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Industrie plant Probebohrungen
Test für Fracking bei Mettmann geplant

Test für Fracking bei Mettmann geplant
FOTO: dpa, Jim Lo Scalzo
Düsseldorf. Die BASF-Tochter Wintershall prüft Kernbohrungen im Kreis Mettmann. Damit will der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent das Potenzial für Fracking-Projekte ausloten. Von Thomas Reisener

Die Industrie will die neue Fracking-Debatte nutzen. Die BASF-Tochter Wintershall will in NRW maximal fünf Kernbohrungen durchführen, um in Tiefen bis zu 300 Metern neue Gesteinsproben zu gewinnen. Damit können Geologen ermitteln, ob sich eine Erdgasförderung mit der umstrittenen Fracking-Tiefbohrung lohnt.

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in den Boden gepresst. So kann Schiefergestein in mehreren Tausend Metern Tiefe aufgespalten und darin enthaltenes Erdgas gefördert werden. Gegner sehen darin ein unvertretbares Risiko für das Trinkwasser.

"Unsere Experten planen derzeit, an welchen Orten die Gesteinsuntersuchungen erfolgen können. Dabei konzentriert sich die Bewertung auf die Konzession ,Ruhr', insbesondere den Kreis Mettmann, den Hochsauerlandkreis sowie den Märkischen Kreis", erklärte Wintershall auf Anfrage. 

Noch gilt das rot-grüne Moraturium

Der Leiter der deutschen Aktivitäten, Joachim Pünnel, versprach: "Unsere Aktivitäten sind dabei beschränkt auf geologische Erkundungen zur Bewertung des Potenzials." Tiefbohrungen jenseits von 300 Metern und Fracking fänden dabei nicht statt.

In NRW hat die rot-grüne Landesregierung Ende 2011 ein Moratorium für sämtliche Fracking-Aktivitäten erlassen. Sie werden nicht genehmigt, bis die Industrie Gefahren für das Trinkwasser ausschließen kann. "Das gilt auch für Kernbohrungen zur Gewinnung von Gesteinsproben", stellte das NRW-Wirtschaftsministerium klar.

Trotzdem sind die Wintershall-Pläne nicht aussichtslos. Denn die starre ablehnende Haltung der Landesregierung gerät unter Druck – Politiker von CDU und SPD fordern inzwischen eine Pilotanlage, bei der Chancen und Risiken der Technik unter wissenschaftlicher Beobachtung aufgeklärt werden. EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) sagt, dass modernes Fracking mit weniger giftigen Chemikalien auskommt.

"Dringend offenhalten"

Am Wochenende betonte der ehemalige Spitzenkandidat der NRW-CDU und heutige Chef des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, gegenüber der "Welt" die Fracking-Erfolge der USA. Die Amerikaner setzen Fracking massenhaft ein und haben ihre Energiepreise damit auf ein Drittel des deutschen Niveaus gedrückt. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer (CSU), sagte, wenn die Bundeskanzlerin angesichts der Krim-Krise und der Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas jetzt auf Einfuhren aus Nordamerika setze, sei das "ein klares Ja zur Schiefergasförderung". Deutschland müsse sich "die Fracking-Option dringend offenhalten".

Frühere Pläne für Probebohrungen in NRW musste Wintershall wegen des Moratoriums des Landes unterbrechen. Vor dem Hintergrund der neuen Fracking-Debatte sieht die BASF-Tochter jetzt bessere Chancen. Einen Teilerfolg hat das Unternehmen schon erzielt: Interessenten aus dem In- und Ausland haben in NRW 22 Claims unter sich aufgeteilt, in denen sie mögliche Fracking-Vorhaben erkunden dürfen. Wintershall besitzt die Konzessionen "Rheinland" und "Ruhr". Die Bergbehörde in Arnsberg hat diese beiden Konzessionen um drei Jahre verlängert.

(pst)
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