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Nordrhein-Westfalen
Viele Gymnasiasten haben keine Empfehlung für diese Schulform

NRW: Viele Gymnasiasten ohne Empfehlung für diese Schulform
Die Stichprobe unserer Redaktion enthält Daten von 46 Schulen in NRW. FOTO: dpa, dbo tmk mbk cul
Düsseldorf. Jeden vierten Fünftklässler an einem Gymnasium in NRW haben die Grundschulen zuvor als nicht oder nur eingeschränkt geeignet für diese Schulform eingestuft. Lehrer und Eltern sind besorgt. Von Frank Vollmer

Das Gymnasium bleibt unter den weiterführenden Schulen die beliebteste Schulform in NRW: Rund 41 Prozent aller Grundschulabgänger wurden hier angemeldet. Allerdings hat von den Fünftklässlern, die an diesem Mittwoch an den Gymnasien in Nordrhein-Westfalen beginnen, etwa jeder Vierte keine oder nur eine eingeschränkte Gymnasialempfehlung von der Grundschule bekommen. Das ergab eine Stichprobe unserer Redaktion unter den Gymnasien in der Region; ihr liegen Daten von 46 Schulen zugrunde.

An diesen Schulen haben nach Angaben der Schulleiter beziehungsweise der Kommunen insgesamt 76 Prozent der Fünftklässler eine Gymnasialempfehlung. 16 Prozent bekamen von ihrer Grundschule lediglich eine eingeschränkte Empfehlung fürs Gymnasium; acht Prozent haben gar keine Gymnasialempfehlung erhalten. An einzelnen Schulen haben mehr als 40 Prozent der Fünftklässler keine uneingeschränkte Empfehlung. Die höchsten Anteile weisen Schulen in ländlichen Kommunen auf.

Seit 2010 entscheiden wieder die Eltern

Insgesamt repräsentieren die 46 Schulen gut 5100 Fünftklässler in 27 Kommunen. Die Prozentwerte sind im Vergleich zu den vergangenen Jahren ungefähr konstant geblieben – 2015 hatten nach Angaben der Schulen 77 Prozent der Fünftklässler eine Gymnasialempfehlung; vor fünf Jahren waren es 78 Prozent.

Seit 2010 entscheiden in Nordrhein-Westfalen wieder die Eltern darüber, welche weiterführende Schule ihre Kinder besuchen sollen. Die rot-grüne Koalition hat damals die Verbindlichkeit der Grundschulgutachten abgeschafft.

Wie diese Zahlen einzuordnen sind, wird bei Schulleitern, Eltern und Politikern kontrovers diskutiert. Der Anteil der Schüler ohne oder nur mit eingeschränkter Empfehlung fürs Gymnasium entspreche "dem gesellschaftlich erkennbaren und durch die Politik geförderten Wunsch, dass möglichst jeder Schüler ein Abitur haben soll", sagte Ingrid Habrich, Leiterin des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasiums in Mönchengladbach und zugleich Vorsitzende der Rheinischen Direktorenvereinigung: "Das kann für die nicht geeigneten Kinder am Gymnasium zum Problem werden, weil sie trotz aller Förderung den Anforderungen nicht gewachsen sind."

Zweijährige Erprobungsstufe

"Es gibt Schulen, die mit einem solchen Anteil gut zurechtkommen", sagte Ulrich Czygan, Vorsitzender der Landeselternschaft der Gymnasien. "Das ist aber nur möglich, weil in den vergangenen Jahren das allgemeine Niveau am Gymnasium gesenkt worden ist." Czygan übte zugleich Selbstkritik: "Viele Eltern haben Maß und Ziel verloren, was die Erwartungen an ihre Kinder angeht. Deren Meinung ist dann: Es kann nicht jeder Abitur machen, aber mein Kind auf jeden Fall." Czygan warb für Verständnis, "dass Abitur und Studium nicht für alle Kinder das Optimum sind".

Schulministerin Sylvia Löhrmann betont, die Eltern stünden in der besonderen Verantwortung, eine "ehrliche" Entscheidung für ihr Kind zu treffen: "Deshalb ist es wichtig, dass sie sich eng mit den Schulen beraten", sagte die Grünen-Politikerin unserer Redaktion. Die meisten Eltern träfen auch eine sehr überlegte Entscheidung. Die zweijährige Erprobungsstufe ermögliche eine spätere Bestätigung oder Korrektur der Einschätzung der Eignung des Kindes. "Dies ist besser, als einen frühen Druck bereits auf Kinder und Lehrkräfte der Grundschulen auszuüben."

Quelle: RP
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