| 19.31 Uhr

Sieg in der Stichwahl
Wie Essen mit Thomas Kufen den Wechsel wählte

Wahlsieg in Essen für Thomas Kufen
Wahlsieg in Essen für Thomas Kufen FOTO: dpa, rwe fpt
Essen . Am Ende war das Ergebnis "brutal deutlich": In Essen hat die CDU einen weiteren prestigeträchtigen OB-Posten erobert. Thomas Kufen löst dort Amtsinhaber Reinhard Paß (SPD) ab, der die Stadt seit 2009 regiert hatte.  Von Thomas Reisener

Der Wechsel kam wenig überraschend, nachdem Kufen beim ersten Wahlgang schon rund zehn Prozent vor Paß gelegen hatte. Am Sonntag holte der gelernte Bankkaufmann Kufen 62,6 Prozent, der studierte Chemiker Paß kam auf lediglich 37,4 Prozent. Nicht einmal jeder Dritte der 457.000 Wahlberechtigten in Essen hatte seine Stimme abgegeben.

Aber auch dieses ausgeprägte Desinteresse der Essener an der Stichwahl war zu erwarten. CDU und SPD regieren im Essener Rathaus mit einer großen Koalition, entsprechend ähnlich ist ihre Politik. Was sich im Wahlkampf auch auf den weitgehend inhaltsleeren Wahlplakaten niedergeschlagen hatte. Paß lies mit dem Slogan "Für die Zukunft unserer Stadt" plakatieren, Kufen mit "Für Sie. Für Dich. Für Essen." Man hätte es sich genauso gut auch umgekehrt vorstellen können.

"So sehen Sieger aus" als T-Shirt-Aufdruck

Im Fraktionssaal der CDU ist es dunkel. Die Jalousien sind heruntergelassen, weil man wegen der Abendsonne sonst die Leinwand nicht sieht. Dort sollen gleich die Zwischenergebnisse eingeblendet werden. Trotz der stickigen Luft ist die Stimmung bei der CDU schon um 17.30 Uhr gut. Knapp 200 Mandatsträger und Wahlhelfer trinken Bier und Cola. Thomas Hertel zeigt ein orangefarbenes T-Shirt herum. "So sehen Sieger aus", steht da drauf. "Habe ich sechzig von machen lassen", sagt der Vorstand des CDU-Ortsverbandes Kupferdreh.

Gegenüber, im Fraktionssaal der SPD, ist die Luft besser und der Raum heller, aber die Stimmung gedämpft. Thomas Osterholt, SPD-Ratsherr seit 2009, rutscht um 18.14 Uhr sein erstes und letztes echtes Essener "Jawoll" an diesem Abend heraus: Auf der Leinwand eine schwarze und eine rote Säule, beide gleich groß, die ersten Stimmbezirke sind ausgewählt. "Gleichstand", sagt Osterholt. Aber schon 30 Sekunden später bleibt die rote Säule bei 46,7 Prozent, die schwarze klettert weiter. Osterholt: "Jetzt nicht mehr."

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Um 18.35 Uhr ist die Hälfte der 431 Stimmbezirke ausgezählt. Die rote Paß-Säule ist auf 41 Prozent gesunken, die schwarze Kufen-Säule auf 59 Prozent gestiegen. Die Wahl ist gelaufen. Um 18.45 Uhr betritt Thomas Kufen den CDU-Fraktionsaal. Jetzt hat er schon 62 Prozent. "Brutal deutlich", sagt ein Kommentator vom Lokalradio in sein Mikrofon. Jubel brandet auf.

Bevor Kufen zu seinen Parteifreunden sprechen kann, ergreift der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer das Wort. Er spricht von einem "dramatischen Wahlabend", sagt aber nicht, warum. Kufen bedauert die schlechte Wahlbeteiligung und verspricht: "Ich will der OB für alle Essener sein. Egal, ob sie mich, jemand anderen oder gar nicht gewählt haben." (Lesen Sie hier: Vier Fragen unserer Redaktion an Wahlsieger Thomas Kufen)

Halboffiziell war Kufen im Wahlkampf von den Grünen unterstützt worden. Paß hatte es sich mit den Grünen verscherzt, seit er 2009 ein rot-grünes Bündnis aktiv verhindert hatte.

Der letzte CDU-OB in Essen war Wolfgang Reiniger, er regierte bis 2009. Bis in die 1980-er Jahre war Essen noch eine traditionelle SPD-Hochburg - dann wurde der damalige SPD-Patriarch und -Fraktionschef Willi Nowack wegen eines Wirtschaftsskandals zu einer Haftstrafe verurteilt. Davon hat sich die Essener SPD bis heute nicht erholt. 

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