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Schulpolitik
Lehrer geben der Inklusion in NRW schlechte Noten

Schulpolitik: Lehrer geben der Inklusion in NRW schlechte Noten
FOTO: dpa, jg cul skm sab
Düsseldorf. Inklusion an den Schulen ist eine sinnvolle Sache. Aber so, wie sie in Nordrhein-Westfalen läuft, funktioniert sie nicht, finden viele Lehrer im Land. Und fordern deshalb den erhalt der Förderschulen.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts für den Lehrerverband VBE. Die Mehrheit ist demnach der Meinung, dass ein gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung richtig ist. Allerdings sei die Umsetzung der Inklusion in Nordrhein-Westfalen so mangelhaft, dass fast alle Pädagogen auch an Förderschulen festhalten wollen.

Damit die Inklusion gelingen könne, seien "massive Investitionen" beim Personal und der Ausstattung der Schulen erforderlich, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Montag bei der Vorstellung der Umfrage in Düsseldorf. Beckmann forderte die künftige Landesregierung auf, einen verlässlichen Plan für die Umsetzung der Inklusion vorzulegen. Sie könne nicht gelingen, wenn die Lehrkraft alleine, ohne Unterstützung von anderen Fachkräften, "in zu großen Klassen und zu kleinen Räumen, ohne Möglichkeit zur zeitweisen äußeren Differenzierung unterrichten muss".

Laut Umfrage halten 60 Prozent der Lehrer in NRW den gemeinsamen Unterricht grundsätzlich für sinnvoll. Das ist ein höherer Wert als für ganz Deutschland, wo laut Umfrage 54 der Lehrer die Inklusion befürworten. An Schulen in NRW, die bereits inklusiv unterrichten, sind es sogar 65 Prozent.

Unter den aktuellen Bedingungen sind aber 56 Prozent der Befragten in NRW für den Erhalt aller Förderschulen und 41 Prozent für ihren teilweisen Erhalt. Beckmann warf der Politik vor, sie habe "die Brücken zum alten System abgerissen". Das gehe zulasten von Lehrern, Kindern und Eltern. Die Ankündigung von CDU und FDP, keine weiteren Förderschulen zu schließen, sei "ein wichtiger Schritt, um mehr Ruhe ins System zu bekommen".

Ein großes Problem beim gemeinsamen Unterricht ist aus Sicht der Lehrer die fehlende Doppelbesetzung. Mehr als 89 Prozent der Befragten hätten eine konstante Doppelbesetzung mit Fachlehrer und Sonderpädagoge gefordert, sagte Beckmann. "Die stundenweise Unterstützung muss ein Auslaufmodell werden." Dazu würden 7000 zusätzliche Sonderpädagogen benötigt. Da die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen nicht ausreichten, sollten Lehrer über Zusatzqualifikationen für diese Aufgabe gewonnen werden. Beckmann verwies dabei auf die im Vergleich zu Fachlehrern höhere Bezahlung von Sonderpädagogen.

(oko/lnw)
 
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