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"Turbo-Abitur" in NRW
Frust vor der letzten Sitzung des runden Tischs

Turbo-Abitur in NRW: Frust vor der letzten Sitzung
G 8 oder G 9? Das ist hier die Frage. FOTO: dpa, awe mov lof
Düsseldorf. Am Dienstag diskutiert noch einmal eine große Runde über das "Turbo-Abitur" in NRW. Lehrer und Eltern sind verärgert über die Politik. Die CDU bleibt dem Treffen fern. Ihr Argument: Man vermisse eine klare Position der Landesregierung. Von Frank Vollmer

Eine gewisse Hartnäckigkeit kann man Sylvia Löhrmann nicht absprechen. Dienstagnachmittag kommt der runde Tisch zum achtjährigen Gymnasium (G8) zu seiner wohl letzten Sitzung zusammen. Und obwohl es kaum noch etwas zu beraten gibt, lobt die grüne nordrhein-westfälische Schulministerin das Gremium weiterhin in den höchsten Tönen. "Der runde Tisch hat sich bewährt", sagte Löhrmann vor wenigen Tagen; er sei "als Konferenz und Thinktank" wichtig. Am runden Tisch sei "immer sachorientiert und konstruktiv um den besten Weg gerungen worden".

Dabei war es auch Löhrmann, die den Beratungen am runden Tisch, wo mehrere Dutzend Vertreter von Parteien, Eltern, Lehrern, Schülern, Kirchen, Unternehmen und weitere Experten zusammensitzen, den Boden entzogen hat. Vier der fünf im Landtag vertretenen Parteien haben mittlerweile ihre Konzepte für G8 – beziehungsweise die Zeit nach G8 – vorgelegt; nur die CDU ringt noch mit sich, ob sie den Schulen Wahlfreiheit gewähren oder doch die Rolle rückwärts zum neunjährigen Gymnasium (G9) beschließen soll. Das hat den runden Tisch als Beratungsgremium de facto arbeitslos gemacht, denn ein Konsens ist nicht mehr möglich. Die Standpunkte sind weitgehend klar, jetzt geht's in den Landtagswahlkampf.

CDU kommt nicht zum Treffen

Die CDU-Landtagsfraktion sagte auch ihre Teilnahme am Runden Tisch ab. Sie vermisse eine klare Position der Ministerin und der rot-grünen Landesregierung zum Abitur nach acht beziehungsweise neun Jahren, kritisierte der CDU-Abgeordnete Klaus Kaiser in einer Mitteilung.

2014 hatte man sich noch mit großer Mehrheit darauf einigen können, Entlastungen bei G8 zum empfehlen, die mittlerweile auch auf den Weg gebracht sind. Am Dienstag dürfte es nicht einmal mehr zu einer Schlusserklärung reichen. "Dagegen würde sich jeder wehren", sagt Peter Silbernagel, Landeschef des Philologenverbands, der die Gymnasiallehrer vertritt. "Ich verspreche mir von dem Treffen nichts", sagt Silbernagel, "höchstens eine Befremdensbekundung über das Vorgehen der Parteien. Die Politik hat die Aufgabe des runden Tischs ja entgegen der Absprache einfach selbst übernommen." Zu klären sei noch, ob die wissenschaftliche Begleitung der G 8-Reformen weitergeführt werden solle. Vorbereitungen für diese Evaluation sind bereits angelaufen. "Ist das jetzt alles obsolet?", fragt Silbernagel.

Genervt, allerdings aus anderen Gründen, ist auch Ulrich Czygan. Er hat sich mit der von ihm geleiteten Landeselternschaft der Gymnasien im Frühjahr von G 8 ab- und G 9 zugewandt, was die Positionierung der Parteien beschleunigt hat. "Der Elternwille spricht eine klare Sprache", sagt Czygan, "nämlich zurück zu G 9. Das, was bisher an Entwürfen vorliegt, ist aber weltfremd." Besonders kritisiert er die Vorschläge von SPD und Grünen, die den Schülern im G 8-System über Zusatzjahre ein G 9-Abitur ermöglichen sollen. "Unser Schulsystem muss verlässlich sein", sagt Czygan: "Das wäre es mit diesen Konzepten nicht mehr. Das werden wir der Ministerin auch sehr deutlich sagen.

"Für die G 9-Elterninitiativen sind solche komplizierten Kompromissvorschläge ohnehin "Mogelpackungen", weil sie glauben, dass jede andere Lösung als eine komplette Rückkehr zu G 9 den Kindern die Kindheit stiehlt. Sie verarbeiten ihren Frust schon vor der Tagung – mit einer "Mahnwache" vor dem Schulministerium. Deren Motto haben sie bei Michael Ende entliehen: "Momo und die Zeitdiebe".

(fvo)
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