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Nordrhein-Westfalen
Experten warnen vor überhasteter Abkehr vom Turbo-Abitur

NRW: Experten warnen vor überhasteter Abkehr vom Turbo-Abitur
An einer Tafel stehen G8 und G9 - für das Gymnasium nach acht und das nach neun Jahren (Symbolfoto). FOTO: dpa/Armin Weigel
Düsseldorf. Der Streit um das Turbo-Abitur gärt seit Jahren. Jetzt steht fest: 2019/20 schwenkt NRW wieder um zu G9. Eine Elterninitiative will mit einer Petition Druck für einen schnelleren Wechsel machen. Auch die AfD will schon zum nächsten Schuljahr zurück zu G9. Doch Experten warnen davor.

Der Städtetag und die Lehrergewerkschaft GEW warnen vor einer überhasteten Rückkehr zu G9. Ein Wechsel zu G9 schon zum nächsten Schuljahr bringe neues Chaos in die Schulen, mahnte die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer in einer Stellungnahme an den Düsseldorfer Landtag. Dort wird der Schulausschuss am 8. November Experten zu der Frage anhören.

Anlass ist ein Antrag der AfD-Landtagsfraktion, schon zum nächsten Schuljahr zu G9 zurückzukehren. Auch die Elterninitiative "G9 jetzt in NRW" will mit einer Petition Druck für einen beschleunigten Wechsel machen.

GEW: "Rückgriff auf alte Lehrpläne und Schulbücher nicht sinnvoll"

Die Landesregierung plant die Abkehr vom "Turbo-Abi" nach nur acht Schuljahren hingegen erst zum Schuljahr 2019/20, beginnend mit den Jahrgängen 5 und 6. Aus Sicht des Städtetags ist das keinesfalls früher umzusetzen, da die kommunalen Schulträger ausreichend Zeit benötigten, um etwa die räumlichen Voraussetzungen zu schaffen.

Die Elterninitiative und die AfD sehen das anders. "Jede unnötige Verlängerung eines gescheiterten Schulversuchs verursacht bei den Betroffenen weitere Belastungen", heißt es im Antrag der AfD. Für einen schnelleren Umstieg seien bewährte Lehrpläne ebenso vorhanden wie erprobte Lehrbücher. Die GEW hält dagegen: "Ein Rückgriff auf alte Lehrpläne und Schulbücher ist nicht sinnvoll."

Die Rückkehr zu einer sechsjährigen Sekundarstufe I bedürfe einer guten inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung, unterstrich Schäfer. Schon in Klasse 6 mit der zweiten Fremdsprache zu beginnen, habe sich nicht bewährt. Viele Schüler seien daran gescheitert. Dies könne nun wieder korrigiert werden.

Gesetz soll bis zum Sommer 2018 beschlossen werden

Die Landesregierung will ihren Gesetzentwurf in Kürze vorlegen. Bis zum Sommer 2018 soll er vom Landtag beschlossen werden. Viele schulpraktische Fragen - etwa der Start des Fremdsprachenunterrichts oder auch die Stundentafeln - werden nicht im Gesetz, sondern in den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen geregelt. Zu den Einzelheiten hat sich Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bislang nicht festgelegt.

Der Städtetag pocht auf klare gesetzgeberische Leitentscheidungen, die die kommunalen Schulträger vor neuen Strukturdiskussionen bewahren. 2011 hatte sich die damalige rot-grüne Landesregierung mit der CDU-Opposition in einem "Schulkonsens" darauf geeinigt, bis 2023 keine neuen Schulformstreitigkeiten aufzuwerfen. Der Städtetag fordert die neue schwarz-gelbe Landesregierung nun auf, dies uneingeschränkt zu garantieren.

GEW wünscht sich mehr Mut zu Reformen

Außerdem will der Städtetag im Schulgesetz die Möglichkeit verankert wissen, dass Gymnasien sich auch erst später zum Umstieg auf G9 entschließen können und das Land das dann ebenso finanziert. Die Landesregierung will Gymnasien erlauben, bei G8 zu bleiben, hat sich bislang aber nicht zu Wechselmöglichkeiten geäußert. Mischmodelle an einzelnen Schulen soll es aber nicht geben.

Die GEW wünscht sich mehr Mut zu Reformen: "Gleichwertigkeit der Fächer und echte Wahlmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler", fordert Schäfer in ihrer Stellungnahme. "Gemeint ist nicht das Abitur mit den Leistungskursen Sport und Erdkunde", stellt Geschäftsführer Michael Schulte klar. Jetzt gebe es aber zu viele Bindungen, Kopplungen und eine unnötige Hierarchisierung der Fächer in der Oberstufe.

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(das/lnw)
 
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