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NRW-Minister droht mit neuer Haft
Und plötzlich ist Uli Hoeneß Thema im NRW-Wahlkampf

NRW-Landtagswahl 2017: Ulli Hoeneß im NRW-Wahlkampf
NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (Archivbild) FOTO: dpa, mjh mhe lof
Meinung | Düsseldorf. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty droht Uli Hoeneß indirekt mit Haft. Natürlich ist das reiner Wahlkampf. In der Sache sind die Äußerungen des SPD-Politikers allerdings nachvollziehbar. Von Reinhard Kowalewsky

Nun ist also auch Bayern-München-Präsident Ulli Hoeneß Teil des NRW-Wahlkampfes geworden. Er machte freche Sprüche über seine früheren Steuerstraftaten und eine angeblich zu hohe Strafe gegen sich ausgerechnet in Liechtenstein – und NRW-Justizminister Thomas Kutschaty droht ihm über ein Interview indirekt neue Haft an.

Was ist davon zu halten? Natürlich sind die die harten Worte des SPD-Mannes gegenüber Hoeneß ein reines Wahlkampfmanöver: Die Düsseldorfer Landesregierung fürchtet, den Urnengang am Sonntag zu verlieren. Also ist jedes Mittel recht, um von NRW-Problemen abzulenken und um indirekt auf Verdienste des Landes hinzuweisen.

Und dazu gehört eben unstrittig die harte Linie gegenüber Steuersündern inklusive des Kaufs der vielen Steuer-CDs. Und auch wegen dieser Steuer-CDs sah sich Hoeneß ja zu seiner hastig zusammengeschusterten und darum ungültigen Selbstanzeige gezwungen.

Kutschaty erinnert Hoeneß an dessen Bewährungsstrafe

In der Sache sind Kutschatys Äußerungen allerdings nachvollziehbar – aber nur, wenn man sie genau liest. Denn der Volljurist fordert ja nicht jenseits der Gewaltenteilung zwischen den Ländern sowie zwischen Politik und Justiz, Hoeneß wieder ins Gefängnis zu stecken. Tatsächlich erinnert Kutschaty den Präsident des FC-Bayern nur publikumswirksam an die Rechtslage: Hoeneß ist zur Bewährung aus der Haft entlassen worden.

Und das schon nach der Hälfte der Haft, also äußerst großzügig. Er muss nun bis 2019 noch beweisen, dass er wirklich geläutert ist. Wenn er sich zu unverschämt aufführt, können ihm nachträgliche Auflagen gemacht werden. Die Richter in Bayern werden sich das sicher überlegen – doch dafür brauchen die in Wahrheit keine Belehrungen aus NRW.

 
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