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Unterrichtsausfall
Große Zweifel an der Schulstatistik

Unterrichtsausfall: Große Zweifel an der Schulstatistik
Wieviel Unterricht fällt in NRW wirklich aus? FOTO: dpa, Julian Stratenschulte
Düsseldorf. Elternvertreter halten die Zahl von 1,7 Prozent Unterrichtsausfall für viel zu niedrig. Eine landesweite Erfassung der Daten gibt es nicht, obwohl dafür spezielle Computerprogramme angeboten werden. Von Detlev Hüwel

Die Aussage von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), dass in diesem Schuljahr landesweit 1,7 Prozent des Unterrichts ausfalle, wird von verschiedner Seite angezweifelt. Die Vorsitzende des NRW-Elternvereins, Regine Schwarzhoff, nannte die Angabe "lächerlich". In Wirklichkeit sei der Ausfall von Fachunterricht geradezu dramatisch, sagte sie unserer Zeitung und äußerte die Vermutung, dass das Land die wahren Zahlen "verschleiern" wolle.

Wie berichtet, hatte Löhrmann 770 (von 5800) öffentliche Schulen aufgefordert, rückwirkend für den Zeitraum vom 15. bis zum 26. September 2014 den ausgefallenen Unterricht zu dokumentieren. Das sogenannte Eigenverantwortliche Arbeiten (EVA), bei dem die Schüler in der Klasse zu lösende Aufgaben erhalten, zählt nicht dazu. Laut Löhrmann würden insgesamt rund 1,8 Millionen Stunden nicht erteilt. Das bedeute, dass alle zwei Wochen eine Stunde ausfalle.

Die NRW-Elternkonferenz hatte diese auf einer Stichprobe basierenden Zahlen umgehend als viel zu niedrig bezeichnet. Ralf Leisner, Vorsitzender der Landeselternschaft Gymnasien, sagte: "Die Eltern gehen auf die Palme, wenn sie hören, dass EVA als Unterricht gilt."

Die offiziellen Zahlen stünden in keinem Verhältnis zu den massiven Beschwerden von Eltern und Lehrern, sagt auch die bildungspolitische Sprecherin der FDP, Yvonne Gebauer. Sie warf der Regierung Augenwischerei vor. Es sei ein Armutszeugnis, dass Löhrmann "nicht willens oder in der Lage ist, eine Software zu entwickeln, die eine schulscharfe Erfassung des Unterrichtsausfalls ermöglicht". Petra Vogt (CDU) forderte Löhrmann ebenfalls auf, den Schulen eine zeitgemäße Software zur Verfügung zu stellen.

Ein solches PC-Programm wird beispielsweise in Hamburg eingesetzt. Nach Angaben des Schulsenats sind inzwischen alle 320 öffentlichen Schulen mit der Software "Untis" ausgestattet. Es sei jederzeit auf Knopfdruck möglich, den aktuellen Stand des Unterrichtsausfalls schul- und fächerscharf abzurufen. Allerdings habe es zwei Jahre gedauert, bis alle Schulcomputer auf die neue Software umgestellt worden seien.

Auch in Bayern seien die Schulen entsprechend ausgerüstet, erklärte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus: "Wir stehen in Bayern unter Druck." Um das Problem Unterrichtsausfall zu beseitigen, müssten die Schulen allerdings mehr Lehrkräfte bekommen - fünf Prozent mehr als derzeit. Der Vorsitzende des Philologenverbandes NRW, Peter Silbernagel, fordert sogar eine acht- bis zehnprozentige Stellenreserve. Derzeit werde die Reduzierung des Unterrichtsausfalls auf dem Rücken der Lehrkräfte ausgetragen.

Der Landesrechnungshof hatte vor Jahren einen Stundenausfall in NRW von 4,8 Prozent ermittelt. Die Prüfer seien damals direkt in die Schulen gegangen, sagt Löhrmann dazu. Müssten alle Schulen den Ausfall selbst erfassen, wäre dies ein enormer Aufwand, der 700 zusätzliche Stelle erforderlich mache. Zugleich kündigte die Ministerin an, künftig jährlich eine Ausfall-Statistik vorzulegen. "Dann", so die Vorsitzende der Rheinischen Direktorenvereinigung, Ingrid Habrich, "muss sie den Schulen auch das entsprechende Computerprogramm zur Verfügung stellen".

Quelle: RP
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