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Duell in NRW
Kraft gegen Laschet

Fotos: Hannelore Kraft (SPD) – Ministerpräsidentin von NRW
Fotos: Hannelore Kraft (SPD) – Ministerpräsidentin von NRW FOTO: dpa, ve
Düsseldorf. Hannelore Kraft oder Armin Laschet? Welcher Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten hat am Sonntagabend die Nase vorn? Hier finden Sie persönliche Steckbriefe beider Politiker.

Hannelore Kraft

Fotos: Armin Laschet – Ministerpräsident von NRW FOTO: dpa, rwe fdt

Die 55-jährige Sozialdemokratin ist seit Juli 2010 die zehnte Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen. Damals löste sie Jürgen Rüttgers (CDU) ab. 2007 wurde Kraft SPD-Landesvorsitzende und ist seit November 2009 eine der sechs stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden.

Kindheit Kraft wurde am 12. Juni 1961 als Hannelore Külzhammer geboren und wuchs in Mülheim/Ruhr zusammen mit einer älteren Schwester als katholisches Arbeiterkind im Stadtteil Dümpten auf. Später konvertierte sie zum evangelischen Glauben. Ihre erst kürzlich verstorbene Mutter Anni war Straßenbahn-Schaffnerin. Die Eltern arbeiteten in Wechselschicht, ihr Vater war Straßenbahnfahrer. Er starb an seinem 50. Geburtstag.

Schule/Job Als Erste in ihrer Familie machte sie das Abitur und danach eine Ausbildung bei der Bank. Anschließend studierte sie in Duisburg und in London Wirtschaftswissenschaften. Das Studium schloss sie 1989 als Diplom-Ökonomin ab. Bis 2001 arbeitete sie als Unternehmensberaterin für die Zenit GmbH in ihrer Heimatstadt Mülheim.

Familie Hannelore Kraft ist seit über 20 Jahren mit dem Elektroinstallationsmeister Udo Kraft verheiratet. Die beiden kannten sich vom Sehen schon in ihrer Jugend, im Karneval trafen sie sich wieder. Im Oktober 2012 entschieden sie sich, in Namibia auch kirchlich zu heiraten. Der einzige gemeinsame Sohn Jan ist inzwischen erwachsen. Ehemann Udo ist bei der Stadtverwaltung Mülheim angestellt.

Vorlieben Sie schätzt "klare Kante", die direkte Sprache des Ruhrgebiets. Termine fernab vom Politikbetrieb, bei denen sie mit Bürgern ins Gespräch kommt, genießt sie sichtlich. Diese Volksnähe trug zunächst zum Image der mitfühlenden Landesmutter bei. Ihrer Herkunft aus dem Pott entsprechend spielt für sie Fußball eine große Rolle, sie ist Fan von Borussia Mönchengladbach. Eine weitere Leidenschaft sind Auslandsreisen. Entspannen kann sie bei Spieleabenden mit Pantomime und Gesang. Häufig dabei: die Schauspielerin Mariele Millowitsch.

Abneigungen Von Selbstdarstellern im männlich dominierten Politikbetrieb hält sie nichts. Ihren eigenen Antrieb umschreibt sie so: "Ich bin in die Politik gegangen, um die Welt zu verbessern." Allerdings schloss sie einen Wechsel nach Berlin in die Bundespolitik schon vor einiger Zeit mit einem "Nie, nie" kategorisch aus.

Peinlichste Panne Im Sommer 2014 gab es in Münster ein schweres Unwetter. Teile der Stadt standen unter Wasser. Kraft war während ihres Urlaubs tagelang nicht zu erreichen. Sie habe keinen Empfang auf ihrem Handy gehabt, hieß es zur Entschuldigung. Doch das wurde später relativiert. Die Sache ging als "Funkloch-Affäre" in die Annalen ein.

