| 16.12 Uhr
Reaktionen auf das TV-Duell Kraft gegen Röttgen
Schlaumeier auf Augenhöhe
Pressestimmen zum TV-Duell in NRW
Pressestimmen zum TV-Duell in NRW FOTO: dpa, Oliver Berg
Köln. Das TV-Duell zwischen Hannelore Kraft und Norbert Röttgen hat keinen klaren Sieger hervorgebracht. Beide Lager reklamierten anschließend für sich, den besseren Auftritt absolviert zu haben. In den Medien gehen die Urteile auseinander.

Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in NRW lieferten sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und CDU-Herausforderer Norbert Röttgen einen teils harten, aber fairen Schlagabtausch. In dem Fernsehduell stritten die beiden Spitzenkandidaten engagiert, aber ohne Polemik vor allem über Schuldenpolitik und Kinderbetreuung.

Zeitweise glitt die Auseinandersetzung allerdings ins Fachchinesische ab, die die Zuschauer außen vorließ. In einigen Presseberichten sorgte das für spöttische Kommentare, in denen die Kandidaten als "Schlaumeier" oder "Faktenschleudern" bezeichnet wurden. Vor allem der gelegentlich besserwisserisch anmutende Röttgen bekam in dieser Sache sein Fett weg.

Kraft hingegen sahen einige Kommentatoren in der Sach-Diskussion in der Defensive, zumal Röttgen sich als hartnäckiger, aber nicht aggressiver Herausforderer erwwiesen habe, wie etwa unsere Redaktion, sueddeutsche.de oder faz.net, die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hervorhoben. Im Stil und Auftreten hinterließ Kraft jedoch bei vielen den besseren Eindruck. "Klarer Sieger", befand Zeit.de. Einen Überblick der Pressestimmen finden Sie hier.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Analyse zweier Experten für Körpersprache für unsere Redaktion. Beide attestierten Kraft unabhängig voneinander, den mit Abstand besseren Auftritt hingelegt zu haben. Röttgen wirkte auf beide hingegen wie ein oftmals beleidigter Schuljunge.

Einen klaren Gesamtsieger will in den Medien freilich niemand auf den Schild heben. Das überließen die Medien lieber den politischen Lagern. Am Dienstag tat sich in dieser Hinsicht vor allem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hervor, der in einer Pressemitteilung nicht nur Röttgen zum "klaren Sieger" kürte, sondern auch Kraft scharf attackierte: Die habe sich  herablassend und arrogant gegeben und hinter Worthülsen versteckt. "Norbert Röttgen hat Krafts Planlosigkeit ruhig und souverän entlarvt", so Gröhe.

Mike Groschek, SPD-Generalsekretär in NRW, sah das wenig überraschend genau andersherum. Krafts Auftritt im WDR-Fernsehen wertete direkt im Anschluss an das Duell als kompetent, klar und überzeugend. Außerdem habe sie in allen Themenfeldern die besseren Argumente gehabt.

Kraft selbst äußerte sich in einem Video. "Ich glaube, wir haben's gut hingekriegt", sagte sie in dem 36-Sekunden-Spot. Man habe bestimmt gespürt, "wer dieses Land im Herzen trägt und dieses Land liebt", betrieb sie noch einmal Werbung in eigener Sache.

Politische Rituale, so zeigen die Statements der beiden Lager, wollen gepflegt werden.

Das Duell verfolgten nach WDR-Angaben am Montagabend etwa 740.000 Fernsehzuschauer. In der direkten Konfrontation zeigten Kraft und Röttgen auch Respekt voreinander. So habe man sich bei der gemeinsamen getragenen Reform des NRW-Schulsystems, "was Verhandlungen angeht und Inhalte angeht, auch schätzen gelernt", lobte Kraft ihren Herausforderer. Die SPD-Spitzenkandidatin, bisher Chefin einer rot-grünen Minderheitsregierung, schlug die Tür für eine große Koalition nicht zu.

Grünen-Landeschef Sven Lehmann twitterte nach der Debatte: "Wer mit zwei Stimmen SPD wählt, könnte die beiden in einer Koalition wiedersehen." Die Grünen werben gezielt um Zweitstimmen. In den jüngsten Meinungsumfragen haben sie mit der SPD zwar weiter eine Mehrheit, der Vorsprung ihrer Koalition vor den anderen Parteien ist aber geschmolzen.

Die FDP kritisierte, dass Kraft und Röttgen bei vielen Themen vage geblieben seien. "Es war kein schwungvoller Tanz in den Mai, sondern ein sehr langsamer Walzer, eher hölzern vorgetragen", sagte der Generalsekretär der NRW-FDP, Joachim Stamp.
Linken-Landeschef Hubertus Zdebel bemängelte, Kraft und Röttgen hätten "Zahlensalat fern von den Interessen der Menschen" geboten.

An diesem Mittwochabend überträgt der WDR die zweite Wahlkampfdebatte, an der dann auch die Spitzenkandidaten der Grünen, der FDP, der Linken und der Piraten teilnehmen.

Quelle: lnw
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