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Nyke Slawik kandidiert für den Landtag
"Es gibt Leute, die mich als Quoten-Transe der Grünen sehen"

Nyke Slawik kandidiert für den Landtag: "Es gibt Leute, die mich als Quoten-Transe der Grünen sehen"
Nyke Slawik will für die Grünen in den Landtag. FOTO: Grüne Jugend NRW
Duisburg/Düsseldorf. Nyke Slawik will für die Grünen in den Düsseldorfer Landtag einziehen. Im Interview erzählt die 23-Jährige, wofür sie als erste geoutete Transfrau im NRW-Parlament kämpfen will - und wie man sie im politischen Betrieb behandelt. Von Olivia Konieczny

Frau Slawik, Sie stehen auf Platz 29 der Grünen-Landesliste. Möglich also, dass Sie in den Landtag gewählt werden. Wofür wollen Sie sich dann stark machen?

Nyke Slawik Vor allem dafür, dass es mehr Aufklärung gibt. Und ich möchte den Menschen eine Stimme geben, die in Politik und Gesellschaft bislang kaum eine haben. Es gibt immer noch eine sehr große Stigmatisierung und Vorurteile gegenüber queeren Menschen. Das will ich ändern. Und die rechtliche Lage verbessern. Für Schwule, Lesben und Bisexuelle wurde viel erreicht, aber die rechtliche Gleichstellung von Trans ist auf der Strecke geblieben (Anm. d. Red.: Der Begriff "Trans" steht als inklusiver Überbegriff für Transsexuell, Transgender, Transidente usw.).

Vor welchen Problemen stehen Trans? 

Slawik Sie werden etwa am Arbeitsplatz diskriminiert oder haben Probleme in der Schule. An Schulen wird nur über Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit aufgeklärt, anstatt über alle Formen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt zu sprechen. Und die rechtliche Ungleichheit ist groß: Will jemand seinen Geschlechtseintrag wechseln, werden ihm Steine in den Weg gelegt. Das braucht zwei psychiatrische Gutachten. In der Zeit der Geschlechtsangleichung gibt es dann viele unangenehme Situationen im Alltag, weil man keine richtigen Papiere mehr hat.

Sie haben vor fünf Jahren Ihren Namen und Ihren Geschlechtseintrag ändern lassen, sind jetzt auch rechtlich eine Frau - und gehen sehr offensiv mit Ihrer geschlechtlichen Identität um...

Slawik Ich rede darüber, weil dieses Thema natürlich Aufmerksamkeit generiert. Offen rede ich aber erst seit zwei Jahren darüber. Nach den negativen Erfahrungen aus der Schulzeit, nachdem ich die Papierkriege mit der deutschen Bürokratie hinter mir hatte und zur Uni gewechselt war, wollte ich das Ganze eigentlich hinter mir lassen und neu anfangen. Man sieht mir, wie vielen anderen Trans-Menschen auch, ja nicht an, dass ich als Junge aufgewachsen bin. Viele sehen einfach nur eine junge Frau. Aber ich wollte nicht das Gefühl haben, mich verstecken zu müssen. Ich habe gedacht: Ich muss offen damit umgehen, denn ich will ein vollständiger Teil dieser Gesellschaft sein.

Was hat Sie dazu gebracht, in die Politik zu gehen?

Slawik Ich habe mich schon vorher in politischen und feministischen Kreisen bewegt, und gemerkt: Die Stigmatisierung und Diskriminierung von queeren Menschen spielt da kaum ein Rolle. Also habe ich mir gedacht: Du musst selber etwas tun, du kannst nicht warten, bis sich die Dinge von alleine erledigen. Und dann ist das irgendwie zum Selbstläufer geworden.

Viele Medien haben schon über Sie berichtet. Ist Ihre Transidentität Vor- oder Nachteil in der Politik?

Slawik Das ist ein zweischneidiges Schwert. Ich werde schon manchmal auf dieses Thema reduziert. Dabei beschäftigen mich andere Themen auch dringend, zum Beispiel der aktuelle Rechtsruck. Auf der anderen Seite ist es so wichtig, dass wir endlich in der Politik über geschlechtliche Gleichstellungsfragen und Anerkennung reden. Ich möchte wegkommen von der Debatte, in der man mit Sensationslust über Transgender redet. Weg von dieser Reality-TV-Perspektive.

Wie ergeht es Ihnen als junge queere Frau im politischen Betrieb?

Slawik Ich muss gegen eine gewisse Skepsis ankämpfen. Ich bin jung und eine Frau - das sind schon zwei Eigenschaften, die in der Politik einen Druck aufbauen, sich beweisen zu müssen. Dann kommt noch die Ebene der Transidentität dazu: Da gibt es schon Leute, die mich als "Quoten-Transe" bei den Grünen sehen. Die sagen, muss das sein, dass die jetzt auch noch so eine in den Wahlkampf schicken. 

Wie geht es weiter, wenn es am 14. Mai nicht mit einem Landtagsmandat klappt?

Slawik Dann schreibe ich im Sommer meine Bachelorarbeit und arbeite bis zur Bundestagswahl im September weiter als Wahlkampfmanagerin für die Duisburger Grünen. Und dann schreibe ich fleißig Bewerbungen.

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