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Nordrhein-Westfalen
Elternverbände stellen Ultimatum wegen Unterrichtsausfalls

NRW: Elternverbände stellen Ultimatum wegen Unterrichtsausfalls
Die Landeselternschaft hat eine eigene Stichprobe vorgelegt, die auf eine Ausfallquote von 6,4 Prozent in NRW kommt. FOTO: dpa
Düsseldorf. Elternverbände verlangen von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) bis zur Wahl 2017 eine Erhebung zum Unterrichtsausfall mit breiterer Datenbasis. Die offizielle Stichprobe zweifeln sie an. Löhrmann verteidigt ihr Vorgehen. Von Frank Vollmer

Mehrere nordrhein-westfälische Elternverbände fordern von der Landesregierung größere Anstrengungen im Kampf gegen den Unterrichtsausfall. "Es ist möglich, in einigen Monaten, vielleicht einem Vierteljahr, ein System an den Start zu bringen, das eine digitale Erhebung und Übermittlung der Daten auf Knopfdruck möglich macht", sagte der Vorsitzende der Landeselternschaft der Gymnasien, Ulrich Czygan, unserer Redaktion.

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Zumindest eine wöchentliche Übermittlung sollte das Ziel sein. Das sei "auf jeden Fall noch vor der Landtagswahl" nötig, "damit wir ein ehrliches Zwischenergebnis zum Unterrichtsausfall bekommen", sagte Czygan. NRW wählt am 14. Mai 2017, dem Muttertag.

Ministerium gab Quote mit 1,7 Prozent an

Seit Jahrzehnten tobt ein erbitterter Streit darüber, wie hoch der Unterrichtsausfall an den Schulen tatsächlich ist. Am heutigen Mittwoch wird das Thema erneut im Schulausschuss des Landtags diskutiert; erwartet wird ein Bericht von Ministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Das Ministerium hatte für das vergangene Schuljahr über eine Stichprobe eine Quote von 1,7 Prozent ersatzlos ausgefallenen Unterrichts genannt; diese Zahl wird von vielen Eltern angezweifelt.

Die Landeselternschaft hat eine eigene Stichprobe vorgelegt, die auf eine Ausfallquote von 6,4 Prozent kommt; eine Online-Petition, die die Vorsitzende der Elternschaft Düsseldorfer Schulen, Berit Zalbertus, gestartet hat, nennt zehn Prozent. Bis Dienstag hatten rund 8900 Menschen die Petition unterzeichnet, die seit Oktober im Netz steht und die Einstellung von 8000 zusätzlichen Lehrern in NRW fordert. Löhrmann selbst hatte im vergangenen Sommer eingeräumt, in NRW fehlten 3500 Lehrerstellen, davon allein 1000 an Gymnasien.

"Den Einstieg in die Vollerhebung muss es bis zur Wahl geben" 

Zalbertus will wie Czygan, dass alle Schulen an der Datenerfassung teilnehmen: "Den Einstieg in die Vollerhebung muss es bis zur Wahl geben." Bis zum Frühjahr 2017 sei "ein erstes messbares Ergebnis" nötig, "und dann soll jede Partei sagen, wie sie damit umgehen will".

Dem stimmt die Vorsitzende des Elternvereins NRW, Regine Schwarzhoff, zu: "Ein paar Monate sollten ausreichen, um ein solches digitales System auf die Beine zu stellen. Das Ministerium muss noch vor der Wahl die Ausfallquote wie eine Fieberkurve erheben können und auch regelmäßig veröffentlichen." Löhrmann gefährde ihren Ruf, "wenn sie jetzt nicht aus den Puschen kommt".

Vollerhebung: Silvia Löhrmann zeigt sich skeptisch

Auch die Grundschuleltern wünschen sich eine breitere Datenbasis, was die Unterrichtsversorgung angeht. "Wenn permanent Unterricht ausfällt, weil nur auf Sicht gefahren wird, verlieren auch die Eltern das Verständnis dafür", sagte Thomas Minor von der Landeselternschaft der Grundschulen. Die Politik sei "gut beraten, nicht weiter den Eindruck entstehen zu lassen, dass man ein strukturelles Defizit einfach hinnimmt". Nach Minors Vorstellung sollten so viele Schulen wie möglich, vor allem weiterführende, an einer Erhebung teilnehmen: "Bis zur Landtagswahl sollten da schon einige Zahlen einlaufen."

Löhrmann selbst zeigt sich weiter skeptisch gegenüber einer Vollerhebung: "Was wir brauchen, ist Steuerungswissen. Und das erhalten wir bereits jetzt mit der Fortschreibung der Stichproben, die wir jährlich machen." Dadurch werde bereits deutlich, "ob es im Durchschnitt einen grundsätzlichen Anstieg des Unterrichtsausfalls gibt oder nicht". Mit einer Erhebung, "egal ob Stichprobe oder Vollerhebung", werde aber "nicht eine einzige ausgefallene Stunde vermieden". Relevant seien allein die Ursachen, betonte die Ministerin: "Und die müssen und wollen wir angehen."

Quelle: RP
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