| 12.07 Uhr

Innenminister zu Übergriffen in Köln
"Die Beamten haben in der Silvesternacht keine Fehler gemacht"

Übergriffe an Silvester in Köln: Ralf Jäger mit neuen Zahlen
Innenminister Jäger im Landtag: "Beamte haben in der Nacht keine Fehler gemacht" FOTO: dpa, ve htf
Köln/Düsseldorf. NRW-Innenminister Ralf Jäger hat im Innenausschuss des NRW-Landtags über den Stand der Ermittlungen zu den Übergriffen der Silvesternacht informiert. Dabei nahm er die beteiligten Polizisten in Schutz: Die Beamten hätten nichts falsch gemacht.  Von Thomas Reisener und Dana Schülbe

Wie der SPD-Politiker im Innenausschuss sagte, seien von den Übergriffen in der Silvesternacht neben Köln auch die Städte Düsseldorf, Bielefeld und Dortmund betroffen. "Es geht um ein neues Phänomen, dass es in dieser Form in Deutschland noch nicht gab", sagte Jäger.

Nach dem Bericht des Innenministeriums, das sich auf Zahlen der Polizeipräsidien der vier Städte bezieht, sind im Zusammenhang mit der Silvesternacht bislang insgesamt 982 Strafanzeigen eingegangen: 821 in Köln (davon beziehen sich 359 auf Sexualdelikte), 113 in Düsseldorf (69 bezogen auf Sexualdelikte), 28 in Dortmund (4 bezogen auf Sexualdelikte) und 20 in Bielefeld (5 bezogen auf Sexualdelikte).

Inzwischen gebe es im Fall Köln 30 Tatverdächtige, darunter sind laut Jäger 25 Marokkaner und Algerier. Die anderen Verdächtigen stammen aus Albanien, Afghanistan, Tunesien, Libyen und dem Iran. 15 der Verdächtigen seien Asylbewerber.

Der Minister erklärte zudem, dass es eine heterogene Motivlage der Täter gebe: Die einen hätten nur Eigentumsdelikte begehen wollen, die anderen sexuelle Übergriffe. Von den 30 Verdächtigen in Köln wird nur sechs vorgeworfen, ein sexuelles Delikt begangen zu haben. Taschendiebstahl, Hehlerei und Raub sind die häufigeren Vorwürfe. 

Auch in den anderen Städten gibt es Tatverdächtige: In Düsseldorf sind es neun (vier aus Marokko, zwei aus Bangladesch, ein Algerier, ein Afghane, ein Deutscher), in Bielefeld vier (3 Marokkaner, 1 Algerier) und in Dortmund ebenfalls neun (2 Iraker, 1 Algerier, 2 Marokkaner, 2 Syrer und 2 Deutsche).

Jäger äußerte sich auch zu Kritik an ihm und der Polizei. "Es steht der Vorwurf im Raum, ich hätte die Öffentlichkeit am 1. Januar nicht ausreichend informiert", sagte er und nannte dies eine Gratwanderung. Die Dynamik in Bezug auf die steigende Zahl der Anzeigen zeige, dass das Ausmaß der Übergriffe am 1. und 2. Januar nicht erkennbar gewesen sei.

"Die Beamten haben in der Nacht keine Fehler gemacht, sie haben alles gegeben, aber sie waren letztlich zu wenig und konnten gegen die unkontrollierbare Lage nichts ausrichten", sagte Jäger. Und fügte dann auch in Bezug auf sein Ressort hinzu: "Dieses Innenministerium hat nichts zu verbergen. Alles muss auf den Tisch."

Der FDP-Abgeordnete Marc Lürbke äußerte dagegen Zweifel, ob die Öffentlichkeit den Behörden noch vertraue, wenn sich etwa Bürgerwehren organisierten oder Rockergangs Ordnung versprächen. "Bislang haben Sie alle Verantwortung für die Silversternacht auf die Polizei geschoben", griff er Jäger an. "Heute nehmen Sie die Polizei in Schutz."

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