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NRW
Drastischer Trend: Hauptschulen endgültig abgeschlagen

Schulen in NRW - Fakten im Überblick
Schulen in NRW - Fakten im Überblick FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Düsseldorf. In NRW zeichnet sich ein drastischer Wandel der Schulstruktur ab: Erstmals gibt es weniger Hauptschulen als Realschulen oder Gymnasien.

Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) an den Landtag hervor.

Demnach gibt es in NRW noch 485 Hauptschulen - zum Schuljahr 2005/06 waren es noch 723. Damit ist in den vergangenen zehn Jahren etwa jede dritte Hauptschule überflüssig geworden. Im laufenden Schuljahr haben 511 Gymnasien und 504 Realschulen die aussterbende Schulform endgültig hinter sich gelassen. Zum nächsten Schuljahr wird die Zahl der Hauptschulen voraussichtlich auf 450 schrumpfen.

"Nach einer ersten Prognose auf Grundlage von Informationen aus den Regierungsbezirken werden zum Schuljahr 2015/16 voraussichtlich noch circa 180 Hauptschulen eine Eingangsklasse bilden können", schreibt Löhrmann in ihrem Bericht an den Schulausschuss. "Soweit sich diese Prognose realisiert, hätte sich die Anzahl der Hauptschulen mit Eingangsklasse seit dem Schuljahr 2011/12 um 329 Schulen - circa 65 Prozent - verringert."

Aktuell gelten 288 Hauptschulen in NRW als Auslaufmodell. Das heißt, sie konnten im laufenden Schuljahr keine 5. Klasse mehr bilden. Dieses Schicksal teilen allerdings auch zunehmend andere Zweige des gegliederten Schulsystems. So sind aktuell auch 162 Realschulen und 5 Gymnasien als auslaufend registriert - zum Schuljahr 2011/12 galt das nur für 15 Realschulen und 2 Gymnasien.

Nur weiterführende Schulen, die Kinder nach der Grundschule noch gemeinsam lernen lassen - etwa Gesamt- und Sekundarschulen - verbuchen kräftige Zuwächse bei der Zahl der Schüler und der neuen Angebote für die wachsende Nachfrage. Seit 2011 stieg die Zahl der Schulen für längeres gemeinsames Lernen um über 70 Prozent auf 389. Die Zahl ihrer Schüler wuchs in der Sekundarstufe I seitdem um fast 50 000 auf über 236 000. Ihr Boom bringt im nächsten Schuljahr acht weiteren Hauptschulen und neun Realschulen den Abwicklungsstempel "auslaufend".

Im Sinkflug ist auch die Zahl der Förderschulen: Sie verringerte sich innerhalb von zehn Jahren um 87 auf derzeit noch 566 Schulen für Kinder mit Handicap. Elf gelten aktuell als Auslaufmodell. Allerdings bestehe hier die Möglichkeit, Verbünde zu bilden, erläuterte die Ministerin. In NRW wird seit dem laufenden Schuljahr schrittweise ein Rechtsanspruch behinderter Kinder auf Unterricht in Regelschulen umgesetzt.

In den Statistiken über auslaufende Schulen sind keine Schulen berücksichtigt worden, die noch eine 5. Klasse gebildet haben, obwohl schon ein Auflösungsbeschluss vorliegt.

(lnw)
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