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Sexuelle Übergriffe in Flüchtlingsheimen
NRW reagiert mit "Gewaltschutzstrategie"

Sexuelle Übergriffe in Flüchtlingsheimen: NRW reagiert mit "Gewaltschutzstrategie"
In diesem Jahr wurden nach Informationen der Landesregierung bereits 18 sexuell motivierte Gewaltdelikte in elf landeseigenen Erstaufnahme-Einrichtungen für Asylsuchende registriert. FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Düsseldorf. Nach mehreren Fällen sexueller Gewalt in nordrhein-westfälischen Flüchtlingsunterkünften will die Landesregierung ein spezielles Gewaltschutzkonzept für Frauen und Kinder erarbeiten.

Dies kündigte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Dienstag auf eine Kleine Anfrage der FDP-Opposition im Düsseldorfer Landtag an. Die Landesregierung wolle Menschen, die Schutz suchten, auch Schutz gewähren und Gewalt jeglicher Art von ihnen fernhalten, versicherte Jäger. Deshalb werde gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium eine "Gewaltschutzstrategie" erarbeitet.

Laut Innenministerium wurden in diesem Jahr bereits 18 sexuell motivierte Gewaltdelikte in elf landeseigenen Erstaufnahme-Einrichtungen für Asylsuchende registriert. Die Sexualdelikte richteten sich gegen sieben Frauen und zehn Kinder, darunter ein fünfjähriges Mädchen. Jäger wies darauf hin, dass der Regierung sexuelle Übergriffe in Einrichtungen für Asylsuchende derzeit nur in Teilen bekannt seien. Dem Ministerium lägen aus den landesweit mehr als 2.000 Flüchtlingsunterkünften in kommunaler Regie "keine automatisiert recherchierbaren Daten" vor.

In den Verträgen mit den Einrichtungsbetreibern sei festgelegt, dass größtmögliche Rücksicht auf die familiäre Situation der Asylsuchenden wie auch auf die räumliche Trennung Alleinreisender zu nehmen sei, betonte Jäger. "Gleichwohl ist zu bedenken, dass in der hochdynamischen Situation und sehr kritischen Unterbringungssituation die Vorgaben nicht immer optimal umgesetzt werden können", so der Minister.

Die FDP-Landtagsabgeordnete Ingola Schmitz, hatte in einer parlamentarischen Anfrage an die Landesregierung Aufklärung verlangt, was nach sexuellen Gewaltdelikten mit Tätern und Opfern in Flüchtlingsunterkünften geschehe. Die Zahl der Übergriffe nehme zu.

Alleinstehende Frauen trauten sich in den Einrichtungen nicht mehr zu duschen oder nachts zur Toilette zu gehen, berichtete die Politikerin. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten und nicht geschlechtergetrennte sanitäre Einrichtungen in Zelten und Großunterkünften vergrößere die Schutzlosigkeit von Frauen, Mädchen und Homosexuellen.

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(gol/KNA)
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