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NSU-Prozess
NRW-Verfassungsschutz gab Ermittlern Hinweise auf eigenen V-Mann

NSU-Prozess: Opfer der Keupstraße in Köln sagen aus
NSU-Prozess: Opfer der Keupstraße in Köln sagen aus FOTO: dpa, mum fdt
Düsseldorf. Könnte ein V-Mann des NRW-Verfassungsschutzes die NSU-Bombe in der Kölner Probsteigasse gelegt haben? Der Düsseldorfer NSU-Untersuchungsausschuss geht diesem Verdacht nach und hat die ehemalige Behördenchefin vernommen.

Nach Bekanntwerden der NSU-Terrorserie hat die damalige NRW-Verfassungsschutzchefin Mathilde Koller die Ermittler des Bundes auf einen V-Mann ihrer Behörde hingewiesen. Das bestätigte Koller (65) am Dienstag als Zeugin im NSU-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags. Behördenmitarbeiter hätten sie auf eine Ähnlichkeit des in der rechten Szene aktiven V-Manns mit einem Phantombild hingewiesen. Das Phantombild soll den Attentäter des Bombenanschlags in der Kölner Probsteigasse von 2001 zeigen.

Es hätten aber keine konkreten Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung des V-Manns vorgelegen. Dies habe sie dem Generalbundesanwalt mitgeteilt, sagte Koller. Der rechtsterroristische NSU hatte sich 2011 zu dem Anschlag in Köln bekannt. Dabei war eine junge Frau schwer verletzt worden.

Köln: Nagelbombenanschlag lässt Keupstraße nicht los FOTO: dpa, obe htf

Als sie von der Vergangenheit des V-Mannes erfahren habe, habe sie Konsequenzen gezogen und die Zusammenarbeit beendet, sagte Koller. Der V-Mann soll bereits 1985 wegen eines Sprengstoffdelikts verurteilt worden sein und eine Ausbildung zum Bau von Sprengfallen und zum Scharfschützen durchlaufen haben. Eine Sprengfalle war in der Kölner Probsteigasse verwendet worden. 

Der Informant soll zudem militanten Gruppen wie einer Wehrsportgruppe und der inzwischen verbotenen Kameradschaft Walter Spangenberg angehört haben. Sie habe den V-Mann bei ihrem Amtsantritt "vorgefunden", sagte Koller. Die Führungsleute des Informanten hätten ihr versichert, dass er kein Rechtsextremist sei, sondern nur die rechte Szene ausforsche. Koller ließ bei ihrer Vernehmung Zweifel an dieser Einschätzung erkennen. Der V-Mann sei dann "abgeschaltet" worden.

Beate Zschäpe und ihre Outfits vor Gericht FOTO: ap

Warum die Ähnlichkeit nicht bereits 2001 aufgefallen sei, könne sie nicht sagen, damals sei sie noch nicht in der Behörde gewesen.

Die Bundesanwaltschaft hatte mitgeteilt, es hätten sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Person, die dem Phantombild ähnlich sieht, "an dem Anschlag beteiligt gewesen sein könnte".

Allerdings hatten selbst die Überlebenden des Anschlags im Münchener NSU-Prozess erhebliche Zweifel daran geäußert, dass es sich bei dem Attentäter um Uwe Böhnhardt oder Uwe Mundlos gehandelt haben könnte, wovon die Bundesanwaltschaft ausgeht. Einer der Verteidiger Beate Zschäpes hatte deren Täterschaft sogar als "widerlegt" bezeichnet.

Bei dem Bombenanschlag in einem Lebensmittelladen war die damals 19-jährige Tochter der Ladenbesitzer 2001 schwer verletzt worden. Der Anschlag wird in der Bekenner-DVD des NSU genannt. Ein Mann hatte in dem Laden die Bombe Weihnachten 2000 in einer Christstollendose zurückgelassen. Wochen später war sie explodiert, als die Tochter einen Blick in die Dose wagte.

(lnw)
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