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Neuer Vorstoß von Migrantenverbänden
Türkisch-Unterricht an allen Gymnasien?

Düsseldorf. Migrantenverbände in Nordrhein-Westfalen haben sich für eine Stärkung des Schulfachs Türkisch ausgesprochen. "Wir wünschen uns sehr, dass es an jedem Gymnasium möglich ist, Türkisch zu wählen", sagte Siamak Pourbahri, Referent des Landesintegrationsrats. Von F. Vollmer und G. Voogt

Die Organisation vertritt die kommunalen Integrationsräte in Nordrhein-Westfalen. An erster Stelle helfe Türkisch-Unterricht den Kindern aus türkischstämmigen Familien, sagte Pourbahri: "Nicht zuletzt würden wir damit auch die Grundlage schaffen, dass diese Kinder besser Deutsch lernen." Darüber hinaus ermögliche ein gestärkter Türkisch-Unterricht ein "besseres gegenseitiges Verständnis", so Pourbahri.

Auch die Türkische Gemeinde NRW sprach sich für mehr Türkisch-Unterricht aus. "Es sollte zumindest überall in den Großstädten eine Wahlmöglichkeit bestehen", sagte deren Vorsitzender Deniz Güner. Er sieht vor allem wirtschaftliche Gründe: "Gute Türkisch-Kenntnisse befähigen die jungen Leute, sich auf dem Arbeitsmarkt besser zu positionieren." Mehr Türkisch-Unterricht würde nach Güners Ansicht vor allem Migrantenkindern nützen. Sein Fazit: NRW sei gut beraten, "wenn es mehr Türkisch als Französisch anbietet".

Anlass für den Vorstoß ist ein Plan des grün-rot regierten Baden-Württemberg. Vom Schuljahr 2015/2016 an soll es in Mannheim und Stuttgart einen Schulversuch geben. Das Bundesland im Südwesten ist nach NRW das Flächenland mit dem größten Einwandereranteil, dort leben 400.000 türkischstämmige Bürger. Der Anteil türkischstämmiger Gymnasiasten liegt in Baden-Württemberg derzeit nur bei zwölf Prozent.

In Nordrhein-Westfalen leben 4,3 Millionen Bürger mit Migrationshintergrund. Anders als in Baden-Württemberg hat die Landesregierung in NRW bislang nicht verbindlich geregelt, wann welche Sprache am Gymnasium angeboten werden muss; die Ausbildungsordnung sieht verbindlich lediglich Englisch ab der fünften und weitere Fremdsprachen in der sechsten und der achten Klasse vor. Über das genaue Angebot entscheiden die Schulen dann selbst. "Damit ist bei uns Türkisch als zweite oder dritte Fremdsprache schon jetzt möglich", sagte ein Sprecher von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Man mache den Schulen bewusst keine Vorgaben aus Düsseldorf: "Das Angebot richtet sich nach dem Bedarf vor Ort."

Auch Serap Güler, integrationspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, begrüßt den Vorstoß von Baden-Württemberg: "Ich halte es grundsätzlich für richtig, dass Gymnasien mit dem Schulfach Türkisch als weitere Wahlmöglichkeit neben den bestehenden Fremdsprachen die Bandbreite ihres neusprachlichen Profils erweitern", sagte die Unions-Politikerin. Dies sei ein positives Signal für mehr Wertschätzung. Die Türkei sei ein wichtiger Handelspartner von NRW und Deutschland. "Wer die türkische Sprache beherrscht, hat dadurch zusätzliche Perspektiven", betonte Güler. Bereits im Jahr 2009 habe die damalige CDU-geführte Landesregierung es in einem Regelerlass ermöglicht, Türkisch als zweite Fremdsprache an Hauptschulen zu belegen. "Dies war ein erster und wichtiger Schritt in die richtige Richtung", erklärte die Unionspolitikerin.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Landtag, Sigrid Beer, betonte, Mehrsprachigkeit sei "ein Schatz". Der Türkischunterricht helfe, Potenziale zu entwickeln. Mehr als 1300 Schülerinnen und Schüler lernen in NRW bereits Türkisch am Gymnasium.

Quelle: RP
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