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Reaktion auf Pisa-Studie
NRW-Schulministerin ist für getrennte Jungen- und Mädchentische

Reaktion auf Pisa-Studie: NRW-Schulministerin ist für getrennte Jungen- und Mädchentische
FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Düsseldorf. Jungs und Mädchen an getrennten Schultischen? Damit gebe es gute Erfahrungen, sagt NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann, die neue Chefin der Kultusministerkonferenz - und begründet die Überlegungen mit der jüngsten Pisa-Studie. Von Eva Quadbeck und Frank Vollmer

Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hat sich für eine gelegentliche Trennung von Jungen und Mädchen im Unterricht ausgesprochen. Durch diese Maßnahme sollen die Kinder gezielter gefördert werden. "Es gibt gute Erfahrungen mit punktueller geschlechtshomogener Arbeit", sagte Löhrmann im Gespräch mit unserer Redaktion, "zum Beispiel in Tischgruppen oder stundenweise." Eine solche Lösung habe den Vorteil, fügte die Ministerin hinzu, dass dann "Mädchen für sich arbeiten oder an anderen Aufgaben als die Jungen". Das sei "sinnvolle, zeitgemäße Differenzierung". Koedukation, also den gemeinsamen Unterricht der Geschlechter, stelle sie aber nicht grundsätzlich infrage, betonte Löhrmann.

Die Schulministerin reagiert damit auf die jüngste Pisa-Studie. Dabei hatten die Bildungsforscher festgestellt, dass im Fach Mathematik in Deutschland die Jungen mit ihren Leistungen den Mädchen durchschnittlich so weit voraus sind, dass der Unterschied einem knappen halben Schuljahr entspricht. Der Vorsprung der Jungen hat sich gegenüber früheren Untersuchungen noch vergrößert. Mädchen hätten weniger Vertrauen in ihre mathematischen Fähigkeiten, erklärten die Forscher, seien weniger motiviert und weniger ausdauernd beim Lernen. Sie glaube aber nicht, dass Absolventinnen reiner Mädchenschulen grundsätzlich größeres Selbstvertrauen hätten, sagte Löhrmann: "Ich kenne zum Glück viele junge Frauen, die sich viel zutrauen. Die können nicht alle von Mädchenschulen kommen."

Spezielle Förderung auch für Jungs

Andererseits zeigen Studien immer wieder, dass Jungen im Schulalltag insgesamt benachteiligt sind. Sie haben zumeist schlechtere Noten als die Mädchen, besuchen häufiger die Hauptschule und erlangen etwas weniger häufig als Mädchen das Abitur.

Der gesellschaftliche Trend geht dahin, die speziellen Begabungen von Mädchen und Jungen getrennt zu fördern. Die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU) richtete in ihrem Ministerium nach Jahren reiner Mädchen- und Frauenförderung auch ein Jungenreferat ein. Der bisherige Girls Day, bei dem Mädchen motiviert werden sollen, in technische und naturwissenschaftliche Berufe zu gehen, wurde in Girls-and-Boys-Day umbenannt. Jungen sollen an diesem Tag Einblick in soziale Berufe nehmen können, die sie sehr viel seltener wählen als Mädchen.

Die NRW-Schulministerin Löhrmann ist seit Jahresbeginn auch Präsidentin der Konferenz der 16 deutschen Kultusminister. In dieser Funktion sehe sie ihre Aufgabe darin, zielgerichtet weiterzuführen, "was wir seit der ersten Pisa-Studie auf den Weg gebracht haben". Dies sei, "sozial gerechter und besser zu werden". Weil NRW in einem Bundesländervergleich in Mathematik und Naturwissenschaften schlecht abschnitt, will Löhrmann Experten einladen, um über Konsequenzen zu beraten. Darunter sollen auch Fachleute aus Ostdeutschland sein – diese Länder lagen vorn.

Quelle: RP
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