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NRW-Schulministerin Löhrmann
Gymnasien sollen gleichzeitig G8 und G9 anbieten

Sylvia Löhrmann: "Gymnasien in NRW sollen G8- und G9-Option anbieten"
FOTO: dpa, awe mov lof
Düsseldorf. Geht es nach dem Willen von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sollen Angebote zum Abitur sowohl nach acht als auch nach neun Jahren gleich nach der Landtagswahl im Mai vorbereitet werden. Beide Optionen sollen an einer Schule möglich sein.

Viele Fragezeichen hat in den vergangenen Wochen der Vorstoß der Schulministerin und Grünen-Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann für "individuelle Lernzeiten" hinterlassen. "Eine Wünsch-dir-was-Schule", mutmaßte Oppositionsführer Armin Laschet (CDU). Am Montag legte Löhrmann ein Konzept und einen Zeitplan nach und erläuterte: "Nicht jedes Kind macht, was es will, aber jedes Kind kann seine Lernzeiten individueller gestalten."

Klar ist allerdings auch: Keine Partei wird ihr Konzept nach der Wahl am 14. Mai allein umsetzen können. Alle Wählerumfragen deuten für die nächste Legislaturperiode auf einen Sechs-Parteien-Landtag hin und schwierige Mehrheitsverhältnisse jenseits üblicher Wunsch-Bündnisse.

Der gemeinsame Nenner aller Parteien - mit Ausnahme der Piraten, die ausschließlich für neun Jahre Gymnasium (G9) stehen: Alle wollen neben dem kurzen G8 mehr längere Wege zum G9-Abitur anbieten. Anders als CDU und FDP will Löhrmann aber nicht die Schulen zwischen G8 und G9 entscheiden lassen. Stattdessen soll jedes Gymnasium beides anbieten.

"Jagt uns nicht in einen Wettbewerb"

Die große Konferenz aller wesentlichen Schulakteure habe im vergangenen Monat drei zentrale Botschaften gesetzt, begründete Löhrmann ihren Vorschlag: "Jagt uns nicht in einen Wettbewerb zwischen Gymnasien, die schneller oder langsamer zum Abitur führen. Setzt einen landesgesetzlichen Rahmen für alle Gymnasien und begleitet den Prozess!" Dies müsse anders laufen als bei der überhasteten Einführung der Schulzeitverkürzung.

Deshalb sieht Löhrmanns Zeitplan schon ab dem kommenden Schuljahr eine Fortbildungsoffensive für Lehrer vor. Die Schulkonferenzen sollen dann entscheiden, ob sie mit individuellen Lernzeiten schon zum Schuljahr 2018/19 beginnen. Ein Jahr später sollen individuelle Lernzeiten in den Klassen 7 bis 10 für alle Pflicht sein.

Löhrmann lässt den Schulen die Wahl

Löhrmanns Modell will die Gymnasien zwischen zwei Wegen wählen lassen. Die schulorganisatorisch einfachere Variante sieht vor, dass nach der Erprobungsstufe ab Klasse 7 getrennte Zweige in drei oder in vier Jahren in die Oberstufe führen. Hier soll die individuelle Lernzeit in zwei Richtungen wirken: Wer schneller begreift, kann anspruchsvolleren Unterricht bekommen und die eigentlich in Klasse 10 vorgesehene zentrale Prüfung schon nach der 9. Klasse ablegen. Wer das schafft, springt direkt von Klasse 9 in die 11. Nach Klasse 10 soll jeder Schüler auch am Gymnasium den mittleren Bildungsabschluss in der Tasche haben.

Wer mehr Zeit braucht, kann zusätzliche Förderangebote nutzen oder etwa stundenweise in niedrigeren Jahrgangsstufen einzelne Defizite aufarbeiten und sich sechs Jahre Zeit lassen bis zur Oberstufe. Kleinere, höchstens dreizügige Gymnasien müssten diese Variante erproben, da sie nicht genügend Schüler für zwei getrennte Züge hätten. Laut amtlicher Statistik hatte im vergangenen Schuljahr jedes dritte der 625 Gymnasien in NRW höchstens drei Parallelklassen im 5. Jahrgang.

Löhrmanns Philosophie: "Die Kinder müssen nicht in ein Raster passen. Die Schule muss sich am Kind orientieren - nicht umgekehrt." Deshalb will sie auch die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen wieder erhöhen. Ab dem Schuljahr 2018/19 soll die zweite Fremdsprache an allen weiterführenden Schulen wieder erst mit der 7. statt der 6. Klasse beginnen. Außerdem soll die gymnasiale Oberstufe, genau wie an Gesamtschulen und Berufskollegs, dreijährig bleiben.

Die Schulexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer, ist überzeugt, dass Schulen mit individueller Lernzeit weniger Schüler verlieren. "Wenn man sich mehr zutraut und die Erfahrung macht: Ich kann es schaffen, ist das viel ermutigender." Der Lehrerverband Bildung und Erziehung mahnte jedoch: "Weitere Individualisierung - so begrüßenswert sie ist - ist nicht ohne zusätzliche Ressourcen machbar."

(felt/lnw)
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