Politik 1994 trat Kraft als Seiteneinsteigerin der SPD bei, sechs Jahre später wurde sie Landtagsabgeordnete, dann Europaministerin. Von 2005 bis 2010 war sie Oppositionsführerin im Düsseldorfer Landtag. Von 2010 bis 2012 führte sie eine Minderheitsregierung mit den Grünen, die von der Linkspartei toleriert wurde. Ihr zentrales politisches Anliegen ist soziale Gerechtigkeit, insbesondere für benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Motto "Ich glaube an einen Gott, der uns etwas zutraut. Ich glaube, dass jeder von uns eine Aufgabe hat. Die müssen wir finden. Oder sie findet uns, wenn wir uns dafür offenhalten." (kib)

 

Armin Laschet

Der 56-jährige CDU-Politiker ist seit 2012 Landesvorsitzender der NRW-CDU und seit 2013 Fraktionschef der CDU im Landtag. Von 2005 bis 2010 war er im Kabinett Rüttgers Minister für Integration und Familie. Seit 2012 ist er einer von fünf stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU. Jetzt will Armin Laschet Ministerpräsident von NRW werden.

Kindheit Er wurde am 18. Februar 1961 in Aachen-Burtscheid geboren und wuchs mit drei Brüdern in einer katholisch geprägten Mittelstandsfamilie auf. Sein Vater war Bergmann und wurde nach einer Umschulung Leiter einer Aachener Grundschule. Seine inzwischen verstorbene Mutter war der Familienmittelpunkt und stark in der Nachbarschaft und in der Gemeinde engagiert. Die katholische Prägung von Laschets Kindheit war nachhaltig.

Schule/Job Laschet legte das Abitur 1981 am Bischöflichen Pius-Gymnasium Aachen ab. Danach studierte er Rechts- und Staatswissenschaften in München und Bonn. Von 1986 bis 1988 machte er eine journalistische Ausbildung und war von 1986 bis 1991 als Korrespondent für bayerische Rundfunk- und Fernsehsender tätig. 1994 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter der damaligen Bundestags-Präsidentin Rita Süssmuth .

Familie Laschet ist seit seinem 24. Lebensjahr mit der Buchhändlerin Susanne verheiratet und hat mit ihr drei erwachsene Kinder. Kennengelernt hat er sie in einem Jugendchor, den Susannes Vater geleitet hat, der frühere Aachener IHK-Präsident Heinz Malangré. Die Familie lebt immer noch im beschaulichen Burtscheid.

Vorlieben Laschet ist ein Fan fast jeglichen Brauchtums. Vor allem der rheinische Karneval hat es ihm angetan. In seiner Freizeit liest er viel, gerne historische Bücher. Angeblich weiß er alle wichtigen Fußballergebnisse der vergangenen 20 Jahre auswendig. Sein Herz schlägt für den Regionalligisten Alemannia Aachen. Am Urlaubsdomizil angekommen sucht Laschet sich stets einen Platz von dem aus er weit in die Landschaft blicken kann. Dort stellt er einen Stuhl, auf dem er dann Zeitungen liest. Klassische Hobbies hat Laschet nicht. Er fährt mäßig gut Ski und ist nicht gerade ein Auto-Narr.

Abneigungen Ungerechtigkeit ist für Laschet schwer zu ertragen. Auch Besserwisserei mag er nicht.

Peinlichste Panne Als Lehrbeauftragter der RWTH Aachen ließ er Klausuren schreiben, die später verloren gingen. Laschet verteilte die Noten nach eigenen Angaben ersatzweise anhand eigener Notizen. Dabei verteilte er auch Noten an Studenten, die die Klausur gar nicht mitgeschrieben hatten.

Politik Laschet trat 1979 in die CDU ein. Im Landtagswahlkampf setzte er vor allem auf das Thema Innere Sicherheit und forderte härtere Gesetze gegen Einbrecher, mehr Polizei und die Einführung der Schleierfahndung in NRW. In den 1990er Jahren gehörte er wie sein Vorgänger Norbert Röttgen zur Pizza-Connection: Mit jungen Grünen-Politikern traf er sich in Bonn beim Italiener. 2010 kandidierte er für das Amt des Vorsitzenden des CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, das durch den Rückzug des Amtsinhabers Jürgen Rüttgers frei geworden war. Er unterlag zunächst Röttgen und wurde erst nach dessen Wahlniederlage 2012 NRW-CDU-Chef.

Motto Laut Jugendfreunden lautete sein Karrieremotto in jungen Jahren "20 Prozent Sein, 30 Prozent Schein, 50 Prozent Schwein". Schwein im Sinne von Glück. (tor)

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