldenkirchen-Variante über Mönchengladbach-Rheydt und Rheydt-Odenkirchen prüfen lassen." Bei der neuen "Bundes-Variante" sollen vorhandene Strecken zwischen Kaldenkirchen und Dülken sowie im Bereich Rheydt/Odenkirchen ausgebaut werden. In Viersen sollen die Züge sich dann Richtung Krefeld/ Duisburg und Richtung Rheydt/Grevenbroich/Köln verteilen.

Weder Deutsche Bahn noch Bundesverkehrsministerium sagen, wieviel zusätzlicher Zugverkehr Anwohnern der "Bundes-Variante" droht. Bahn-Experte Lothar Ebbers vom Fahrgastverband "Pro Bahn" geht "von Dutzenden Langzügen pro Tag" aus, die derzeit noch andere Routen befahren und in ganz NRW Engpässe im Personenverkehr verursachen.

An Teilstücken des neuen Strecken-Plans ist die Belastung schon heute groß. Nach Angaben der Stadt Mönchengladbach werden die Richtwerte für Lärmsanierungen dort bei 4850 Anwohnern überschritten. Mit Gleis-Neubauten zwischen Mönchengladbach und Rheydt kämen 45 000 Betroffene hinzu. Karl Sasserath, Fraktionssprecher der Grünen in Gladbach, sagt: "Wenn die den ,Eisernen Rhein' hier nicht untertunneln oder mit vergleichbarem Lärmschutz ausstatten, ist das Projekt inakzeptabel."

Auf Zustimmung stößt der neue Vorstoß in der Wirtschaft. "Der ,Eiserne Rhein' ist eine notwendige Verbindung", sagt Jürgen Steinmetz, Chef der Logistikregion Rheinland. Aber er räumt ein: "Es muss die Variante gewählt werden, welche die geringsten Beeinträchtigungen für die Bevölkerung mit sich bringt."

Quelle: RP
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